Da hatte Plácido Domingo bereits von der Verlegerin der "Passauer Neuen Presse", Angelika Diekmann, den Kunst Award der Reihe "Menschen in Europa" in der Hand. Die Veranstaltungsreihe hatte im Medienzentrum Passau einen besonderen Abschluss. So viele Emotionen, eine so gelöste Stimmung, so viele herzliche Lacher und glückliche Gesichter erlebte man selten bei den Veranstaltungen der Reihe, die in der Regel von politischen Themen dominiert werden.

Die Gäste, die sich als Fans der beiden Sänger bekannten, waren hingerissen und beglückt. Vor der Preisverleihung wurden in einem filmischen Porträt und in einem von Patricia Riekel moderierten Gespräch verschiedene Aspekte des Lebens und Wirkens von Plácido Domingo (76) angerissen. Domingo, der in 148 Rollen rund 4000-mal als Sänger auf der Bühne und rund 600-mal als Dirigent im Graben stand, zeigte sich als offenherziger Erzähler. Hier einige der Gesprächspunkte.

n Karriere: "Ich bin schon fast im Theater geboren", so Domingo. Seine Eltern waren Zarzuela-Sänger. "Das ist ein Musiktheater wie die ,Zauberflöte €˜ mit einem Happy End." Als Kind sei er schon über die Bühne gelaufen. Als nächste Stationen nannte er Klavierstudium, Chordirigent und Auftritte zunächst als Bariton. Plácido Domingo gestand auch, dass ihm das Theater wichtiger war als die Schule. "Schon damals wusste ich: Ich bleib im Theater."

n Künstlerdasein: Domingo liebt das Künstlerdasein. Er bezeichnet sich als Nomade, liebt es, heute in New York und morgen in China zu sein. Im Flugzeug lerne er gerne aus Partituren, weil ihn niemand störe.

"Wir machen das, was uns erlaubt, die Menschen glücklich zu machen. Warum sollte man ein Divo, eine männliche Diva sein", sagt er. Und: Plácido Domingo hat auch keine Scheu, Pop oder Volksmusik zu singen. "Wenn etwas schön ist, singe ich es gerne." Gesagt getan - und der Weltstar, der bekennender Fußballfan ist, stimmt die Hymne vom Club Real Madrid an. Das Publikum jubelt.

n Publikum: Dass er das Publikum liebt, daraus macht er keinen Hehl. Er weiß allerdings auch: "Das Publikum ist anspruchsvoller als früher. Heute muss man nicht nur gut singen, sondern den Charakter auch leben, gerade in ,Otello €˜." Das war eine seiner berühmtesten Opernfiguren. Freilich gestand er auch, dass er es nicht schätze, wenn Fans ihn nach einer Vorstellung im Restaurant bedrängen. Überrascht war das Passauer Publikum auch, als er, der große Bühnenlöwe, gestand: "In Wirklichkeit bin ich schüchtern!"

n Liebe: Seit 54 Jahren ist er mit seiner Frau Martha, die auch Sängerin ist, verheiratet. "Nein, es hat nicht deshalb so lange gehalten, weil ich so oft weg war", kontert er die Frage der Moderatorin. "Wenn man verheiratet ist und Kinder hat, bedeutet dies auch Verantwortung." Gleichzeitig müsse man auch wissen, dass nichts perfekt sein kann, man selbst sei es auch nicht.

n Verantwortung: Plácido Domingo ist Botschafter der SOS-Kinderdörfer. "Wir Künstler sind an vorderster Front, wenn es um die Probleme der Welt geht, wir müssen und können helfen."

n Förderer junger Talente: Als seinen größten Lehrmeister bezeichnete ihn Rolando Villazón in seiner großteils frei und in Deutsch vorgetragenen Laudatio auf Plácido Domingo. "Ich selbst bin Opernsänger geworden wegen dieser großen Stimme", sagte Villazón, der Domingo als Zwölfjähriger erstmals erlebte. "Er ist der größte Opernsänger aller Zeiten, ein besonderer Mensch und eine wunderbare Seele", so der Laudator. Sein Geheimnis sei wohl, dass er alles mit Liebe tue. Dann lagen sich beide in den Armen. Der Funke von dieser besonderen Beziehung entzündete sich sofort im Publikum.