Die Zeit drängt gewaltig. Das Ziel, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, wird mit den bisherigen Maßnahmen und dem Tempo ihrer Umsetzung nicht erreicht werden. Im Gegenteil. Es rückt in weite Ferne.

Deutschland und andere Industriestaaten sind hier als Hauptverursacher des Klimawandels besonders gefordert, an einer konkreten und zügigen Umsetzung der Vereinbarungen zu arbeiten. Wenn Berlin die selbst gesteckten Ziele bei der CO2-Reduzierung bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 verfehlt, ist dies ein falsches und fatales Signal.

Natürlich müssen die Menschen beim Klimaschutz mitgenommen werden. Und es sollte pragmatische Lösungen geben, die nicht zur Deindustrialisierung ganzer Regionen und zum Verlust von Arbeitsplätzen in hohem Ausmaß führen. Doch gilt es deutlich stärker umzusteuern, mehr auf die auch wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes zu setzen als vor den Risiken zu warnen. Die Energiewende und der Klimaschutz verursachen nicht nur Kosten. Sie sind Zukunftsinvestitionen, die sich irgendwann auszahlen.

Die Regierungsvertreter bei der Bonner Konferenz müssen jenseits von Appellen und Lippenbekenntnissen ein Zeichen setzen und den Druck zur Umsetzung von Paris weiter erhöhen. Und der Klimakanzlerin sowie der neuen Regierung wünscht man unterdessen mehr Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen die Erderwärmung. Ob Kohleausstieg oder Verkehrswende - hier müssen die Weichen gestellt werden, um den selbst gesteckten ehrgeizigen Zielen deutlich näherzukommen. Pragmatisch, aber nicht ohne die dringend notwendige Entschlossenheit.