Ingolstadt: Verliebt in Details
"Tommy und ich sprechen eine Sprache", sagt Ingolstadts neuer Co-Trainer Clayton Beddoes über die Zusammenarbeit mit Chefcoach Samuelsson. - Foto: Bösl
Ingolstadt

Nach der intensiven Trainingseinheit gestern Vormittag suchte Beddoes noch das Gespräch mit Benedikt Schopper. Mehrere Minuten tauschte sich der Kanadier mit dem Verteidiger aus, ehe er als einer der Letzten vom Eis ging. Jetzt darf man solche Szenen freilich nicht überbewerten, doch das kurze Pläuschchen beschreibt den 46-Jährigen ganz gut. Beddoes gilt als detailverliebter Arbeiter, der als solcher in Anlehnung an Jürgen Klinsmann jeden Spieler jeden Tag etwas besser machen will.

"Das ist eine der wichtigsten Aufgaben für mich als Co-Trainer", sagt er und ergänzt: "Ich habe den Luxus, dass ich etwas weniger Verantwortung und Druck als Tommy (Cheftrainer Samuelsson, d. Red.) habe, dafür aber ausführlicher mit den Spielern arbeiten kann. Das ist schon etwas, was ich als Cheftrainer vermisst habe." Samuelsson wiederum beschreibt seinen neuen Zuarbeiter als "guten Typen", der "ein gutes Auge für die Details" habe.

Beddoes arbeitete zuletzt zwei Jahre für den WSV Sterzing aus Italien in der zweitklassigen Alps Hockey League (AHL). Gleichzeitig war er als Assistenztrainer für die italienische Nationalmannschaft tätig. Doch auch in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist der 60-fache NHL-Profi kein Unbekannter: Als Spieler lief er zwischen 1998 und 2001 für die Berlin Capitals, Adler Mannheim und Düsseldorfer EG auf, als Co-Trainer arbeitete er für die Iserlohn Roosters (2005/05), Kölner Haie (2006 bis 2009) und Frankfurt Lions (2009/10).

Wie Cheftrainer Tommy Samuelsson und Sportdirektor Larry Mitchell unterstreicht auch Beddoes den Teamgeist als einen der Eckpfeiler für eine erfolgreiche Saison mit dem ERC. "Wir müssen eine Einheit sein - sowohl die Mannschaft als auch das Trainerteam. Ich hoffe, dass man bereits gegen Köln sieht, dass wir gut zusammenarbeiten", erzählt er. Die ersten Trainingseindrücke stimmen ihn dabei positiv. "Ich bin von den schlittschuhläuferischen Fähigkeiten beeindruckt. Die Aggressivität und Schnelligkeit wird ein großer Bestandteil unserer Spielweise sein", stellt er fest.

Neben seinem guten Auge erhoffen sich die Verantwortlichen aber auch, dass der Nachfolger von Petr Bares eine Art Gegenpol zu Samuelsson einnimmt. "Ich denke schon, dass ich emotional bin, dabei aber nicht die Kontrolle verliere", antwortet der Kanadier auf die Frage, ob er sich in der Rolle des sogenannten "Bad Cop" sieht. "Wenn man aber zu oft zu laut oder aggressiv ist, wird das nicht funktionieren", ergänzt er.

Warum sich die Panther für Beddoes als Co-Trainer entschieden haben, wird zudem deutlich, wenn dieser über den ersten Testspielgegner Kölner Haie spricht. Das Duell gegen seinen Ex-Klub sei für ihn nämlich vor allem deshalb speziell, weil er auf seine ehemaligen Zöglinge Moritz Müller, Kai Hospelt und Philip Gogulla trifft. "Ich habe damals an alle drei geglaubt, dass sie Top-Spieler in der DEL werden können. Es freut mich, dass ihnen das gelungen ist", erzählt er - und sieht eine Parallele zu den Panthern.

Denn mit David Elsner, Fabio Wagner, Simon Schütz oder Christoph Kiefersauer habe der ERC ebenfalls Nachwuchskräfte in seinen Reihen, die es im Eishockey-Oberhaus auf absolutes Spitzenniveau bringen können. "Und darum geht es doch auch. Wir alle wollen gewinnen, aber um das deutsche Eishockey voranzubringen, müssen wir alle - Klubs, Liga und Verband - an einem Strang ziehen, um junge, deutsche Spieler zu fördern", sagt er. Zuvor aber will Beddoes nur eines: seine neue Mannschaft endlich im Wettbewerb sehen.

Der ERC in Kürze

Verletzung: Angreifer Petr Taticek musste gestern wie Torhüter Timo Pielmeier (Oberschenkelprobleme) mit dem Training aussetzen. Der Deutsch-Tscheche klagte über Schmerzen an der Hüfte. Ob er heute Abend gegen die Kölner Haie zum Einsatz kommt, soll kurzfristig entschieden werden.

Rückkehrer: Patrick McNeill und Brandon Buck kehrten gestern Abend vom Olympia-Sichtungsturnier ihrer kanadischen Nationalmannschaft, das sie auf Rang drei beendeten, zurück. Trainer Tommy Samuelsson will kurzfristig über einen Einsatz heute Abend entscheiden.

Maske: Pünktlich vor dem ersten Testspiel hat Neuzugang Jochen Reimer eine neue Torwartmaske. Auf der rechten Seite prangt gemäß seinem Spitznamen das Konterfei des Jokers, bekannt als Widersacher der Comicfigur Batman. Auf der linken Seite fletscht der Panther seine Zähne.