Eichstätt: Grandios und tragisch zugleich
Gebremste Höhenflüge und verbissene Abwehrarbeit: Die Eichstätter Defensivakteure versuchen, ihre Gegenspieler vom FC Bayern München II zu bremsen. Am Ende ohne messbaren Erfolg. ‹ŒFotos (2): Traub
Eichstätt

Unfassbar, dass die Dom-städter nach einer überragenden Leistung in der Regionalliga-Partie erneut zwei Minuten vor dem Ende ein Tor kassierten und unverdient und unglücklich unterlagen.

Wie erwartet mussten die Gastgeber auf den verletzten Benni Schmidramsl verzichten und konnten letztmals den im nächsten halben Jahr verhinderten Maximilian Eberwein einsetzen. Er bildete zusammen mit Markus Waffler die Innenverteidigung. Eine kleine Überraschung hatte sich Trainer Markus Mattes im Tor ausgedacht: Der letztjährige Stammkeeper Jonas Herter bestritt sein erstes Spiel von Beginn an in der Regionalliga.

Schon nach wenigen Minuten der Partie zeigten die Bayern, dass sie technisch und läuferisch durchaus Vorteile hatten. Dass die Münchner nach sieben Minuten in Führung gingen, war daher nicht überraschend. Bei einem Schuss aus kurzer Distanz aus der Drehung traf Kwasi Okyere Wriedt zum 1:0 (7.). Die Eichstätter waren sichtlich beeindruck von der Dominanz der Bayern, ließen sich deutlich in die eigene Hälfte drücken.

Erst nach einigen Minuten befreiten sie sich aus ihrer Schockstarre und zeigten ihrerseits wieder mehr Impulse. In der 18. Minute gelang dem VfB ein wenig überraschend der Ausgleich: Yomi Scintu profitierte von einem souveränen Querpass von Lucas Schraufstetter, der alleine vor Bayern-Keeper Leo Weinkauf stand und zu seinem besser postierten Mitspieler spielte.

Danach agierten die Dom-städter weit selbstbewusster, konnten gut mithalten, auch wenn die Münchner deutlich mehr Ballbesitz hatten. Die größere Anzahl an Torschüssen allerdings hatten ab der 25. Minute die Gastgeber, die immer wieder versuchten, den weit aus dem Tor herauslaufenden Keeper Weinkauf mit Weitschüssen oder Lupfern zu überwinden. So traf Lucas Schraufstetter aus 30 Metern den Ball nicht richtig, so dass Weinkauf ihn leicht abwehren konnte (37.).

Umso überraschender fiel in der 29. Spielminute das 2:1 für den FC Bayern. Den Treffer nach einem Freistoß von der linken Seite musste sich allerdings Torhüter Herter ankreiden lassen. Nur Sekunden später allerdings glichen die Eichstätter erneut aus, als Scintu eine Kopfball-Vorlage von Michael Panknin aus knapp fünf Metern unhaltbar im Bayern-Tor versenkte.

Es entwickelte sich eine packende, schnelle Partie, in der die Eichstätter endgültig den Respekt vor dem großen Gegner ablegten. Starke Momente sehen die Zuschauer vor allem kurz vor der Pause von der Eichstätter Mannschaft, die in den letzten Minuten einige Male nur knapp am Führungstreffer scheitert.

"Natürlich sieht man die spielerische Klasse der Bayern", meinte der VfB-Vorsitzende Thomas Hein: "aber wir können mit unseren Qualitäten, also mit Kampf und Leidenschaft, gut mithalten. Und was unser Yomi Scintu spielt, ist Wahnsinn." Richtiggehend euphorisiert war Hein: "Dieses ganze Spiel ist eine einzige Werbung für uns und die Regionalliga." Was nicht übertrieben war, denn die schnelle, packende und kampfbetonte Spielweise der ersten Hälfte setzte sich auch in der zweiten Halbzeit fort. Die allerdings begann mit kurzer Verzögerung, nachdem einige Bayernfans, die nicht im so genannten Käfig waren (siehe auch Seite 25) Bengalos angezündet hatten.

Der energische Kampf auf beiden Seiten setzte sich auch im Verlauf der zweiten Hälfte fort. Glück hatten die Münchner, als Scintu in der 64. Minute keine Anspielstation hatte und es mit einem letztlich erfolglosen Solo versuchen musste. Auch in der 69. Minute hatte die Eichstätter zwei Riesenchancen, als erst Fabian Eberle von der rechten Seite bei einem Solo am Keeper scheiterte und Weinkauf beim Nachschuss von Fabian Schäll erneut zu einer Glanzparade gezwungen war. Die Eichstätter Möglichkeiten ergaben sich nun im Minutentakt, denn schon kurz darauf scheiterte erneut Schäll in bester Position. Die beste Chance der Bayern dagegen hatte in der 83. Minute Raphael Obermair, der nur das Außennetz traf.

Bis zur 90. Minute waren die Eichstätter die torgefährlichere Mannschaft. Danach allerdings wurde es bitter für den VfB: Soeben hatte Philipp Federl noch die Chance zum 3:2, scheiterte alleine vor dem Keeper, doch dann schlug Niklas Dorsch zu und traf zum 2:3. Das schon fast tragische Ende einer mitreißenden Partie.