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22.01.2016 19:53 Uhr | x gelesen
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"Es gibt noch viel zu tun"


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Ingolstadt (DK) Anfangs hatte er "schon ein flaues Gefühl im Bauch", heute aber fühlt er sich in seinem Job "richtig wohl". Zehn Jahre hat Peter Mosch als Vorsitzender des Audi-Gesamtbetriebsrats mittlerweile hinter sich, und er will weitermachen.


Ingolstadt: "Es gibt noch viel zu tun"
Peter Mosch vertritt knapp 80 000 Audi-Beschäftigte. Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats. ‹ŒArch - foto: Audi

Die Personalie machte 2006 Schlagzeilen in der deutschen Wirtschaftspresse: "Mit 34 an der Spitze" titelte das Handelsblatt und widmete dem "jüngsten Aufsichtsrat eines deutschen Großkonzerns" gleich einen größeren Bericht. Denn Mosch - gerade erst an die Spitze des Gesamtbetriebsrats der Ingolstädter VW-Tochter gewählt - zog damals auch gleich ins Kontrollgremium des Wolfsburger Autokonzerns ein. Seither schaut er den VW-Vorstandschefs auf die Finger - zunächst Bernd Pischetsrieder, dann Martin Winterkorn und jetzt Matthias Müller.

Eine Karriere wie ein Raketenstart - die der am 15. Februar 1972 geborene Mosch mit gerade einmal 15 Jahren als Auszubildender bei Audi in Ingolstadt beginnt. Der gelernte Industriemechaniker und Meisá †ter arbeitet bei dem Autobauer zunächst in verschiedenen Produktionsbereichen, dann als Werkzeugmacher und später als Mechaniker in der Anlagentechnik der Montage.

Von Beginn seines Berufslebens macht Mosch auch bei der IG Metall mit. "Mich für andere Menschen zu engagieren, war mir schon in die Wiege gelegt", sagt er. Denn sein Vater sei in mehreren Vereinen und auch in der Kommunalpolitik aktiv gewesen. Das habe ihn schon früh geprägt. Und so sei es für ihn "selbstverständlich" gewesen, als Gewerkschafter Verantwortung zu übernehmen - etwa in der Jugend- und Auszubildendenvertretung, als Verá †trauensmann der IG Metall oder in der Vertrauenskörperleitung. 1998 zieht Mosch dann in den Audi-Betriebsrat ein.

Dass er rund sieben Jahre später an die Spitze der Arbeitnehmervertretung rückt, verdankt Mosch allerdings nicht nur seinem Engagement für die Belange der Beschäftigten, soná †dern auch der VW-Affäre um die vom Konzern bezahlten Lustreisen etlicher Betriebsräte. In deren Sog war 2005 auch der damalige Audi-Betriebsratschef Xaver Maier geraten und zum Jahresende in Ruhestand gegangen. Da musste bei den Arbeitnehmervertretern rasch ein neuer Vorsitzender her und das - der Tradition folgend - möglichst aus der Produktion. Die Kolá †legen fragen bei Mosch an, ob er kandidieren würde.

"Ich habe mir das ein paar Tage durch den Kopf gehen lassen und mit meiner Frau besprochen", erinnert sich Mosch. Und trotz seines flauen Gefühls - "das kann man ja nicht wie einen Beruf erlernen" - sagt er schließlich zu. Wie aber qualifiziert man sich für den Job des Betriebsratschefs und Aufsichtsrats - eine Aufgabe, die ja viel mit Management zu tun hat und kaum noch etwas mit der früheren Tätigkeit in der Produktion? "Man wächst da so rein", sagt Mosch, gibt sich aber gleichzeitig als Verfechter des lebenslangen Lernens zu erkennen. Rechnungslegung, Arbeitsrecht, Führungsmethoden - Schulungen bei der Gewerkschaft und anderen Anbietern stehen für ihn seit jeher und immer noch auf dem Programm. "Man wächst mit den Aufgaben" - und: "Man braucht ein gutes Team." Auf Teamgeist legt er großen Wert.

Dass die mit seiner Aufgabe zwangsläufig verbundene, aber auch nicht einfache Nähe zum Konzernmanagement an der Basis mitunter kritisch beäugt wird, ist Mosch klar. Aber: "Ich weiß, woher ich komme und wer ich bin", versichert er. Und verweist zum Beispiel auf regelmäßige Veranstaltungen wie "Betriebsrat vor Ort", bei denen er die Kollegen im Werk abfragt, wo gerade der Schuh drückt. Andererseits müsse er eben in den verschiedenen Gremien des Unternehmens präsent sein, um die Interessen der Arbeitnehmer mit dem nötigen Nachdruck zu vertreten. "Das ist schon ein Spagat."

Und der kann mitunter schon heftig ausfallen. Gerade in Zeiten, in denen sich die Automobilindustrie angesichts zunehmender Internationalisierung, Digitalisierung, Vernetzung und rasanter Veränderungen bei Antriebs- und Produktionstechniken zum Teil ganz neu erfinden muss. So sieht Mosch die größte Herausforderungen für den Betriebsrat darin, diese Prozesse so zu begleiten, dass dabei "der Mensch im Vordergrund" und die Beschäftigung an den Heimatstandorten gesichert bleibt. Damit verbunden sei etwa auch eine moderne Unternehmens- und Führungskultur, sagt Mosch unter dem der Erfahrungen im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre. Besonders wichtig für ihn ist denn auch, "dass der Konzern Vertrauen zurückgewinnt".

Neben seinem Fulltime-Job bei Audi - "in der Audi-Welt geht die Sonne nicht unter" - ist das SPD-Mitglied Mosch auch noch ehrenamtlich bei der IG Metall und als Kreisrat in Neuburg-Schrobenhausen tätig. Freizeit? Ach ja: Im Tennisverein hat er noch bei Punktspielen der Herrenmannschaft den Schläger in der Hand und den Posten des 2. Vorsitzenden inne. Auch im Schützenverein macht Mosch noch mit - scharf geschossen hat er jedoch "schon seit sechs Jahren nicht mehr".

Da ist die Zeit für den "Rückzugsort Familie", so Mosch, schon sehr beschränkt. Wenn er dann einmal "vier Tage überhaupt nicht zu Hause ist", geben die beiden Töchter mitunter schon Laut. Und seine Frau erinnert ihn dann daran, "dass es mehr gibt als VW und Audi". Dennoch will er weitermachen als Betriebsratschef und Aufsichtsrat. Weitere zehn Jahre? Mosch: "Es gibt noch viel zu tun."


Von Carsten Rost

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