Schuhmann
Ingolstadt
"Wenn du oben dranbleiben willst, muss du solche Spiele wie heute oder in der Vorwoche gegen Bielefeld einfach gewinnen. Es kotzt jeden von uns an, dass wir einfach nicht zu null spielen können", fand Stürmer Stefan Kutschke nach dem Spiel gegen seinen Ex-Klub deutliche Worte. Der 29-Jährige hatte freilich selbst großen Anteil daran, dass die Ingolstädter den für ihren Aufstiegstraum notwendigen Heimsieg verpassten. Schon in der ersten Halbzeit (15. Minute), vor allem aber im zweiten Durchgang, als er alleine auf Gästekeeper Fabian Bredlow zulief (63.), vergab er beste Chancen auf weitere Treffer, mit denen die Ingolstädter womöglich den Sieg davongetragen hätten.

"Mit diesem 1:1 ist klar, dass wir auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielen", formulierte dann Kapitän Marvin Matip anschließend am deutlichsten, welche Konsequenz dieses Unentschieden für die Schanzer haben dürfte. Nach dem Sieg der drittplatzierten Kieler in Dresden (4:0) musste auch FCI-Torschütze Robert Leipertz zugeben, dass es nun "verdammt eng wird, wenn wir noch oben angreifen wollen".

Der ruhige und desillusionierte Tonfall, mit dem der 25-jährige Stürmer das sagte, sprach Bände an einem Nachmittag, der typisch war für den Saisonverlauf der Schanzer. Wieder hatten sie ein Top-Team der Liga über lange Phasen dominiert, waren durch Leipertz in Führung gegangen (50.), gaben den möglichen Sieg aber zum wiederholten Male nach einem vermeidbaren Gegentreffer (Adam Zrelak, 74.) noch aus der Hand. Da neben Kutschke anschließend auch Almog Cohen eine hochkarätige Kopfballchance neben das Tor setzte (82.), war das Gefühl, eine große Chance verpasst zu haben, anschließend überall spürbar - wieder einmal.

"Ich bin sehr enttäuscht, weil wir das Spiel selbst hergeschenkt haben", schimpfte Trainer Stefan Leitl nicht zum ersten Mal. "Es war klar, dass sich nach unserer Führung Räume ergeben, die wir bespielen können und müssen. Das machen wir aber leider zu wenig und sterben stattdessen immer wieder im Klein-Klein-Spiel. Auch wenn man sagen muss, dass Nürnberg stark gespielt hat, waren wir in diesen Szenen einfach nicht konsequent genug. Bitter, dass sich die Jungs für ihren Aufwand nicht belohnt haben."

Fotostrecke: FCI gegen 1. FC Nürnberg 1:1
216


Die von Beginn an sehr stimmungsvolle Partie vor 15200 Zuschauern im ausverkauften Audi-Sportpark hatte gleich aufregend begonnen. Dabei fehlte nicht viel, und der Club wäre bei einer Doppelchance von Georg Margreitter und Mikael Ishak um ein Haar bereits nach weniger als zwei Minuten in Führung gegangen. Den ersten Kopfball konnte FCI-Torwart Örjan Nyland jedoch nach vorne parieren, beim Nachschuss stand schließlich Christian Träsch goldrichtig und schlug den Ball im letzten Moment aus der Gefahrenzone.

Nach dieser Szene waren die Gastgeber wach und übernahmen gegen zunehmend tief stehende Nürnberger mehr und mehr die Spielkontrolle. Weil die Ingolstädter Techniker Sonny Kittel und Thomas Pledl von den Gästen jedoch recht gut abgeschirmt wurden, gingen die Angriffe nur selten bis direkt vor das Club-Tor. Die bereits beschriebene Chance von Kutschke, dazu ein Schuss von Pledl (39.) - mehr erwähnenswerte Torgelegenheiten gab es für den FCI nicht.


Lesen Sie hier die Spieler-Einzelkritik zu der Partie


Als nach dem Seitenwechsel Kittel endlich einmal Platz hatte und mit seinem Dribbling die Nürnberger Defensive durcheinanderwirbelte, gelang prompt der Führungstreffer. Auch wenn Club-Spieler Ondrej Petrak bei seinem Klärungsversuch unfreiwillig zum Passgeber wurde, das 1:0 von Leipertz war zu diesem Zeitpunkt absolut verdient.

Über seinen vierten Treffer in den jüngsten fünf Spielen konnte sich der Torschütze aber nicht lange freuen. "Mich ärgert, dass ich wenig später Tobias Levels in Verlegenheit bringe, es Freistoß gibt, woraus dann das 1:1 resultiert. Das wird mich noch den Rest des Abends beschäftigen", erklärte der 25-Jährige. In der beschriebenen Situation hatte Marcel Gaus die Freistoßflanke von Enrico Valentini zwar zunächst geklärt, auch der Nachschuss von Tobias Werner wurde geblockt, der 14-Meter-Hammer von Zrelak - genau in den rechten Winkel des Ingolstädter Tores - war dann aber nicht mehr zu verteidigen. Der Treffer zum 1:1 sollte der letzte an diesem Nachmittag gewesen sein.

Dass es nun angesichts der nur noch theoretischen Aufstiegschancen zu einem Spannungsabfall bei den Ingolstädtern kommen könnte, verneinte Leitl in deutlichem Ton. "Zum einen weiß jeder, dass die Liga verrückt ist. Zum anderen kann sich bei vier noch ausstehenden Spielen und fünf Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16 jeder ausrechnen, dass wir noch Punkte brauchen. Deshalb ist ganz klar, dass wir unsere Antennen draußen haben. Wir fahren nächste Woche nach Düsseldorf, um zu gewinnen." Gelingt am Sonntag (13.30 Uhr) tatsächlich ein Sieg beim Tabellenführer, dürfte dies den Schmerz, den der verpasste Aufstieg hinterlässt, zumindest ein bisschen lindern.