Greding: Wohnhaus fällt Flammen zum Opfer
Brand in einem Wohnhaus an der Ecke Eichendorffstraße/Adalbert-Stifter-Straße: Über die Drehleiter dringen die Feuerwehrleute in das Dachgeschoss vor.
Greding
Eine Nachbarin entdeckt um 20.30 Uhr, dass aus der Holzlege eines Wohnhauses in der Eichendorffstraße in Greding Rauch aufsteigt und die Flammen bereits auf das direkt daneben stehende Haus übergreifen. In kürzester Zeit ist eine Streife der Polizeiinspektion Hilpoltstein vor Ort und führt einen 74-Jährigen, der noch die wichtigsten Dinge an sich nehmen wollte, hinaus. Bewohner eines Nachbarhauses werden vorsorglich evakuiert.

Rasch ist auch die Freiwillige Feuerwehr Greding vor Ort und baut ihre Fahrzeuge und Geräte auf. Allerdings hat sie mit den Tücken eines Einsatzes in eisiger Kälte zu kämpfen. Während die ersten Atemschutzträger ins Haus vordringen, machen sich ihre Kollegen auf die Suche nach dem unter einer Schneeschicht verborgenen Unterflurhydranten. Sind sie gefunden, müssen sie zuerst aufgetaut werden, damit sie geöffnet werden können.

Unterstützt werden die Feuerwehrleute dabei von den Anwohnern in der Eichendorffstraße, die unermüdlich Eimer mit dampfend heißem Wasser anschleppen und ihre Streusalzvorräte plündern. Mit viel heißem Wasser und Salz gelingt es, die Unterflurhydranten „anzuzapfen“, so dass um 21.08 Uhr der Wassernachschub gesichert ist. Viel Wasser ist auch dringend nötig, weil das Haus in Holzbauweise errichtet wurde. „Bei Holzdecken wie diesen hat man nur eine Chance, wenn man mit viel Wasser vorgeht“, erklärt Kreisbrandrat Werner Löchl. Bei Häusern mit Massivdecken könne man überlegen, ob man auf zu viel Wasser verzichtet. „Dann brennt zwar der Dachstuhl ab, aber der Keller bleibt ohne Wasserschaden erhalten.“ Solche Holzkonstruktionen wie zum Beispiel auch die Supermarkthallen von Lidl und Co haben einen Feuerwiderstandswert von F 30. „Das heißt, man hat ab dem Ausbruch des Brandes 30 Minuten Zeit, um die Leute in Sicherheit zu bringen. Und dann fallen die Gebäude ein.“

Mit viel Wasser versucht die Gredinger Wehr, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Zusammen mit den nachalarmierten Obermässinger Feuerwehrleuten gehen die Atemschutzträger zum Innenangriff über. Über eine verschiebbare Leiter dringen sie in das Dachgeschoss vor und versuchen, von dort aus zu löschen. Dort kommt es zum gefürchteten, aber nicht vermeidbaren Flashover, dem Durchzünden. Der entsteht, wenn das Feuer durch eine geöffnete Tür, eine zerstörte Dachhaut oder ein zerborstenes Fenster plötzlich viel Sauerstoff bekommt. „Dabei sind sogar die Plastikteile der Aluleiter geschmolzen“, berichtet der Kreisbrandrat.

Die Atemschutzträger schwitzen gewaltig in ihren Thermoanzügen, die sie vor der Hitze der Flammen schützen. „Nach ein bis zwei Stunden sind die am Ende“, weiß Werner Löchl. Wenn sie nass geschwitzt bei dieser Kälte zurück zum Meldeposten kommen, dampfen die Männer regelrecht. Die Visiere gefrieren bei minus 13 Grad zu oder sind mit kleinen Eiszapfen behängt.

Bevor neue Kräfte zum Löschen losmarschieren, werden sie von der Atemschutzüberwachung genau registriert. Notiert werden die Namen der Atemschutzträger, wann sie zum Brandort gehen und wann das Ende ihrer maximalen Einsatzzeit erreicht ist. So kann der Atemschutzüberwacher genau kontrollieren, ob alles im grünen Bereich ist.

Gerettet werden muss keiner der Atemschutzträger, nur regelmäßig ausgetauscht. Auch die Geräte müssen gewartet und die Flaschen wieder gefüllt werden. Dafür kommen den Feuerwehrleuten aus Greding die Kollegen von der Atemschutzstrecke des Landkreises zu Hilfe. Sie haben ihren Gerätewagen dabei und machen sich sofort an die Arbeit, damit die Atemschutzausrüstung sofort wieder einsatzbereit ist.

Rasch einsatzbereit sind auch die Feuerwehrleute aus Beilngries. Die sitzen gerade im Feuerwehrhaus und schauen das DFB-Pokal-Viertelfinale an, als der Brand in Greding gemeldet wird. Die Integrierte Leitstelle (ILS) Ingolstadt schickt die Beilngrieser Wehr mit ihrer Drehleiter nach Greding, weil ihr Anfahrtsweg nur halb so lang ist wie der der Hilpoltsteiner.

Die Beilngrieser Drehleiter ist zwar in kürzester Zeit vor Ort, doch damit fangen ihre Probleme erst an. Auf der steilen Adalbert-Stifter-Straße, an deren obersten Ecke das brennende Haus steht, müssen die Stützen der Drehleiter weit ausgefahren werden. Doch deren Sensoren lassen das auf der mit Eis überzogenen Fahrbahn nicht zu, so dass immer wieder manövriert werden muss. Als die Drehleiter endlich ausgefahren werden kann, muss zuerst ein großer Nadelbaum gefällt werden, der den Feuerwehrleuten im Weg steht. „Büsche, die beim Einzug in ein Haus gepflanzt werden, sind nach zehn Jahren so groß, dass sie bei Einsätzen stören.“ Deshalb gehört zur Ausrüstung der Drehleiter auch immer eine Motorsäge.

Die Feuerwehrleute und auch Anwohner tun ihr Möglichstes. Sie schleppen Beutel und Säcke, Eimer und Wannen mit Salz an, um die Rutschgefahr zu bannen. Immer wieder gerät ein Feuerwehrmann auf dem glatten Boden ins Rutschen, strauchelt und fängt sich wieder. Nicht ohne ist auch die steile Steintreppe, die zur Haustür hinaufführt. Kein Wunder, dass der Kreisbrandrat erleichtert ist, dass keinem Feuerwehrmann etwas passiert ist. „Bei diesem Wetter ist das eine absolute Personal- und Materialschlacht.“

Bis um 7 Uhr gestern früh sind die Feuerwehrleute zur Sicherheitswache vor Ort. Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar, eine Brandursache kann die Kriminalpolizei noch nicht nennen. Die Ermittlungen dauern an.