Neuburg: Nichts aus der Konserve: "Ich bin Authentiker"
Figurenjongleur: Schauspieler Stefan Leonhardsberger (vorne) spielt Figuren im komatösen Zustand so souverän wie verschiedene Damenrollen. Unterstützt wird er dabei von Martin Schmid (hinten). - Foto: Spiess
Neuburg

In der Region ist er kein Unbekannter, im Gegenteil: Schauspieler Stefan Leonhardsberger hat 2011 den Publikumspreis des Stadttheaters Ingolstadt gewonnen. Zu Recht, denn mit der Darstellung von Johnny Cash in "The Man in Black" wurde der gebürtige Österreicher für seine authentische Verkörperung des legendären Sängers mit der Auszeichnung belohnt. Der musikalische Leiter der Produktion war der Augsburger Martin Schmid, der später mit Leonhardsberger und weiteren Schauspielern des Ingolstädter Ensembles die Band Austria 4+ gründete. Seither spielen sie zusammen österreichischen Pop. Davon inspiriert konzentrierte sich Leonhardsberger ab 2013 verstärkt auf eigene Produktionen, arbeitete dabei mit einem Kindheitsfreund aus dem oberösterreichischen Mühlviertel, Paul Klambauer. Unter seiner Regie entstand der gefeierte Liederabend "Der Billie Jean ist ned mei Bua", bei dem Schmid und Leonhardsberger zusammen auf der Bühne stehen - sogar im Deutschen Theater in München. Nun wurde es Zeit für ein neues Programm: Über eineinhalb Jahre ist es gewachsen. Am Mittwoch fand die Vorpremiere von "Rauhnacht" im Kolpinghaus Neuburg statt. Aufgrund der tragischen Geschehnisse wurde es vorsichtshalber mit der Altersempfehlung "ab 18 Jahren" versehen.

Es wirkt wie ein Theaterstück und doch ist es noch viel mehr: "Es ist eine vielschichtige Story, die auf ernsthafte psychologische Konflikte setzt. Trotzdem ist es kein Drama oder ein schwerer Theaterabend. Mehr wie ein Kabarett oder wie ein Kinofilm", erklärt Klambauer. Und Leonhardsberger fügt hinzu: "Es ist ein schmaler Grat zwischen extremen Figuren - aber alles ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen." Hierbei erkennt man den österreichischen Humor, der das Stück ausmacht: Ist die Situation noch so makaber, hat sie trotzdem noch einen neckischen Unterhaltungswert. Trotz Kinogefühl gibt es keine Einspieler oder Ähnliches. "Ich bin ein Authentiker. Alles ist live und nichts aus der Konserve", beteuert Leonhardsberger. So viel sei verraten: Der Schauspieler hat auf der Bühne einiges zu tun, denn er muss rund ein Dutzend Rollen spielen. Da weiß er sogar privat schon manchmal nicht mehr, wer er überhaupt ist. Der Regisseur kann bestätigen: "Die sich durch die Figuren ergebenden Stimmungsschwankungen von Stefan sind extrem anstrengend!" Mittlerweile kann er darüber lachen.

Die Grundidee hinter dem Stück "Rauhnacht" war ein Lied, das Klambauer über den Mythos geschrieben hatte. In den Rauhnächten - zum Beispiel an Silvester - dürfen junge Mädchen nicht mehr aus dem Haus gehen, weil sie sonst der Teufel holt, erklärt Leonhardsberger den groben Inhalt des Stücks. Im Laufe des Entstehungsprozesses wurde jedoch klar, dass das Lied nicht mehr in die Handlung passte. Und so war es ein sehr lebendiger Prozess, der zwischen Regisseur, Musiker und Schauspieler ablief. "Wir erzählen aus der komischen, absurden mühlviertler Welt, die wir aber auch erfinden, weil im Mühlviertel geht's natürlich nicht so zu wie in der Geschichte", so Leonhardsberger. "Vielleicht doch", wirft Klambauer ein. "Stimmt, noch schlimmer natürlich", fügt Leonhardsberger schelmisch hinzu. Dass die Männer ihr eigenes Ding machen, beflügelt das Werk, auch wenn es zeitintensiv und manchmal auch anstrengend war: "Im Sommer haben wir intensiv sechs Wochen lang geprobt. In einem kleinen Keller. Es war sehr heiß. Uns war gar nicht nach Rauhnacht", klagen sie, doch der Aufwand hat sich gelohnt: Der letzte Abend des Jahres steckt auch hier voller Überraschungen.

Vorpremiere am 5. Dezember und offizielle Premiere am 1. Januar 2018, beide jeweils um 20 Uhr in der Eventhalle Ingolstadt. Karten bei allen DK-Geschäftsstellen und unter eventim.de.