Gewiss, er hat die Gewalt verurteilt, das war das Mindeste. Doch Begriffe wie Rassismus oder Neonazis kamen dem Republikaner nicht über die Lippen. Trump hat sich absichtlich, wie das Weiße Haus bestätigt hat, nicht auf eine Seite gestellt. Er war objektiv, obwohl eine glasklare Positionierung das Gebot der Stunde gewesen wäre. Er hat von Hass, Gewalt und Fanatismus im Allgemeinen gesprochen.

Die Botschaft: "Die anderen" sind ja auch nicht besser. Damit hat Trump das Verbrechen relativiert. Seine Intention ist klar: Bloß nicht seine treuesten Unterstützer und Wähler verprellen. Er hat es stets abgelehnt, sich von rechtsextremistischen Gruppen zu distanzieren. Mit Trumps Wahl und dem Einzug seiner rechten Berater, wie Steve Bannon, tritt die Bewegung des Hasses, für die ein starkes Amerika nur ein rein weißes Amerika sein kann, immer offener und unverhohlener für ihre Ziele ein. Amerika ist zerrissen. Und der Präsident, der versöhnen, Brücken bauen und ausgleichend wirken, der für Toleranz und ein friedliches Miteinander eintreten sollte, vertieft und verbreitert die Gräben.

Er zeigt Handlungs- und Denkmuster, die auch in seiner Außenpolitik zutiefst besorgniserregend sind. Während ein Präsident eigentlich alles tun sollte, um einen Krieg zu vermeiden, scheint Trump geradezu danach zu gieren, Truppen ins Gefecht zu schicken. Gegen Nordkorea, gegen Venezuela - ganz egal. Diplomatie scheint für ihn Zeitverschwendung zu sein. Trump fehlt einfach das moralische Rüstzeug für eines der verantwortungsvollsten Ämter überhaupt. Darum ist der Konflikt mit Pjöngjang so beängstigend. Das scheint auch immer mehr Republikanern zu dämmern.