1. FC Nürnberg - 1. FC Union Berlin
„Ich denke, dass ich ziemlich zweikampfstark bin.“ Der einstige Raitenbucher Patrick Kammerbauer (links im Zweikampf mit Marcel Hartel von Union Berlin) weiß um seine Stärken, kennt aber auch die sportlichen Defizite, an denen er als Fußballprofi noch arbeiten muss.
Daniel Karmann (dpa)
Raitenbuch

Fünf Jahre pendelte Patrick Kammerbauer fast täglich nach Nürnberg, danach wohnte er drei Jahre im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg. Seit mittlerweile zwei Jahren hat er eine eigene Wohnung in der Frankenmetropole. Im Herzen ist der Profifußballer aber weiterhin ein Raitenbucher geblieben. So oft es geht, ist er in der Heimat. „Hier fühle ich mich am wohlsten“, sagt er. In letzter Zeit häuften sich seine Besuche. Der 20-Jährige war unter anderem zu einem PR-Termin für das Mitgliedermagazin des 1. FCN im DJK-Sportheim – also dort, wo seine Laufbahn begann. Unsere Zeitung hat sich mit ihm über die verschiedenen Facetten des Lebens als Fußballprofi – aber auch über Heimatverbundenheit – unterhalten.

Patrick Kammerbauer über...

...die Rückennummer 39: „Das ist gewiss nicht meine Lieblingszahl. Aber als junger Spieler muss man sich nun mal hinten anstellen – und man ist ja erstmals froh, überhaupt dabei zu sein. Die Nummern werden letztendlich vom Teammanager vergeben, wobei er die Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga beachten muss. Es gibt nämlich ein Verbot für Rückennummern jenseits der 40. Die niedrigeren Zahlen sind eher für externe Verpflichtungen freigehalten. Die 39 soll nicht mein Markenzeichen werden, denn früher oder später möchte ich schon gerne die Nummer 6 auf dem Trikot tragen, weil ich diese Position auch spiele. Bei den Junioren-Nationalmannschaften dagegen gibt es keine festen Rückennummern.“

… FIFA auf der Konsole: „Zunächst fand ich das ziemlich cool, mit mir als eigene Person auf der Playstation zu zocken. Mittlerweile ist es zur Normalität geworden und ich spiele auch nicht wirklich viel. Mir wird aber von Freunden immer wieder erzählt, dass sie mich in ihre Mannschaft genommen haben. Wir finden das dann ziemlich witzig.“

… den von der BILD-Zeitung verpassten Spitzennamen „der kleine General“: „Zur Anfangszeit habe ich meinen Namen immer mal wieder gegoogelt, um zu sehen, was die Medien über mich schreiben. Das hat nachgelassen. Diese Schlagzeile habe ich aber trotzdem mitbekommen, weil ich damit – wie man sich vorstellen kann – in der Kabine aufgezogen worden bin. Ich fand das eher witzig und habe es als Lob aufgefasst. Der „Eisen-Patrick“ bin ich, weil ich elf Jahre fast nicht verletzt war. Die Mitspieler rufen mich Kammer, daheim bin ich der Patti.“

… das Verhältnis zu Trainer Michael Köllner: „Er ist nach René Weiler, bei dem ich erstmals mit den Profis trainierte, und Alois Schwartz, unter dem ich mein Debüt feierte, mein dritter Trainer. Ich würde es als ziemlich lockeres Arbeitsverhältnis bezeichnen. Wir siezen ihn. Das restliche Trainerteam duzen wir und machen auch unsere Späße mit ihnen. Sehr gut finde ich, dass wir mit Herrn Köllner auch viele Team-Events machen, weil nach dem Training jeder Spieler doch seinen eigenen Weg geht. So waren wir gemeinsam mit der Mannschaft beim Euroleague-Spiel von BroseBamberg, im Kino oder während des Trainingslagers mal in einem Kloster. Dadurch erweitern wir unseren Horizont auch außerhalb des Fußballs.“

… die wahnwitzigen Ablösesummen: „Es ist schon der Wahnsinn, dass ein Neymar 222 Millionen Euro kostet. Darüber diskutieren wir in der Kabine natürlich genauso wie alle anderen Fußball-Interessierten auch. Die Entwicklung ist schon ziemlich extrem, zeigt aber auch, was im Fußball alles möglich ist. Ich glaube, mein Marktwert liegt laut transfermarkt.de bei 500.000 Euro. Letztendlich bestimmen aber Angebot und Nachfrage den Preis.“

… sein Vorbild: „So ein richtiges Idol habe ich gar nicht. Aber ich mag die Spielweise von Marco Verrati von Paris St. Germain. Er ist auch klein, aggressiv und zweikampfstark. Natürlich spielt er auf einem anderen Niveau, aber man will ja von den Besten lernen. “

… seine Lieblingsposition: „Mein Profidebüt habe ich als Rechtsverteidiger gefeiert und in der Sommer-Vorbereitung bin ich auch mal als Innenverteidiger zum Einsatz gekommen. Das war aber nur dem Umstand geschuldet, weil mich der Trainer einfach mal in der Zentrale von hinten raus sehen wollte. Aber ansonsten sieht er mich auf der „Sechs“. Und das ist auch meine Lieblingsposition. Da stehe ich im Spiel im Mittelpunkt, bekomme viele Bälle von hinten raus, darf sie verteilen und kann auch mit nach vorne gehen. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass ich sehr viel absichern muss. Da sind im Zentrum viele Zweikämpfe gefragt.“

