Ingolstadt: David gegen Goliath
Dukes-Headcoach Eugen Haaf will den Favoriten nach Möglichkeit ärgern. ‹ŒArch - foto: Rimmelspacher
Ingolstadt

Doch der Traum vom Titel kann für die Ingolstädter schnell beendet sein. Denn - darüber sind sich alle im Klaren - die Norddeutschen gehen als haushoher Favorit in die Viertelfinal-Partie gegen die TV-Footballer. Das macht nicht nur der Blick in die Statistik deutlich, der zeigt, dass die Löwen in den vergangenen 20 Jahren elfmal den deutschen Meistertitel errungen haben, fünfmal Vizemeister wurden und zudem auch fünfmal eine Saison als Eurobowl-Sieger beendeten.

In diesem Jahr trafen sie im europäischen Finale auf die Frankfurt Universe, die immerhin über die beste Defensive der gesamten German Football League (GFL) verfügen. Doch schon zur Halbzeit hatten die Braunschweiger 48 Punkte auf ihrem Konto verbucht (Endstand 55:14). Ein fast aussichtsloses Unterfangen für das Team aus Ingolstadt, doch egal wie die Partie am Samstag endet - die Dukes sehen dem Aufeinandertreffen mit dem Ausnahmeteam aus Braunschweig mit Freude entgegen.

"Das ist für uns alle ein ganz tolles Erlebnis und für jeden eine Ehre, gegen ein solches Spitzenteam spielen zu dürfen. Wobei es mich besonders freut, dass uns das schon im ersten GFL-Jahr gelungen ist", macht Headcoach Eugen Haaf klar, welche Bedeutung diese Partie für ihn und seine Truppe hat. Und dann freut es ihn noch besonders, dass es ein Wiedersehen mit Eric Yuma geben wird. "Er hat mit mir zusammen in den 90er-Jahren noch bei den Fighting Bayrisch in Schrobenhausen gespielt, und wir sind bis heute befreundet. Ich habe ihn damals nach Schrobenhausen geholt, und er hat eingeschlagen wie eine Bombe", blickt Haaf zurück.

Nachdem die Play-off-Partie feststand, gingen schon die ersten Mails hin und her, doch über das bevorstehende Spiel wurde dabei nicht gesprochen. "Dazu sind wir beide zu sehr Profis", macht Haaf klar, dass weder er noch der heutige Running-Back-Coach des kommenden Gegners sich in die Karten schauen lassen wollen.

Die Dukes gehen das sportliche Abenteuer sehr gewissenhaft an. Heute Nachmittag machen sie sich mit dem Bus auf die über 500 Kilometer lange Reise gen Norden. Unterwegs gibt es ein gemeinsames Abendessen, ehe Spieler, Trainer und Betreuer in ein Hotel einchecken, das auch über eine Sportanlage verfügt, sodass morgen nach dem Frühstück noch einmal einige Spielzüge eingeübt werden können. Die angeschlagenen Spieler werden in der Zwischenzeit von Physiotherapeut Matthias Klein einsatzfähig gemacht. Nach dem Mittagessen macht sich der Tross dann auf ins Stadion, wo sich alle in der Kabine noch einmal auf die Partie einstimmen. Gegen 15 Uhr geht es raus ins Eintracht-Stadion zu einem letzten Warm-up.

Dann wird die Dukes eine riesige Zuschauerkulisse erwarten, was Haaf für die weitere Entwicklung seines Team positiv sieht. "Das ist der stärkste Gegner, den wir je vorgesetzt bekamen, gegen eine Mannschaft dieser Klasse haben wir noch nie gespielt", spricht er voller Respekt vor den Lions, weshalb er die Dukes auch ganz klar in der Außenseiterrolle sieht. "Hier spielt David gegen Goliath."

Immerhin hat sich die personelle Situation bei den Dukes wieder gebessert. "Jetzt können wir wieder fast auf den kompletten Kader zurückgreifen, zu 90 Prozent können wir in Bestbesetzung antreten", ist Haaf zufrieden. Und so werden die Dukes wohl alles daransetzen, um den Rekordmeister ein wenig zu ärgern, ähnlich wie ihnen das schon in der Punktrunde gegen die ebenfalls scheinbar übermächtigen Schwäbisch Haller zumindest über weite Strecken gelungen ist. Defense-Koordinator Mike Wittmann macht jedenfalls klar: "Wir fahren nicht da rauf, um uns verprügeln zu lassen. Wir werden alles versuchen."

Genau deshalb werden die Braunschweiger den Aufsteiger auch kaum auf die leichte Schulter nehmen, wie deren Wide Receiver Niklas Römer klarmacht: "Die Ingolstädter haben nichts zu verlieren, da sie allen Erwartungen bereits gerecht geworden sind. Ein Aufsteiger in den Play-offs kann nur gewinnen. Wir dürfen und werden sie auf keinen Fall unterschätzen." Da aber hätten die Dukes sicher nichts dagegen . . .