Ingolstadt: Einmal und nie wieder
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Ingolstadt

 

Die Statistik der Fußball-Bundesliga weist deutlich mehr als 600 Spieler auf, die während ihrer Laufbahn einen einzigen Treffer erzielten. In der langen Liste dieser "einmaligen Torschützen" ist so manche schillernde Figur zu finden. Viele dieser "einzigartigen" Tore wiederum kamen unter kuriosen Begleiterscheinungen zustande, wie diese Auswahl zeigt.

 

n Steffen Handschuh (Profi beim VfB Stuttgart): Laut Statistik benötigt Robert Lewandowski 87 Spielminuten um für den FC Bayern ins gegnerische Tor zu treffen. Steffen Handschuh wiederum dürfte über solch einen Wert nur müde lächeln, kann er doch selbst eine unglaubliche Bundesliga-Torquote von 26 Minuten vorweisen. Einziger Haken: Handschuh hat eben nur jene 26 Erstliga-Minuten in der Datenbank stehen, welche ihm Felix Magath im April 2002 gewährte. "Eine knappe halbe Stunde für die Ewigkeit" gewissermaßen, in der der damals 19-Jährige dem VfB Stuttgart einen 2:0-Auswärtssieg beim SC Freiburg sicherte. Ein kaputtes Knie verhinderte weitere Einsätze und vielleicht auch Tore.

 

n Vlado Kasalo (Profi unter anderem bei Dinamo Zagreb und 1. FC Nürnberg): "Wir haben einen dicken Fisch an Land gezogen", frohlockte Gerd Schmelzer, Präsident des 1. FC Nürnberg in den Achtzigern. Jener "dicke Fisch" wurde angeblich schon einmal für eine Weltauswahl berufen, wobei sich mancher Fan fortan fragte, ob es sich hierbei überhaupt um die Disziplin Fußball handelte. Ein Kind von Traurigkeit war der Kroate jedenfalls nicht, und eigentlich dürfte er in dieser Liste gar nicht auftauchen. Tatsächlich nämlich brachte Kasalo die Maschen gleich dreimal in Wallung: Seinem Treffer vom Mai 1990, beim 2:0 des Club in Kaiserslautern, stehen zwei skurrile Eigentore gegenüber. Es roch nach Wettbetrug - eine Absicht konnte ihm jedoch nie nachgewiesen werden.

 

n Thomas Cichon (Profi unter anderem beim 1. FC Köln): Über 17 Stunden Fußball zu spielen, ohne dabei auch nur ein einziges Tor zu erzielen - das schafften in der Bundesliga nur die Kicker vom 1. FC Köln. Letztlich ist es Thomas Cichon zu verdanken, dass die imaginäre Uhr bei unglaublichen 1034 Minuten stehen blieb. Gegen Hertha BSC netzte er im März 2002 zum 1:1 ein und es scheint, als hätte es so im Drehbuch gestanden: In 131 Einsätzen in Deutschlands Elite-Liga gelang dem Verteidiger ausschließlich dieser Treffer.

n Edmund Stöhr (Profi unter anderem beim MTV Ingolstadt und Hertha BSC): Sogar einen gebürtigen Köschinger findet man in der Datenbank jener Bundesligaspieler, die einmal und nie wieder trafen. Nach 71 Spielen in Liga zwei für den MTV Ingolstadt zog es "Edi" Stöhr zur "alten Dame" Hertha nach Berlin. Als er im Februar 1983 im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 zwischenzeitlich ausglich, standen ein gewisser Werner Lorant und auch Rainer Bonhof auf dem Platz. "Ritter Rotbarts" Eintrag in die Torschützenliste indes blieb in 16 Erstliga-Einsätzen eine Rarität: Das Vollstrecken überlies der Abwehrspieler in aller Regel jenen Mitspielern, die dafür vorgesehen waren.

 

n Frank Lippmann (Profi unter anderem bei Dynamo Dresden und Waldhof Mannheim): "Der Spieler Frank Lippmann hat für eine hohe Geldsumme, die ihm sportfeindliche Kreise boten, seine Kameraden verraten", meldete die DDR-Nachrichtenagentur ADN. In der Tat kam es für Dynamo Dresden im März 1986 knüppeldick: Gerade wurden die Gelbschwarzen mit einem unglaublichen 7:3 von Bayer Uerdingen aus dem Europacup eliminiert, da setzte sich auch noch einer ihrer besten Spieler ab. Von seiner Flucht in den Westen erhoffte sich Linksaußen Lippmann aber sicher mehr als nur ein Tor in 22 Bundesligaspielen. Im November 1987 rettete er dem SV Waldhof Mannheim einen Auswärtspunkt bei Bayer Uerdingen.

