Eichstätt: "Irgendwann fällt der Groschen"
1983 hat das Blaue Kreuz Räume im Speth’schen Hof bezogen. Hier ist auch 1996 die PSB-Beratungsstelle entstanden. - Foto: smo
Eichstätt
Am Anfang stand eine kleine, unscheinbare Begegnung in einem Privathaus in Eichstätt. Dora Murrmann, heute 90 Jahre alt, hat einem vom Alkoholismus betroffenen Mann Hilfe angeboten – und er hat sie angenommen (siehe grauer Kasten). „Die Menschen sollten freiwillig in unsere Selbsthilfegruppen kommen. Mit Zwang erreicht man eher das Gegenteil“, meint Marion Enhuber, die Vorsitzende des Vereins. Es brauche jemanden, der einen auf den „richtigen Weg“ bringe. „Es genügt auch nicht, nur einmal die Gruppe zu besuchen.“ Irgendwann merke man, „hoppla, das bringt mir doch was“ und der Schalter legt sich um und „der Groschen fällt“, meint Enhuber.

So ähnlich muss es dem Eichstätter gegangen sein, damals, 1972. Für Dora Murrmann war die Sache danach eigentlich erledigt. „Aber Anfragen von außen und ein beharrliches Rumoren aus meinem Inneren ließen mich nicht zur Ruhe kommen“, sagt sie. Und nach einem Seminar für freiwillige Suchtkrankenhilfe, das sie besucht hat, „hatte mich das Blaue Kreuz total erwischt“. So nahm die Suchtkrankenhilfe des Blauen Kreuzes in Eichstätt seinen Lauf. Die ersten Gespräche fanden im Wohnzimmer von Dora Murrmann statt, bevor auch Treffen im Eichstätter Krankenhaus abgehalten wurden. Ein großer Förderer dieser Angebote war der damalige Chefarzt Dr. Georg Jakob. „Mein damaliger Chef hatte den Wunsch, diese Gespräche auch im Krankenhaus zu führen“, erklärt Murrmann in einem Rückblick. Die als gläubige Frau bekannte Murrmann war als Krankenschwester im Krankenhaus tätig.

Aus der zunächst als selbstständige Begegnungsgruppe firmierenden Runde wurde am 15. Februar 1987 schließlich der Blaukreuz-Ortsverein Eichstätt/Kipfenberg: „Seither besuchen viele von Alkoholismus gebeutelte Menschen und deren Angehörige unsere drei Selbsthilfegruppen“, freut sich Marion Enhuber. Alles, was im Blauen Kreuz gearbeitet wird, passiert ehrenamtlich. „Wir haben 17 Mitarbeiter, und bis auf einen sind oder waren alle selbst betroffen“, sagt Enhuber. „Die wollen alle ihre Erfahrung weitergeben.“ Ohne ein eigenes Lebenszeugnis wäre es viel schwieriger. „Irgendeiner nimmt dich dann bei der Hand und dann macht’s klick.“ Einer von 39 Mitgliedern, die der Blaukreuz-Verein derzeit hat. „Natürlich ist es schwierig, den ersten Schritt zu gehen, aber wenn er gegangen ist, dann bleiben die meisten auch dabei“, so Enhuber. Sicher gibt es immer wieder Menschen, die den Besuch einer Selbsthilfegruppe nicht ernst genug nehmen. „Da ist dann einfach vielleicht die Zeit nicht reif.“

Einen hohen Stellenwert bei den Treffen des Blauen Kreuzes nimmt das Gemeinschaftsgefühl ein: „Bei uns wird auch einmal diskutiert, gelegentlich auch gestritten.“ Es gehe aber nicht nur um den Alkoholismus: „Wir erörtern auch existenzielle Lebensfragen.“ Aber auch der Freizeitfaktor darf mit Wandertagen oder Radtouren nicht zu kurz kommen.

Die Gruppen treffen sich übrigens donnerstags und freitags in Eichstätt, mittwochs in Kipfenberg.