Berlin: "Wir sind am Ziel unserer Träume"
Ganz vorne in Mariendorf: Tsunami Diamant mit Robin Bakker im Sulky. - Foto: Marius Schwarz/imago
Berlin

Dabei war heuer nicht unbedingt mit einem Derbysieg für den Stall aus Langenmosen zu rechnen, Tsunami Diamant hatte bestenfalls nur als Mitfavorit gegolten (Quote: 46:10). Dass es letztlich doch anders kam, lag nicht zuletzt an Robin Bakker: Der niederländische Erfolgsfahrer, der das wichtigste deutsche Trabrennen bereits in den vorherigen vier Jahren dreimal gewonnen hatte, wählte auch diesmal wieder exakt die richtige Taktik. "Man muss zunächst im Rücken der Konkurrenten sein, um sie genau beobachten zu können", erklärt Max Schwarz: "Das machte Robin Bakker mit Tsunami Diamant ganz hervorragend - um ihn dann auf der Zielgeraden, genau im richtigen Moment, herauszunehmen und mit ihm an allen restlichen Pferden förmlich vorbeizufliegen."

Nur waren's wirklich alle? Denn als sich die Familie Schwarz unmittelbar nach Rennende freudetrunken in den Armen lag, dröhnte plötzlich eine Durchsage durch die Lautsprecher, dass die Zielfotoanlage in Berlin-Mariendorf ausgefallen sei. "Eigentlich war ich mir ja sicher, dass Tsunami Diamant ganz vorne lag. Aber da ich während des Rennens rund 400 Meter von der Bahn weggestanden war und es dadurch nur auf der Leinwand verfolgen konnte, kamen dann plötzlich doch wieder Zweifel auf", berichtet Max Schwarz.

So begannen Minuten des Bangens und des Zitterns, die sich für die Delegation aus Langenmosen wie Stunden anfühlten - erst recht, nachdem nach rund einer Viertelstunde das Gerücht die Runde machte, dass das Deutsche Traberderby 2017 als "Totes Rennen" gewertet werden würde. Das hätte bedeutet, dass laut der Rennleitung Tsunami Diamant und Flying Fortuna exakt gleichauf die Berliner Ziellinie überquert hätten. Die 120 704 Euro an Siegprämie sowie die 60 000 Euro für den Zweitplatzierten wären in diesem Fall geteilt worden, jeder hätte also rund 90 000 Euro bekommen.

"Lieber einer von gleich zwei Siegern als gar kein Sieger", dachte sich Max Schwarz in diesem Moment - um weitere acht Minuten später eben komplett am Ziel seiner Träume zu sein. Da nämlich wurde nach Auswertung der Rennverfilmung definitiv entschieden, dass Tsunami Diamant doch eine halbe Länge Vorsprung besessen hat. Der erste Rang ging damit allein an den dreijährigen Hengst aus Langenmosen.

Da ließ sich Andreas Schwarz nicht mehr lumpen - sondern schritt zur Tat: Der Juniorchef und Züchter hatte im Vorfeld versprochen, dass er bei einem Derbysieg spontan in den Rennbahnteich in Mariendorf springen würde - und das machte er auch, in kompletter Bekleidung, mit einem technisch durchaus hochwertigen Sprung. Sein Vater Max verfolgte es mit einem breiten Grinsen im Gesicht: "Vor zwölf Jahren, als unser Gustav Diamant Dritter beim Deutschen Traberderby geworden war, habe ich genau das Gleiche getan. Ich weiß also, wie sich das anfühlt."

Heuer verzichtete der Seniorchef auf eine spontane Abkühlung - und genoss einfach den Triumph in vollen Zügen. Dass Tsunami Diamant in 1:12,6 Minuten zudem einen neuen Rekord für Deutschen Traberderbys aufgestellt hatte - es machte den Tag für die Familie Schwarz noch perfekter.