Ingolstadt: "Ich mag Schweineschnitzel"
Familie Ross im heimischen Wohnzimmer: Jared spielt mit seinem dreijährigen Sohn Cameron und dessen Peter-Pan-Figuren. „Damit könnte er sich den ganzen Tag beschäftigen“, sagt der 30-Jährige mit einem Schmunzeln. Ehefrau Evy beobachtet die beiden, während der zwei Monate alte Abel – schon mit ERC-T-Shirt ausgestattet – friedlich schlummert - Foto: Petri
Ingolstadt
Bis 2015 hat sich der 1,75 Meter große Mittelstürmer an die Ingolstädter gebunden. Offenbar ist Ross darüber erleichtert, denn seine Formkurve zeigt nach zuvor ungewohnt schwachen und unscheinbaren Vorstellungen des US-Amerikaners wieder klar nach oben.

Familie Ross – das sind Papa Jared, Mama Evy, der dreijährige Sohn Cameron, das im Dezember geborene Nesthäkchen Abel und Hund Madden. Eine Anekdote verdeutlicht wohl am besten, wie wohl sie sich inzwischen in Deutschland fühlen. „Cameron kam aus dem Kindergarten und behauptete, er sei Deutscher. Ich sagte ihm, dass er US-Amerikaner sei. Da hat er angefangen zu weinen“, berichtet Evy.

Die Tränen sind längst getrocknet: Am liebsten spielt Cameron mit seinen Peter-Pan- oder Captain-Hook-Figuren – wenn er nicht seinem Papa nacheifert. „Er spielt wahnsinnig gerne Eishockey. Und er redet darüber – die ganze Nacht“, stöhnt Jared mit einem Augenzwinkern. Seit einem Monat steht allerdings jemand anderes im Mittelpunkt: Camerons Bruder Abel erblickte kurz vor Weihnachten in Ingolstadt das Licht der Welt. Jared übernachtete dreimal im Krankenhaus, um seiner Frau beizustehen. „Da war ich furchtbar müde, habe vielleicht eine Stunde pro Nacht geschlafen“, berichtet er. Da Jared fast täglich Eishockey spielen muss, kümmert sich vorwiegend Evy um den Nachwuchs – vor allem nachts. „Sie macht das wirklich toll“, sagt Jared.

Wenn sich die Haustür im Stadtteil Mailing öffnet, merkt der Besucher sofort: Familie Ross fühlt sich wohl in Ingolstadt. Im vergangenen Jahr, kurz nach dem Wechsel, habe er ein bisschen Heimweh gehabt, gesteht Jared dann aber doch. Inzwischen ist das kein Thema mehr: Bayern ist die neue Heimat der Familie. Mit der Sprache klappt es auch immer besser. „Die Nachbarn sagen, dass ich gut Deutsch spreche“, sagt er nicht ohne Stolz. Nach einer kurzen Pause rudert er jedoch zurück: „Manchmal verstehe ich nur zwei oder drei Wörter. Den Rest reime ich mir dann zusammen“, gibt er zu. Immerhin: Eine Speisekarte auf Englisch benötigt die Familie nicht mehr, wenn sie essen geht. Jareds Favorit: „Ich mag Schweineschnitzel und Currywurst!“ Allzu oft gönnt er sich diese Kalorienbomben jedoch nicht – schließlich ist er Profisportler.

Dass Ross überhaupt zum Eishockey kam, mag auf den ersten Blick verwundern. Der quirlige und technisch versierte Center ist im südlichen US-Bundesstaat Alabama geboren – nicht gerade bekannt für Sport auf Schnee und Eis. „Mein Vater hat dort ein College-Team trainiert. Eigentlich stammt er aus Michigan“, erklärt er. Jareds Vater, Doug Ross, nahm für die USA an den Olympischen Spielen 1976 teil – und gewann die Bronzemedaille.

Das Talent legte er seinem Sohn in die Wiege: Immerhin 22 Partien bestritt Jared in der National Hockey League (NHL), der besten Eishockey-Liga der Welt. Daher freute es Ross besonders, als während des jüngst beendeten Lock-outs zahlreiche NHL-Stars ein Gastspiel in Deutschland gaben. An einen erinnert sich Ross besonders: Jason Pominville, Kapitän der Buffalo Sabres, lief nur wenige Male für die Adler Mannheim auf – doch im Dezember traf er dreimal gegen den ERC. „Es macht trotzdem Spaß, gegen Leute wie Pominville oder Daniel Briere zu spielen“, sagt Ross. Mit den Ex-Berlinern Briere und Claude Giroux spielte er in Übersee sogar zusammen – seitdem sind die drei befreundet.

Beim ERC Ingolstadt begeistern ihn besonders die Fans. „Unsere Anhänger unterstützen uns toll“, lobt er. Vor allem die 900 Panther-Fans, die per Sonderzug nach Krefeld reisten und ihren Klub unterstützten, haben Ross begeistert: „Ich habe noch nie so viele Fans bei einem Auswärtsspiel gesehen.“

Die mitunter dürftigen Vorstellungen seiner Mannschaft in dieser Saison hingegen wurmen ihn. „Die ganze Mannschaft spielt noch unter ihren Möglichkeiten“, sagt er. Das will er jetzt ändern: „Wir sind besser als im letzten Jahr. Wir haben es nur noch nicht gezeigt.“ Spätestens am vergangenen Wochenende mit den Siegen gegen Hamburg und Berlin haben Ross und seine Teamkameraden damit angefangen.