Augsburg: Neustart für den Abgeschriebenen
Mit einer Grätsche stoppt Daniel Opare den Kölner Yuya Osako. Weil Paul verhaegh wechselte und Raphael Framberger verletzt ist, könnte sich der Ghanaer auf der rechten Abwehrseite festspielen. - Foto: Imago
Augsburg

Für Daniel Opare kamen in diesem Sommer ein paar glückliche Fügungen zusammen, von denen einige gar nicht so glücklich waren. Zuerst wechselte Paul Verhaegh nach Wolfsburg, was den FCA sportlich und personell schwächte. Dann verletzte sich der erste Verhaegh-Vertreter Raphael Framberger am Knie, was den geschwächten FCA noch weiter schwächte. Opare war darüber ebenso wenig glücklich wie die anderen Augsburger. Doch der Ghanaer war bereit und fand, so eine weitere glückliche Fügung, in Manuel Baum einen Trainer, der ihm vertraut. Der bereits abgeschriebene Fehleinkauf darf jetzt vielleicht sogar vom Neustart in der Bundesliga träumen.

2015 war Daniel Opare nach Augsburg gewechselt, ablösefrei vom FC Porto. "Ein guter Spieler, der uns weiterbringt", verkündete der damalige FCA-Trainer Markus Weinzierl. Opare selbst träumte gar von derselben Entwicklung, die sein Landsmann Abdul Rahman Baba beim FCA genommen hatte. Für über 20 Millionen Euro war der zum FC Chelsea gefolgte. Opares Realität sah anders aus: nur vier Bundesligaspiele, Undiszipliniertheiten und eine Ausleihe zum französischen Zweitligisten RC Lens. Opare hatte keine Zukunft mehr beim FCA. So lange, bis sich Baum in der Sommervorbereitung einen unvoreingenommenen und positiven Eindruck von ihm verschaffte. "Er hat alles angenommen, was man ihm gesagt hat, war demütig und hat Gas gegeben", lobt Baum.

Beim 3:0 gegen Köln stand der 26-Jährige vor einer Woche zum ersten Mal seit Mai 2016 wieder in der Startelf, und machte seine Sache gut. "Was er jetzt noch braucht, ist Konstanz", sagt Baum. "Wenn ich aber die Vorbereitung und das Köln-Spiel nehme, dann hat er die aktuell. Auch wenn er sich in dem einen oder anderen Bereich noch steigern muss." Konkret meint Baum damit die Offensivbemühungen des Rechtsverteidigers. Anders als der Rest des Teams darf sich Opare derzeit noch überwiegend auf seine Defensivaufgaben fokussieren. "Er hat lange nicht gespielt. Da ist es mir lieber, er konzentriert sich auf einen Schwerpunkt, als wenn er vier, fünf Dinge gleichzeig macht", sagt sein Trainer. Schritt für Schritt möchte er zusätzlich Opares Offensivdrang weiter ausbauen. "Da hat er nämlich auch richtig gute Qualitäten", so Baum.

"Ich bin Verteidiger. Wenn wir kein Tor kassieren, haben wir einen guten Job gemacht", sagt Opare selbst und ergänzt: "Wenn ich darüber hinaus noch etwas nach vorne machen kann, ist das ein Bonus." Heute Nachmittag in Frankfurt bekommt der 26-Jährige erneut die Gelegenheit dazu, weil Framberger zwar ins Training, aber noch nicht in den Spielbetrieb zurückkehrt. Mit dabei sind dagegen Martin Hinteregger (nach Magen-Darm-Infekt) und Ja-Cheol Koo (nach Fersenprellung). "Ich habe wieder die Qual der Wahl", sagt Baum.

Überzeugt Opare weiterhin, wird sich der Trainer vielleicht auch in Zukunft für ihn entscheiden. Zum Saisonende läuft der Vertrag des Verteidigers aus, doch der Ghanaer betont: "Ich fühle mich wohl in Augsburg, es ist wie eine Familie hier. Und die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt." Zu seiner schwierigen Vergangenheit sagt Opare: "Man lernt aus seinen Fehlern. Das ist das Leben, und man wird auch erfahrener, wenn man älter wird." Klingt nach einem Neuanfang. Und nach einer sehr glücklichen Fügung für den FC Augsburg.