Doppeltorschütze: Memmingens Furkan Kircicek (l.) war am Samstag kaum zu stoppen, während Neuzugang Kasim Rabihic (r.) eine total missglückte Heimpremiere beim FC Pipinsried erlebte.
Doppeltorschütze: Memmingens Furkan Kircicek (l.) war am Samstag kaum zu stoppen, während Neuzugang Kasim Rabihic (r.) eine total missglückte Heimpremiere beim FC Pipinsried erlebte.
H. Kramer
Pipinsried

Nach 76 Minuten hatte Konrad Höß genug. Der Präsident des FC Pipinsried faltete seinen Regenschirm zusammen, verließ seinen Platz hinter der Bande und machte sich über den Ausgang des Gästekäfigs auf den Weg in Richtung Sportheim. Höß schaute grimmig drein, genau wie das Wetter am Samstag in Pipinsried. „Da fehlt's weit“, raunzte der FCP-Boss vor sich hin und fügte an: „Jeder Memminger Spieler ist besser als unsere.“

Einen Tag später waren Höß' Worte zwar im Kern dieselben, doch sie klangen zumindest nicht mehr so sehr nach Resignation, eher ein bisschen nach Verwunderung über den Leistungsabfall. „Viele von unseren Spielern sind derzeit nicht in der Verfassung für die Regionalliga“, meinte Höß. „Wir befinden uns auf dem absteigenden Ast, derweil müssten die zehn Punkte der Mannschaft doch eigentlich Auftrieb verleihen“, so der Präsident. Auftrieb versprühte in dieser richtungweisenden Partie jedoch nur der Tabellenletzte aus dem Allgäu. Beim Aufsteiger in Pipinsried herrscht dagegen regelrechte Ratlosigkeit.

Zum Beispiel darüber, wie es schon wieder passieren konnte, dass alle guten Vorhaben nach kürzester Zeit über den Haufen geworfen wurden. Furkan Kircicek nutzte nach weniger als einer Minute eine Nachlässigkeit in der FCP-Defensive zur FCM-Führung. Viel zu passiv präsentierte sich die Pipinsrieder Abwehr auch bei Kirciceks 0:2 (32.) – viel zu harmlos und unkreativ der FCP-Angriff selbst dann, als Memmingen nach Gelb-Rot für Branko Nikolic (40.) nur noch zu zehnt auf dem Feld stand. Anstatt nochmals daran zu arbeiten, das Spiel zu drehen, gab es kaum gelungene Torabschlüsse, stattdessen entschied Fabian Lutz das Match komplett für die Gäste (68.).

Kurz darauf machte sich Höß eben auf den Weg in Richtung Sportheim, wo nach dem Spiel eigentlich die Pressekonferenz hätte stattfinden sollen. Weil Spielertrainer Fabian Hürzeler aber nicht erschienen war, wurde diese abgesagt. Später stand Höß noch lange mit Manager Roman Plesche zusammen, um über die Situation und mögliche Lösungen zu beratschlagen.

Eine davon, die nicht unmittelbar damit zusammenhängt, ist die Verpflichtung des neuen Co-Trainers Florian Dinser. „Wir arbeiten schon länger daran. Das ist keine Reaktion auf die aktuelle Situation“, betont Plesche. Ebenso wenig sei es eine Degradierung des bisherigen Co-Trainers Christoph Burkhard. „Wir haben das gemeinsam entschieden. Er möchte sich mehr auf seine eigene Leistung konzentrieren“, so Plesche. Dinser, ehemaliger Fußballer beim TSV Kottern und zuletzt in einer Fußballschule in Barcelona tätig, soll als zusätzliche Hilfe von außen analysieren und damit auch Hürzeler entlasten. „Das Wichtigste ist, dass wir jetzt nicht in Panik verfallen“, sagt Plesche: „Wir dürfen uns nicht alles, was wir aufgebaut haben, kaputt machen.“