Nürnberg: Nur das kaufen, was man braucht
Thomas Linhardt demonstriert seine Idee vom Unverpackt-Laden und füllt Nüsse in eine Papiertüte ab. - Foto: Pelke
Nürnberg

Bald will er Nüsse, Müsli und Himbeeren in Bitterschokolade wie im guten alten Tante-Emma-Laden vollkommen ohne Schutzverpackung verkaufen. Noch fehlt ihm allerdings der passende Laden.

Lebensmittel ohne Verpackung verkaufen. Davon träumt Thomas Linhardt. "Zero Hero" hat der 38-Jährige seine Idee getauft, die auf Müllvermeidung beim Lebensmitteleinkauf setzt. Ganz neu ist der Wunsch nach weniger Müll im Alltag nicht. Unverpackt-Läden gibt es in der Republik selbstverständlich auch schon. Nur in Nürnberg eben noch nicht. Das will Linhardt ändern. In Gostenhof will der Nürnberger seinen Laden eröffnen. Noch fehlen ihm allerdings die passenden Räumlichkeiten. Das Interesse an seiner Idee ist in Nürnberg trotzdem riesig.

Derzeit berichtet Lindhardt über seine Geschäftsidee in öffentlichen Vorträgen. Am Montagabend ist er im "Josephs", dem Ideenlabor des Fraunhofer Instituts in Nürnberg, zu Gast. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Caro und Sabrina stehen vor einem Behälter und füllen eigenhändig Nüsse in eine Papiertüte. "Man bekommt beim Einkaufen ohne Verpackungen ein ganz anderes Gefühl für die Lebensmittel", sind sich die 27-jährigen Freundinnen aus Nürnberg einig. Das Einkaufen werde zum Erlebnis. Gleichzeitig tue man etwas Gutes für die Umwelt, weil man die Produkte in mitgebrachte Jutebeutel und Glasdosen abfüllt. "Durch diese Art des Einkaufens baut man einen ganz anderen Bezug zur Nahrung auf. Man kann viel mehr mit den eigenen Sinnen erleben", findet Sabrina und schaufelt genussvoll noch ein paar von den gerösteten Bio-Cashewnüssen in die Tüte.

Von einem Unverpackt-Laden in Nürnberg träumt Thomas Lindhardt schon seit einem Jahr. Wie ein Öko-Junkie schaut der 38-Jährige nicht aus. Linhardt erinnert rein äußerlich vielmehr an den modernen Großstadt-Hipster: Glatze, Tattoos, Vollbart. Derzeit wirbt er in Vorträgen für seine Idee. "Mein Konzept steht. Ich suche nur noch einen Laden", sagt Linhardt und malt beim kleinen Wörtchen "nur" mit beiden Händen zwei Gänsefüßchen in den Raum. Dann erklärt er, wie sein Laden in der Praxis laufen soll. "Man bringt seinen eigenen Behälter mit. Für den Spontaneinkauf kann man sich im Laden eine Glasdose oder einen Jutebeutel holen. Bezahlt wird nach Gewicht", erklärt der Gründer von "Zero Hero".

Die Vorteile des Unverpackt-Einkaufens liegen für ihn auf der Hand. "Man kauft nur das, was man braucht. Man produziert weniger Müll." Neben Essig, Säften und Wein soll es auch Schokolade und handgemachte Seifen geben. Dazu Zahnpasta aus nachwachsenden Rohstoffen. Neben Bioprodukten sollen auch regionale Hersteller ins Programm genommen werden. Die Preise seien etwas niedriger als in normalen Bioläden. Schließlich verzichte er bei Müsli & Co. auf die Verpackung als zusätzlichen Kostenfaktor.

Damit Lebensmittelmotten bei ihm keine Chance haben, soll eine Schädlingsbekämpfungsfirma darüber mit Argusaugen wachen. Ganz ohne Verpackungen kommt freilich auch "Zero Hero" nicht aus. Die meisten Produkte würden in großen Papiersäcken angeliefert. Umweltfreundlicher als die gewohnten Einzelverpackungen aus den herkömmlichen Supermärkten sei das trotzdem. In den Laden will Linhardt ein Café integrieren. Hier sollen sich Gleichgesinnte wohlfühlen und über neue Ideen zur Müllvermeidung nachdenken können. Nun hofft er, bald einen Laden zu finden und loslegen zu können.