Neuburg: Fleiß, Konzentration und Verzicht
Foto: Sebastian Hofmann
Neuburg

Wenn sie nicht auf Diät ist, dann sieht man Jennifer Reibold ihre Sportart nicht unbedingt an. Natürlich ist der Körper der 19-Jährigen durchtrainiert, doch einen Unterschied zu einer gleichermaßen ehrgeizigen Leichtathletin gibt es nicht. Und auch sonst unterscheidet sich die Blondine optisch kaum von vielen jungen Frauen. Doch der Schein trügt. Denn wenn sie in der Wettkampfphase, der sogenannten On-Season, ihre Ernährung umstellt, dann verwandelt sich Jennifer Reibold in eine Fitness-Athletin. Die Muskeln in ihrem Körper wirken dann aufgrund des niedrigeren Fettanteils definierter und kommen besser zur Geltung. Dem landläufigen Klischee eines steroidgetränkten Mannweibes entspricht sie dann immer noch bei weitem nicht. Wenn sie sich aber ihren teuren Bikini anzieht und auf Wettkampfbühnen tritt, sieht Jennifer Reibold definitiv anders aus als andere Frauen in ihrem Alter.

"So, wie ich jetzt bin, fühle ich mich wohl", sagt die Auszubildende aus Neuburg. Auf der Internet-Bilder-Plattform Instagram ist sie vertreten, hat dort unter dem Pseudonym @jerejennifer fast 2900 Abonnenten und zeigt ihr Sportlerinnenleben in derzeit 70 Bildern. Manche der Schnappschüsse sind mit mehr als 200 Herzchen gekennzeichnet - mehr als 200 Followern gefällt das entsprechende Bild. Instagram war einer der Gründe, warum sich die schon seit Kindesbeinen mit ausgeprägtem Bewegungsdrang gesegnete Jennifer Reibold im Alter von 17 Jahren für Fitnesswettbewerbe zu interessieren begann. "Fitness, gerade in der Bikini-Klasse, ist ja seit ein paar Jahren sehr angesagt. Als ich mich bei Instagram angemeldet habe, bin ich natürlich auch auf viele Fotos von den Stars der Szene gestoßen. Es hat mich sofort begeistert und ich wollte auch so sein", sagt die Neuburgerin und muss grinsen. Dann gab es da aber noch eine andere Frau, die Jennifer Reibold sogar persönlich kennen und schätzen gelernt hat: die Neuburgerin Valeria Ammirato, die im Jahr 2013 Amateurweltmeisterin im Bikini-Bodybuilding geworden ist und den Sport seit drei Jahren professionell betreibt. "Sie ist schon so etwas wie ein Idol für mich", sagt Jennifer Reibold über die 31-Jährige, die mittlerweile in den USA, dem Mutterland des Bodybuilding, lebt. Den Entschluss, sich auf Fitness zu konzentrieren und an Wettbewerben teilzunehmen, hat Jennifer Reibold vor mehr als zwei Jahren gefasst. Schnell hat sie sich professionelle Hilfe des Trainers Mario Obleser aus Dasing geholt. "Er hat mir dann erst mal den Wind aus den Segeln genommen und mich lange trainieren lassen, bevor eine Wettkampfteilnahme überhaupt zur Debatte stand. Ihm war es wichtig, dass ich alles mit der nötigen Ruhe und einer guten Vorbereitung angehe." Also trainierte Jennifer Reibold. An sechs Tagen in der Woche - in der heißen Phase vor den ersten Wettkämpfen sogar zweimal täglich. Stemmte Hanteln, arbeitete an Maschinen, verbesserte ihre Herz-Kreislauf-Funktionen. Zwei Jahre lang. Die Entscheidung, sich tatsächlich den strengen Augen einer Jury zu stellen, fiel bereits im Dezember 2015. Aber erst im Frühjahr 2017 war es dann endlich so weit. "Ich habe schon damit gerechnet, dass es nicht so schnell gehen würde. Aber dass es dann gleich so lang dauert . . .", sagt die Neuburgerin und schiebt hinterher: "Aber es war gut so."

Neben dem Training musste sie auch ihre Ernährung, die bereits schon sehr strikt gewesen war, nochmals umstellen. Körperfett sollte weiter abgebaut werden, damit die hart erarbeiteten Muskeln auf der Bühne besser zur Geltung kommen. Der Terminkalender hätte der 19-Jährigen im Frühjahr beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ihre Wettbewerbsdiät fiel genau in den Zeitraum ihrer Zwischenprüfung zur Industriekauffrau. "Das war echt hart. Ich war immer müde vom Training, hatte ständig Hunger und musste mich auch noch auf die Schule konzentrieren." Letztlich hat sie die Zwischenprüfung aber geschafft und konnte sich danach wieder auf die Newcomer-Show in Fulda Mitte April konzentrieren. Dort nahm sie an zwei Wettbewerben teil, wo sie bei den Unter-21-Jährigen auf dem fünften Platz landete. In der offenen Amateurklasse, in der Frauen aus der gesamten Republik teilnahmen, schaffte sie es unter 36 Teilnehmerinnen nicht unter die Top-15.

Ihren bislang größten Erfolg feierte Reibold gut eine Woche später bei den Bayerischen Bodybuilding-Meisterschaften in Gersthofen bei Augsburg. "Das war schon im Vorfeld ganz speziell für mich, weil Familie und Freunde im Publikum waren." Die Konkurrenz im Schwäbischen sei groß gewesen, Reibold habe nicht damit gerechnet, irgendwie erfolgreich abschneiden zu können. "Da waren Frauen dabei, die das schon seit Jahren betreiben, teilweise auch schon Meistertitel haben." Vor der Finalrunde hatte sich die Neuburgerin mit einem Stück Schokolade schon selbst belohnt und ihre Sachen gepackt, weil sie nicht damit rechnete, zur Runde der besten Frauen gerufen zu werden - und dann wurde sie noch mal auf die Bühne geholt. Dort realisierte Jennifer Reibold nach und nach, dass sie es ziemlich weit geschafft hatte, als die Namen und Platzierungen ihre Konkurrentinnen genannt wurden, nur sie selbst lange Zeit nicht aufgerufen wurde. Als schließlich der sechste Platz für sie verkündet war, habe sie sich sehr gefreut.

Damit das alles nicht nur eine Erinnerung bleibt, hat sie sich schon neue Ziele gesetzt. Jennifer Reibold will noch ein weiteres Jahr an ihrem Körper arbeiten und ihre Schwächen beseitigen - laut eigener Aussage sind das ihr Rücken und ihr Bauch. Im Herbst kommenden Jahres will sie dann wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Welche das sein werden, weiß sie noch nicht. Eines hat sie sich aber schon fest vorgenommen: Sie will sich für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren.