Gut möglich, dass Roger de Oliveira Bernardo, der beim FC Ingolstadt nur Roger genannt wird, am Samstag ein paar Tränen verdrückt. Schließlich wird die Partie gegen den FC Schalke 04 nach fünf Jahren seine letzte im Schanzer Trikot sein. Insgesamt überwiegt beim 31-Jährigen jedoch die Vorfreude auf die Heimat - Roger kehrt mit seiner Frau Tais nach Brasilien zurück.

"Ich sage allen Danke, den Menschen im Verein, den Fans und meinen Freunden in Ingolstadt. Wir haben mit dem FCI Geschichte geschrieben, und die kann niemand löschen. Das bleibt in meinem Herzen", sagt Roger vor seinem 153. Einsatz. Der frühere Cottbuser erlebte beim FCI eine äußerst bewegte Zeit. 2012 kam er bei Trainer Tomas Oral zunächst nur zu Kurzeinsätzen, ehe er nach der Winterpause im defensiven Mittelfeld zur Stammkraft wurde.

Bei Marco Kurz spielte Roger Innenverteidiger, agierte oft verunsichert und war schon als Fehlerteufel verschrien, ehe ihm Ralph Hasenhüttl neues Selbstvertrauen einimpfte. "Er ist mein Chef im Mittelfeld", adelte der Österreicher den robusten und im Zweikampf äußert geschickten Brasilianer - kein FCI-Spieler bekam häufiger Freistöße für sich gepfiffen als Roger. Die Zweitligameisterschaft, der Klassenerhalt in der Bundesliga und zwei Tore - darunter der 1:0-Siegtreffer gegen Leipzig - waren seine größten Erfolge.

Jetzt aber freut sich Roger auf die Heimat. "Meine Frau und ich waren neun Jahre in Deutschland. Es war nicht immer einfach. Die drei Wochen Urlaub im Juni waren für uns immer zu kurz", sagt Roger. Zwar hat ihn bis auf seine 85-jährige Oma die ganze Familie samt Schwester, Onkel und Tante besucht - die Eltern waren sogar beim Aufstieg dabei - doch das reichte ihm und seiner Frau nicht mehr. "Wir wollen, dass unsere Kinder einmal bei unseren Eltern aufwachsen. Das ist für alle schön und für uns auch einfacher als in Deutschland", sagt Roger und hofft, dass sich bald Nachwuchs einstellt.

"Später werde ich mit ihnen nach Ingolstadt kommen und ihnen zeigen, wo ich war", verspricht der Brasilianer, der künftig in der 2,5 Millionen-Einwohner-Metropole Belo Horizonte wohnt und in den nächsten drei Jahren für den dortigen Klub Atletico Mineiro spielt. "Uns und unseren Familien hat es sehr gut gefallen in Ingolstadt. Die Stadt ist so schön ruhig, man kann spazierengehen und Kaffee trinken", erzählt Roger. Was wird er nicht vermissen? "Den Winter und das Essen. Steaks sind in Brasilien besser", sagt er und lacht herzlich.