Über vier Jahre mussten der SSV Jahn Regensburg und seine Fans warten, bis es in der Domstadt wieder Zweitligafußball zu sehen gab. Und dann so ein Auftakt: Gleich im ersten Heimspiel das bayerische Derby gegen den hoch gehandelten 1. FC Nürnberg. Stimmungsvoller hätte die Zweitliga-Premiere der Regensburger Continental-Arena wohl kaum ausfallen können. Doch am Ende einer vor allem im zweiten Durchgang spannenden Partie herrschte bei den Anhängern der Oberpfälzer nach der zweiten knappen Saisonniederlage Ernüchterung. Der Club dagegen erwischt einen optimalen Saisonstart.

Das neue Spielsystem der Nürnberger war in der Anfangsphase gut zu erkennen. Hatte es der Club in der vergangenen Saison noch allzu oft mit langen Bällen versucht, setzt der neue Cheftrainer Michael Köllner auf geordnetes Kurzpassspiel. Im defensiven Mittelfeld übernahm der Raitenbucher Patrick Kammerbauer die Rolle des Abräumers und präsentierte sich ruhig und zweikampfstark. 

So hatte der Club auch von Beginn an mehr von der Partie, entwickelte vor den Augen des Ingolstädter Co-Trainers Michael Henke aber zunächst wenig Torgefahr. Und der Jahn? Die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer trat so auf, wie man es erwarten konnte: mit guter Grundordnung, kämpferisch und auf Konter lauernd. „Es war ein zweikampfstarker Gegner, es ist genau so ein Spiel eingetreten, wie wir es erwartet haben“, fasste Nürnbergs Coach Köllner nach der Partie zusammen. 

Gefährlich wurde es zum ersten Mal nach einer Viertelstunde, als Nürnbergs Sebastian Kerk in zentraler Position zum Abschluss kam, sein schwacher Schuss aber in den Armen von Jahn-Torhüter Philipp Pentke landete. Nur einmal ging in der ersten Halbzeit die Regensburger Kontertaktik auf, doch Kapitän Marco Grüttner konnte sich gegen mehrere Club-Verteidiger im Strafraum nicht durchsetzen (23.). Dagegen häuften sich die Nürnberger Abschlüsse. Gleich nach mehreren Eckbällen verpasste der Club die Führung nur knapp. 
Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit übernahm Nürnberg wieder die Kontrolle, blieb aber weiter zu ungenau. So führte ausgerechnet ein Konter zur bis dato größten Club-Chance. Nach einem schnellen Gegenstoß bediente Kevin Möhwald Tim Leibold, der das Tor aus zentraler Postion nur knapp verfehlte (55.). Aber auch der Jahn kam per Konter kurz darauf zu einer großen Möglichkeit, doch Joshua Mees traf im Strafraum den Ball nicht richtig (59.). 

Das Derby nahm nun Fahrt auf, Intensität und Hektik nahmen zu. Binnen weniger Minuten forderten beide Seiten einen Handelfmeter, doch die Pfeife von Schiedsrichter Harm Osmers blieb zweimal stumm. Nun wurde es eine offene, ja hitzige Partie, in der sich beide Teams nichts schenkten und sich die Gelben Karten häuften. Auch der Jahn war nun aufgewacht und suchte zielstrebiger den Weg nach vorne. Mitte der zweiten Hälfte schien der Führungstreffer für beide Teams möglich. Und er fiel – und zwar für den Club: Kevin Möhwald lauerte wie schon häufiger in dieser Partie frei an der Strafraumgrenze. Enrico Valentini setzte sich zunächst stark über rechts durch und spielte Möhwald dann exakt an, der flach und platziert einschoss (78.). Der Jahn warf in den Schlussminuten zwar noch einmal alles nach vorne, wurde aber nicht mehr mit dem Ausgleich belohnt. 

Trotz der nächsten knappen Niederlage zeigte sich Jahn-Coach Beierlorzer mit der Vorstellung seiner Elf zufrieden. „Gerade in der zweiten Halbzeit war es ein Spiel auf Messers Schneide. Da hatten wir große Chancen und können auch in Führung gehen. Vielleicht hat der eine oder andere Spieler noch ein bisschen zu viel Respekt vor der Zweiten Liga“, vermutete der Coach. Nürnbergs Trainer Köllner hatte angesichts des makellosen Saisonstarts seines Teams wenig zu meckern. „Zwei Spiele, sechs Punkte, 4:0 Tore. Das kann sich sehen lassen. Für uns ist das ein perfekter Start in die neue Saison.“

Bleibt abzuwarten, ob sich der Club tatsächlich dauerhaft in der Spitzengruppe festsetzen kann. Für den Aufsteiger Regensburg geht es nach dem kommenden DFB-Pokal-Wochenende in der Liga nach Ingolstadt. Bei den Schanzern kommt es dann zum brisanten Duell der noch Punktlosen.