Eichstätt: Wo "Milchpreis" als Reizwort gilt
Der Allgäuer Maxi Schafroth meisterte seinen ersten Auftritt im Gutmann mit Bravour - Foto: buk
Eichstätt
Am Sonntag stellte er sich erstmals (immer noch mit seinem ersten Programm) auf der Eichstätter Gutmann-Bühne vor.

Schafroth tritt mit Seppl-Hut, Karo-Hemd und Trachten-Janker auf; sein Allgäuer Afrolook-Outfit stellt eine Mischung zwischen Jimi Hendrix und Karl Valentin dar, sein Erzähltalent erinnert an Luis Trenker. Nicht zu Unrecht gilt der kluge und witzige Nachwuchs-Brettlkünstler als neuer leuchtender Stern am bayrischen Kabarett-Himmel. Auf der Gitarre begleitet ihn teils ein Freund aus Kindheitstagen, Markus Schalk („ich bin am Nachbarhof in Stephansried aufgewachsen!“). Beide brachten am Sonntag die Stimmung im Gutmann zum Brodeln – mit dem „Bienenstock-Song“, dem Kässpätzle-Blues oder einer Apotheose des Allgäus. Dazu tanzt Schafroth auch schon mal einen Zwiefachen in Zeitlupe.

Dieser ländliche Landstrich in Bayerns Südwesten ist Hauptthema des Abends: Dort, wo die Stille des Stammtischs nur gestört wird, wenn das Reizwort „Milchpreis“ fällt, worauf es zur „Echauffage“ kommt („Ein Wort, das es nicht gibt, dass man aber sofort versteht“) und Phlegmatiker zum Rumpelstilz werden, bevor sie neu „ins Allgäuer Standby verfallen“.

Es ist die Gegend, wo beim Ausbruch pubertierender Jungrinder („Schomba“) alle helfen müssen, wovon die „Schomben-Ballade“ erzählt („der Bauer sucht sein Kapital am Horizont...“). Geflucht wird mit „Hrrrrgrrrr – sackzack huarada racha...“, Balz und Paarbildung erfolgen höchst maulfaul („So, da is mei Hof, da is mei Wald, jetzt überlegst dir's hald...!“). Die Delfin-Therapie findet in der Gülle-Grube statt und „die Manager flatschen in die Kuhfladen“.

Es geht um Kulinarisches wie den mit Zwiebeln und Essig angemachten Romadur, um die „schwitzende Lyoner“, die „durch scharfes Anbraten mit viel Fondor und Maggi wieder gängig gemacht wird“, um die bei 350 Grad im Backofen produzierte „Allgäuer Einbrenne“, die anderswo „Schwabentöpfle“ heißt. Und vor allem geht es um den Dialekt: „Iih bin a Untrrr-Allgäurrr Baure-Bua“, bekennt Schafroths Bühnenfigur mit autobiografischen Zügen, die auf Wunsch des Vaters zur Sicherheit eine Lehre in der Bank und Kabarett nur aus Spaß machen sollte – „inzwischen mache ich zur Sicherheit nebenher Kabarett“.

Im Allgäuerischen dominieren zwei Konsonanten - „das Rrrrrr“ und das „Öölllll“ – etwa in dem Satz „Kahsch ma’rrramoll hölffa...“ Antwort: „Naah, Dirr hilfi gwies itt...!“ Der Sitz im Leben dieses Dialogs besteht darin, dass ein Preuße „einen toughen Allgäuer Achthunderter besteigen“ will, sich aber „verstiegen“ hat und nun an einer Wurzel hängend einen Bergbauern anfleht.

\tBesondere Komik gelingt Schafroth durch die Konfrontation dieses urigen Dialekts mit Persiflagen auf das distinguiert näselnde Hochdeutsch, in das er jäh wechselt, wenn er erklärt, er wolle „in partnerschaftlicher Interaktion mit dem Publikum ein ländliches Wertesystem implementieren“. Brüllend komisch der Kontrast der Dialoge zwischen dem Vater und dem Lehrling im Stall und zwischen Banker und Azubi in Frankfurt.

Immer wieder wird das Publikum einbezogen, mit dem Schafroth den „Nasal-Lacher“ probt, der verbindlich wirkt, aber von Unverständnis zeugt („Ich habs zwar nicht verstanden, bin aber voll d’accord!“). Er bringt die Besucher dazu, den Satz „Ich habe einen Pansen“ nachzusprechen („Wenn Sie jetzt Ihren Nachbarn ansprechen, dann entdecken Sie das Rind im andern!“). Ein höchst vergnüglicher Abend, der Vorfreude weckt auf das zweite Programm, das nächstes Jahr auf die Bühne kommt.