… seine Stärken und Schwächen: „Ich denke, dass ich ziemlich zweikampfstark bin und ein gutes Passspiel habe. Auf Dauer muss ich wohl torgefährlicher werden. Ich habe erst einmal getroffen. Allerdings ist das natürlich auch immer ein Stück weit davon abhängig, welches System die Mannschaft oder welche Position man selbst spielt. Für mich als „Sechser“ ist es deshalb wichtiger, ordentlich zu verteidigen.“

… das Landkreis-Duell gegen den Weißenburger Markus Steinhöfer (SV Darmstadt): „Da wir uns nicht wirklich kennen, war unser Aufeinandertreffen abgesehen vom Spiel (Anm. d. R.: der Club gewann 4:3) nicht so spektakulär, wie vielleicht für die Region Weißenburg. Wir haben uns beim Handshake vor dem Spiel ganz normal begrüßt, mehr nicht. Da habe ich mich mit meinem ehemaligen Mannschaftskollegen Tobias Kempe nach dem Spiel schon mehr unterhalten.“

… die DFB-Junioren- Nationalmannschaft: „Zur U20-WM in Südkorea im Mai dieses Jahres bin ich vom Verein nicht abgestellt worden, da wir noch Ligaspiele hatten. Die beiden Fußballklassiker gegen Italien und England habe ich aus gesundheitlichen Gründen verpasst. Ich hätte zwar hinfahren können, aber da hätte ich mir selber keinen Gefallen getan. Mir war es wichtiger, meine Gehirnerschütterung komplett auszukurieren. Ansonsten hoffe ich, dass ich bei den nächsten Spielen im März 2018 gegen Portugal und Polen wieder dabei bin. Wenn es normal und gut weiterläuft, dann ist der nächste logische Schritt die U21, wobei das schon ein ziemlich schnelllebiges Geschäft ist. Man kann auch mal komplett vom Radar verschwinden.“

… die WhatsApp-Gruppe innerhalb der Mannschaft: „So eine haben wir wie viele andere Arbeitskollegen oder Fußballmannschaften im Amateurbereich natürlich auch. Da werden genauso lustige Bilder oder Videos verschickt – oder aber auch mal nachgefragt, wann morgen Treffpunkt ist (lacht).“

… das Leben in Nürnberg: „Ich wohne weder in der Innenstadt noch in unmittelbarer Nähe zum Trainingsgelände. Zum Valznerweiher brauche ich dennoch nur rund zehn Minuten, in die Stadt eine Viertelstunde. Es ist eher eine etwas ländlichere Gegend. Ich bin auch nicht so der Großstadt-Mensch und bin froh, dass es etwas grün Außen rum ist und nicht ein Wohnkomplex an den anderen gebaut ist. Nürnberg ist wirklich schön und ich fühle mich auch wohl dort, aber meine Heimat ist immer noch Raitenbuch.“

… über die Nähe zur Heimat: „Ein gewohntes Umfeld ist für mich wichtig, denn da fühle ich mich am wohlsten. Deshalb bin ich auch so oft wie möglich in Raitenbuch bei meinen Eltern oder in Weißenburg bei meiner Freundin Laura. Und wenn es die Zeit erlaubt, dann schaue ich mir natürlich auch die Fußballspiele meines Bruders Niklas in Raitenbuch an.“

… die Fluktuation innerhalb der Mannschaft: „Es ist ein Kommen und Gehen. Spieler wie beispielsweise Guido Burgstaller, Dave Bulthuis, Tobias Kempe oder Abdelhamid Sabiri, mit denen ich noch zusammengespielt habe, sind schon weg. Von solchen bevorstehenden Wechseln bekommt man natürlich im Vorfeld durch das Rauschen im Blätterwald immer etwas mit und spricht auch in der Kabine darüber. Mit dem einen oder anderen hat man sich besser verstanden und schreibt sich auch jetzt noch manchmal eine Nachricht.“

… die ersten 18 Monate als Profifußballer: „Nachdem ich fast alle Nachwuchsmannschaften durchlaufen habe, war der Übergang zu den Profis irgendwie ein schleichender Prozess. Anfangs hat man als Jugendspieler nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Das hat sich mit den Einsatzzeiten dann aber rasant geändert. Das mediale Interesse wurde größer, man wurde von Leuten erkannt und auch angesprochen oder vom Verein in öffentliche Termine eingebunden. Und plötzlich war man ganz normal integriert. Man muss Woche für Woche im Training seine Leistung bringen, sonst wird man nicht aufgestellt. Das ist im Profigeschäft nun einmal so.“

… die Erwartungshaltung im Umfeld: „Wir haben einen Schnitt von über 27.000 Zuschauern bei Heimspielen. Die Euphorie bei den Fans ist natürlich groß. Sie alle wollen in die Erste Liga, wo der Club meiner Meinung nach auch hingehört. Die Ausgangslage ist gut. Wir überwintern mit einem Punkt Rückstand zu Fortuna Düsseldorf und punktgleich mit Holstein Kiel auf dem dritten Rang. Ein Aufstieg wäre natürlich für die ganze Region top.“

… die Vertragsverhandlungen: „Es ist kein Geheimnis, dass der Club mit mir verlängern will. Allerdings habe ich mich persönlich noch nicht entschieden. Mein Ziel ist die Erste Bundesliga – natürlich am liebsten mit dem 1. FC Nürnberg. Es ist zwar noch ein bisschen hin bis zum Ende der Wechselfrist, aber irgendwann drückt die Zeit, weil sowohl der Verein als auch ich Planungssicherheit brauchen. Deshalb wird wohl demnächst eine Entscheidung fallen.“

Das Gespräch führten Julia Meyer und Norbert Dengler.