Mal wieder in einer tragenden Hauptrolle: die Mensch gewordene "Abteilung Attacke". Uli Hoeneß meldete sich eindrucksvoll zurück - mit verbalen Frontangriffen, Breitseiten, Spitzen in Richtung Frankfurt. Beziehungsweise Richtung Eintracht-Manager Fredi Bobic, der die Münchner zuvor wegen deren Vorgehen bei der Verpflichtung von Trainer Niko Kovac heftig attackiert und die Vorgehensweise der Bayern als "extrem bedenklich und respektlos" bezeichnet hatte.

Also Spot an, alle Blicke auf den FCB-Präsidenten: "Diese Aussagen waren unverschämt", lautete Hoeneß' erster Satz zu diesem Thema - sozusagen zum Warmmachen. Dann ein süffisantes Lächeln hinterher, garniert mit dem Einwurf, dass die Bayern "nur eine Lücke ausgenutzt haben, die der Herr Bobic in dem Vertrag mit Kovac gelassen hat". Daher die logische Schlussfolgerung des Präsidenten: "Wir sind also doch sehr professionell."

Davon abgesehen verstehe er überhaupt nicht, weshalb die Frankfurter eigentlich sauer auf seine Bayern seien. Ja, ein bisschen Dankbarkeit aus Hessen könnte nach Ansicht des FCB-Chefs schon sein. "Wir hätten ja auch erst am Saisonende bekanntgeben können, dass wir Niko als neuen Cheftrainer holen", sagte Hoeneß. "Wir taten es aber bereits jetzt - und so hat die Eintracht deutlich mehr Zeit, um einen Nachfolger zu finden. Ich halte das durchaus für eine großzügige Geste von uns." Und Hoeneß meinte das absolut ernst, überhaupt nicht zynisch.

Bliebe noch zu klären, wann denn der FCB Kontakt zu Kovac aufgenommen, mit ihm konkret über einen Wechsel an die Isar verhandelt hatte. Wirklich erst am vergangenen Donnerstag, wie der Noch-Eintracht-Trainer der Öffentlichkeit weismachen möchte? Nun gut, Fragen in diese Richtung passten Hoeneß zunächst nicht. Er versuchte, ihnen nonchalant auszuweichen: "Wir sind hier doch nicht bei der Staatsanwaltschaft", meinte der Bayern-Chef. Dass es bereits vor rund zweieinhalb Wochen ein (zufälliges) Treffen in München gegeben hatte, bestritt der FCB-Boss dann doch nicht mehr: "Das war ein Essen unseres Fahrers, der ist Kroate. Er wurde 60 Jahre alt und hat in einem Restaurant mit 60 Personen gefeiert - darunter waren eben auch Niko, sein Bruder Robert, ich und Karl-Heinz Rummenigge. Sie können sicher sein, in so einer Atmosphäre führt der FC Bayern keine Vertragsgespräche."

Wenn wir schon gerade bei Rummenigge sind: Er stand bei diesen Hoeneß-Sätzen direkt neben dem 66-Jährigen - und nickte zustimmend. Es galt, Geschlossenheit nach außen zu zeigen - wobei der Vorstandschef doch lieber die Rolle des "good Cop" bei diesem Verbalspektakel übernahm. "Seriös, fair und sauber" sei die Verpflichtung von Kovac abgelaufen - "aber ich kann schon verstehen, dass Bobic jetzt ein bisschen sauer ist", meinte Rummenigge.

Allerdings sei es nicht an den Bayern gelegen, dass die Hessen von der ganzen Sache aus den Medien erfahren hätten. "Unser Sportdirektor Hasan Salihamidzic wollte den Fredi eigentlich noch am Donnerstag anrufen - aber da sagte Niko, dass er ihm Bescheid gibt", erklärte Rummenigge. Dass der Deal dann schon vorher in die Öffentlichkeit kam, sei nicht die Schuld des FCB gewesen - versicherte jedenfalls Rummenigge mit treuem Dackelblick. Dass er "natürlich sehr glücklich" sei über die Kovac-Verpflichtung und er "vollstes Vertrauen in Niko" habe - das musste zum Schluss übrigens auch noch gesagt werden.

Und jetzt doch noch zum Fußball an sich - einem Spiel, das laut Hoeneß "für unsere Fans wie Ostern und Weihnachten an einem Tag war". In die Rolle der ängstlichen Hasen befanden sich hierbei die Mönchengladbacher : Weshalb sie nach starkem Beginn und früher Führung durch Josip Drmic (9.) plötzlich komplett das Kicken einstellten - es wird wohl für ewig ihr Geheimnis bleiben. "Sich nur 20 Minuten reindrücken lassen und 70 Minuten Fußball zu spielen wäre besser gewesen als nun andersherum", sagte Borussias Weltmeister Christoph Kramer kopfschüttelnd.

Die 1B-Vertretung des FC Bayern nahm die Gelegenheit gerne wahr, unter Wettkampfbedingungen eine bessere Trainingseinheit vor 75000 Zuschauern zu absolvieren - und begeisterte damit die Massen. Thiago (51.) netzte wuchtig ein, David Alaba sehenswert (67.), Robert Lewandowski mühelos (82.) - sowie Sandro Wagner doppelt (37./41.), womit er nach zehn Einsätzen seit seinem Wintertransfer schon sieben Treffer auf seinem Konto hat. Wer da noch nach Wagners WM-Chancen fragt, ist selbst schuld - beziehungsweise muss sich richtig schön von ihm anblaffen lassen: "Mats Hummels oder Thomas Müller werden doch auch nicht jede Woche danach gefragt, ob sie in Russland dabei sind", meinte Wagner. "Ich habe es verdient, mitzufahren - und ich werde mitfahren. Irgendwann nervt das Thema."