Im vergangenen Jahr waren in Deutschland 20,5 Prozent und damit mehr als jeder Fünfte im Alter von 55 Jahren und älter von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. 2006 hatte der Anteil noch bei 18,2 Prozent gelegen. Das geht aus aktuellen Daten des europäischen Statistikamts Eurostat hervor, die die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) ausgewertet hat.

Im EU-Durchschnitt lagen das Armuts- und das Ausgrenzungsrisiko älterer Menschen 2016 bei 20,8 Prozent. Im Vergleich mit den Nachbarstaaten ist die Gefährdung in Deutschland teils deutlich höher. So sind in Frankreich nur 13,1 Prozent der Älteren bedroht, in den Niederlanden 13,9, in Österreich 16,2. In Polen ist das Risiko auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland. Die Gefahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung wird anhand von drei Kriterien bestimmt. Von Armut bedroht gelten Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Hinzu kommen Haushalte, die von materieller Entbehrung betroffen sind. Der dritte Faktor ist Arbeitslosigkeit beziehungsweise eine sehr geringe Erwerbsintensität.

In der zunehmenden Armut Älterer spiegele sich "die gesamte Problemlage im Bereich Arbeit und Soziales: Hoher Anteil von Niedriglöhnen, hohe Erwerbslosigkeit von Älteren und immer öfter Armutsrenten", erklärte Zimmermann gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Von der künftigen Bundesregierung forderte sie ein umfassendes Konzept. "Unter anderem muss der Mindestlohn auf zwölf Euro erhöht werden und ohne Ausnahmen gelten. Ältere Erwerbslose dürfen nicht länger abgeschrieben werden, sondern müssen unterstützt werden. Dazu gehört auch die Einführung eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors, zu guten Arbeitsbedingungen und existenzsichernden Löhnen", sagte die Linken-Politikerin.