Das Geschenke-Kaufen in seiner Familie sei die Aufgabe seiner Frau, verriet Andreas Bornemann vor Kurzem einem regionalen TV-Sender. Ob Bornemann kein Händchen dafür hat, ist nicht genau bekannt. Zumindest aber hat er momentan wenig Zeit. Der 1. FC Nürnberg ging aus sportlicher Sicht zwar lange nicht mehr so entspannten Weihnachtstagen entgegen. Doch vor allem auf den Sportvorstand kommen anstrengende Wochen zu.

Zwölf Spielerverträge laufen beim Club im Sommer 2018 aus. Und weil neben Akteuren wie Enis Alushi, Miso Brecko, Rurik Gislason und Laszlo Sepsi, die der Verein wohl ohne zu zögern abgeben würde, auch Stammspieler und Leistungsträger dabei sind, stehen im Winter spannende Verhandlungstage bevor. Unter anderem würde der FCN mit Patrick Kammerbauer, Tim Leibold, Kevin Möhwald und Cedric Teuchert nur allzu gerne verlängern.

Bornemann kennt diese Situation genau. Im Januar 2017, kurz vor dem Start der Rückrunde, war der Club zwar nur Tabellenneunter, hatte aber auch "nur" sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Trotzdem wurde der bis dahin beste Torschütze Guido Burgstaller an den FC Schalke 04 verkauft. Am Ende der Saison war der Club Tabellenzwölfter - mit 24 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz.

Es waren damals vor allem wirtschaftliche Zwänge, die die Nürnberger zu der Entscheidung führten. Genau wie ein Jahr zuvor, als Alessandro Schöpf die Franken ebenfalls in der Winterpause, in Richtung Schalke verlassen hatte. "Wir stehen jetzt nicht mehr unter dem finanziellen Druck der vergangenen Transferperioden", sagt Bornemann. Und doch stehen die Club-Verantwortlichen vor einem kleinen Dilemma. Sollten sich die Spieler gegen einen Verbleib über den Sommer hinaus entscheiden - inwieweit sollte dann schon im Winter sportliche Qualität aufgegeben werden, um noch einmal Ablöse zu kassieren?

Es gilt in Kammerbauers, Leibolds, Möhwalds oder Teucherts Fall deshalb wohl schon in den kommenden Wochen abzuwägen: zwischen dem sportlichen Verlust und dem möglichen finanziellen Gewinn bei einem vorzeitigen Verkauf. "Wir hoffen natürlich darauf, dass die Entwicklung unserer Mannschaft den einen oder anderen überzeugen kann, den Weg weiter mitzugehen", sagt Bornemann. Falls das nicht der Fall sein sollte, könne man aber nicht länger als bis zum Ende der Transferperiode im Januar warten. Es soll dann möglichst vorher Klarheit herrschen, um in der Winterpause vielleicht auch selbst noch einmal personell zu reagieren.

Mit entscheidend wird auch die Platzierung des Clubs zur Winterpause sein, und da können alle Beteiligten am Montagabend (20.30 Uhr) eine Menge tun, um diese noch weiter zu verbessern. Mit einem Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf würde sich der Tabellendritte an seinem Konkurrenten vorbei auf den direkten Aufstiegsplatz schieben. Dass die Fortuna seit fünf Spielen sieglos ist, könne man im Vorfeld "so oder so betrachten", meint Kapitän Hanno Behrens. "Vielleicht haben sie ein bisschen Wut im Bauch, andererseits haben sie jetzt eben nicht den besten Lauf. Wenn wir unsere Leistung abrufen und stabil stehen wie zuletzt gegen Sandhausen, dann sieht es gut aus", sagt er.

Behrens wurde im vergangenen Sommer vom englischen Zweitligisten Norwich City umworben. Die Nürnberger wollten und mussten ihn nicht verkaufen, und so entschied sich der 27-Jährige für den Club, wurde zum Kapitän und verlängerte seinen Vertrag bis 2021. "Ich würde mich freuen, wenn die Jungs dableiben", sagt er zu seinen möglicherweise wechselwilligen Kollegen. "Der Club ist schon auch ein sehr großer Verein. Und es ist die große Chance da, in die Bundesliga aufzusteigen."