Eichstätt: Der "Schöpfungszyklus" ist fast vergessen
 
Eichstätt
Steinbildhauer Günther Lang will das nun ändern. Dass die Steine verwittern, stört ihn zwar nicht – im Gegenteil: „Ich finde das sehr schön so.“ Eine aufwendige Reinigung brauche es nicht. Allerdings wäre eine Informationstafel sehr wünschenswert. Zunächst für die Einheimischen, die kaum mehr die Entstehung der kleinen Skulpturenanlage kennen, aber auch für die vielen Touristen. Denn der „Schöpfungszyklus“ liegt genau am Radweg. Und immer wieder halten hier Radler gerne an, fotografieren die Figuren und fragen sogar in der Bibliothek nach deren Sinn. Der „Schöpfungszyklus“ mit seinen 15 Plastiken könne durchaus eine weitere Touristenattraktion in der Stadt werden. „Da bräuchte man nur eine Informationstafel“, sagt Lang. Die Texte dazu würde er gerne zur Verfügung stellen.

Denn dass der Zyklus hier zu sehen ist, ist Lang selber zu verdanken: Der Eichstätter Steinbildhauer ist eines der Urgesteine des 1974 gegründeten „Gestaltungskreis Bayern“, und diese Künstlervereinigung hatte 1984 im Rahmen eines Symposiums zum Thema „Schöpfung“ auch diesen Zyklus geschaffen. Der Gestaltungskreis hat in Eichstätt immer wieder verschiedene Ausstellungen geboten – diese jedoch zum damaligen zehnjährigen Jubiläum der Künstlervereinigung ist dauerhaft in Eichstätt geblieben. „Wir haben da lange nach einem Standort gesucht.“ Eigentlich hatte Lang die östlichen Altmühlauen im Visier, aber die hatte der damalige Diözesanbaumeister Karljosef Schattner für die neue große Uni-Bibliothek, den heutigen Behnisch-Bau, vorgesehen. Im Hofgarten hatte die Denkmalpflege Einwände. Der Platz vor der Hofgarten-Bibliothek gehört jedoch dem Seminar, und hier bekam der „Schöpfungszyklus“ seine Bleibe.

Besitzerin dieser Kunstwerke ist allerdings die Katholische Universität. „Dieses Geschenk ist uns lieb und wertvoll“, sagte der damalige Uni-Präsident Nikolaus Lobkowicz, als er am 29. Juni 1984 die Schenkung feierlich entgegennahm. Diese Arbeiten, so meinte Lobkowicz damals, „erinnern uns daran, dass wir eine Universität sind, die nicht nur den Beinamen katholisch trägt, sondern die mit diesem Adjektiv verpflichtet ist, auch ganz bestimmte grundsätzliche Perspektiven einzuschlagen und bestimmte Inhalte zu bekennen.“

28 Jahre sind seither vergangen, und auch diese Erinnerung ist offenbar verblasst, bedauert Lang. Heutzutage wisse die Uni wohl kaum mehr, was sie da in ihrem Besitz hat. Deshalb will der Steinbildhauer den „Schöpfungszyklus“ wieder aus der Vergessenheit ans Licht hoen. Unterstützt wird er dabei von Wolfgang Babl, einem alten Eichstätter und Schulfreund, der derzeit auch Dokumente zu diesen Arbeiten zusammenträgt.

„Wie gesagt“, meint Lang, „es müsste nicht viel getan werden, eine Info-Tafel würde reichen.“ Vielleicht könnten sich dafür die Universität als Besitzerin und die Stadt aus touristischem Interesse zusammentun?