 

n Frank Rost (Profi unter anderem bei Werder Bremen und Schalke 04): Das Szenario ist bekannt: Man liegt mit einem Tor in Rückstand und es gibt diese allerletzte Chance, die fast schon fixe Niederlage noch abzuwenden - eine Standardsituation in der Nachspielzeit. Wohl mehr aus Verzweiflung spurtet der eigene Keeper über den Platz, zumindest Verwirrung vor dem gegnerischen Tor will er stiften, oder noch besser: Selbst den ersehnten Ausgleich besorgen. Ein sehr seltenes Kunststück, das Frank Rost mit Werder Bremen im März 2002 gelang. Im Heimspiel gegen Hansa Rostock nämlich führten die Gäste, als Schiedsrichter Sippel in Minute neunzig zur Eckfahne zeigte. "Rost kam, sah und traf", so könnte man umschreiben, was anschließend geschah.

 

n Michael Skibbe (Profi bei Schalke 04): Bereits elf Stationen als Trainer durchlief der heute 52-Jährige im Profibereich. Seine Titel-Ausbeute jedoch beschränkt sich auf den türkischen Supercup - sehr unwahrscheinlich, dass es ihm als aktuellen griechischen Nationalcoach gelingt, dieses Missverhältnis zu korrigieren. Den Spieler Skibbe kennt man wiederum kaum, was leicht zu erklären ist: Bereits nach 14 Bundesligaspielen für "Königsblau" stoppten ihn zwei Kreuzbandrisse. Immerhin durfte der Juniorennationalspieler im April 1986 seinen einzigen Bundesliga-Treffer bejubeln - beim 4:2-Sieg seines FC Schalke 04 gegen den VfL Bochum nämlich besorgte er das zwischenzeitliche 1:1.

 

n Tobias Rau (Profi unter anderem beim VfL Wolfsburg und FC Bayern München): Wenn ein siebenfacher Nationalspieler mit nur 27 Jahren seine Karriere beendet, dann vermutet man als Grund einen von Verletzungen geplagten Körper. Bei Tobias Rau allerdings sieht die Sache anders aus: "Das Thema Druck war ein Argument, warum ich aufgehört habe, und ich bin froh, dass dieser Druck nicht mehr vorhanden ist", sagte der heutige Lehrer kürzlich in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Sein einziges Bundesligator wurde im März 2002 gemeldet - im Rahmen eines 5:1-Kantersiegs seines VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Köln.

 

n Jari Litmanen (Profi unter anderem bei Ajax Amsterdam, FC Barcelona und Hansa Rostock): Über einhundert Tore für Ajax Amsterdam, die "Reds" vom FC Liverpool und den FC Barcelona - aber nur eines für Hansa Rostock. Richtig gelesen: Der finnische Weltklasse-Torjäger kickte in der Rückrunde der Saison 2004/05 für den Klub mit der Kogge im Wappen. Allein seinen Torriecher schien er im Herbst seiner Karriere eingebüßt zu haben. Ein einziger Treffer am 31. Spieltag beim 2:1-Heimsieg gegen Hertha BSC war eindeutig zu wenig, um den Abstieg zu verhindern.

 

n Thomas Miller (Profi beim TSV 1860 München):\t"Wer ist Miller? Der muss jeden Tag in die Kirche und eine Kerze anzünden, weil er unter mir in der Bundesliga spielen durfte." Dieser abfällige Kommentar stammt - wie könnte es anders sein - von Werner Lorant. Und gewiss machte "Killer Miller" in seinen 82 Erstliga-Einsätzen für den TSV 1860 nicht gerade als Filigrantechniker von sich reden. Vielmehr gab er den Verteidiger "Marke Knüppelhart". Im Herbst 1994 aber durfte er sich ausnahmsweise als Torschütze feiern lassen: Beim 1:2 im Heimspiel gegen Werder Bremen erzielte er für seine Löwen die zwischenzeitliche Führung.