Bislang kannte seine Karriere nur eine Richtung: nach oben.
Bislang kannte seine Karriere nur eine Richtung: nach oben. Auch in der neuen Saison will Ralph Hasenhüttl, der heute 50 Jahre alt wird, mit RB Leipzig für eine Überraschung sorgen.
Fassbender/dpa

Ein Trainerjob in der Fußball-Bundesliga ist undankbar. Läuft es schlecht, fliegt der Coach meist als erster. Manche kommen schnell wieder irgendwo unter, manche fallen heraus aus dem Trainerkarussell. Es gibt allerdings nur ganz wenige, die auf Dauer wohl so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden werden. Julian Nagelsmann, dieses aufstrebende Talent bei 1899 Hoffenheim, zählt sicherlich dazu. Aber auch Ralph Hasenhüttl. Derjenige, der RB Leipzig als Aufsteiger sofort in die Champions League, oder davor den FC Ingolstadt in die Bundesliga führte. Seine Trainerkarriere kannte bislang nur eine Richtung: nach oben. Dabei musste Hasenhüttl einmal klein anfangen.

Es gibt Menschen, die umgibt eine besondere Aura. Menschenfänger werden sie genannt. Mit wenigen Worten, einem Lachen, viel Charme und Authentizität vermitteln sie Werte und können andere für sich vereinnahmen. Hasenhüttl zählt dazu. Allein durch seine stattliche Figur, über 190 Zentimeter groß, fällt der Österreicher auf. Dazu nutzt er die mediale Bühne für sich: höflich, offen und freundlich tritt er auf. Sein Schmäh findet nahrhaften Boden bei den Fans und seine versierten Reden sind gerne bei den Zuschauern und Journalisten gehört. Hasenhüttl weiß, wie er sich in der Bundesliga verkaufen muss.

„Wir haben uns gesucht und gefunden.“

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick über Ralph Hasenhüttl.

 

Allerdings sind diese Charakterzüge nicht aufgesetzt. Menschen, die Hasenhüttl näher kennen, beschreiben ihn auch so, wenn er privat unter Freunden ist. Sowieso ist ihm Heimat und völlig normale Hobbys wichtig: Am Klavier findet er Entspannung, genauso wie auf dem Mountainbike oder beim Wandern in den Bergen, in seiner Grazer Heimat.

Doch seine Stärken sind seine Neugierde und seine Leidenschaft. Sein Antrieb ist sein Ehrgeiz. Als Fußball-Profi brachte er es damit zwar möglicherweise weiter als andere, die nicht mit diesem unbändigen Willen ausgestattet waren. Aber seine Unbeweglichkeit und seine mangelnde technische Raffinesse setzten ihm doch natürliche Grenzen auf dem Spielfeld. „Ich hatte gewisse Limits, die man als Trainer nicht hat“, sagte der Jubilar einst. Und auch seine Frau sollte recht behalten, die einmal sagte: „Du wirst einmal ein besserer Trainer als Spieler.“ Und als Coach sucht er weiter nach dem Limit.

Die SpVgg Unterhaching trainierte er in die dritte Liga, den VfR Aalen in die zweite, mit dem FC Ingolstadt stieg er in die Bundesliga auf und hielt die Schanzer souverän in der Klasse – zur Überraschung vieler Experten. Aber genauso konsequent zog Hasenhüttl auch einen Schlussstrich bei seinen Klubs, wenn er das Gefühl hatte, das Maximum erreicht zu haben – dann immer den persönlichen Zielen folgend. Das setzte er sich auch kurzerhand über bestehende Verträge hinweg und ließ enttäuschte Verantwortliche und Fans zurück.

Vielleicht war diese Portion Egoismus aber auch notwendig, denn Hasenhüttl bekannte nun in einem Interview mit dem Magazin „Playboy“: „Mir war klar, dass ich von Anfang an erfolgreich sein muss, denn viele Chancen bekommst du in dem Job nicht. Und als Österreicher in Deutschland schon gar nicht“, sagte er. Besonders deutlich habe er das im Jahr 2011 bei seiner zweiten Trainerstation in Deutschland zu spüren bekommen. Da saß Hasenhüttl beim damaligen Drittligisten VfR Aalen auf der Bank. „In Aalen hat man gesagt: Muss jetzt wirklich ein Österreicher kommen, um uns die Saison zu retten?“ Hasenhüttl hat jedenfalls immer schnell die nächste Stufe erklommen, die sich ihm geboten hat.

Die Vorurteile hat er nun aber längst hinter sich gelassen. Hasenhüttl ist angesehen in der Bundesliga. Er wird gerne mit Jürgen Klopp verglichen – auch wenn er vielleicht noch nicht ganz so berühmt ist wie der Liverpooler Trainer. Das war erst vor einigen Monaten wieder ein Beleg bei der Sendung „Wer wird Millionär“. Bei der 4000-Euro-Frage wurde nach dem Namen des Leipziger Trainers gefragt. Die Antwort-Möglichkeiten: a) Franz Katzenkläpple, b) Sepp Hundehuus, c) Ralph Hasenhüttl, d) Bruno Bärenbüdchen. Der Kandidat legte sich auf b) fest. Er wird Ralph Hasenhüttl sicherlich nicht mehr vergessen.

Genauso eindringlich will sich der Österreicher mit RB Leipzig in dieser Saison in der Champions League einen Namen machen. Es ist der erste Auftritt für beide, den frechen Aufsteiger der Vorsaison und den aufstrebenden Trainer, auf der größten Fußballbühne der Welt. Hasenhüttl wünscht sich die großen Teams als Gegner. Denn er will sein Limit weiter austesten. Will überraschen, mit seinem radikalen Pressingfußball die ganz Großen der Branche ärgern. Und falls Leipzig, der Klub, dem man nachsagt, dass er unbegrenzte Möglichkeiten hätte, doch irgendwann einmal zu klein werden sollte, so wie die anderen Klubs bei seinen Trainerstationen zuvor, dann findet sich bestimmt noch ein Weltklub für Hasenhüttl. Der FC Arsenal soll angeblich schon einmal bei ihm angeklopft haben. Hasenhüttl als Nachfolger der Trainerlegende Arsene Wenger?! Vorstellbar ist aktuell alles. Denn wo das Limit bei Hasenhüttl liegt, weiß aktuell keiner – vielleicht nicht einmal er selbst.