Neuburg: "Ich bin voll im Weihnachtsrausch"
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Neuburg

Herr Altinger, Sie spielen in Neuburg "Meine heilige Familie", das neue Programm, mit dem Sie im Februar in Ingolstadt gastieren, heißt "Hell", also das englische Wort für  Hölle. Ist das ein Kontrastprogramm?

Michael Altinger: Das ist es in jedem Fall. Aber ich hab ja dazwischen ein paar Wochen, um mich umzustellen. Und ich glaube, dass im Februar viele Zuschauer dankbar sein werden, wenn es nicht mehr um Weihnachten geht. Momentan bin ich allerdings voll im Weihnachtsrausch, den ich sehr genieße. Privat und auf der Bühne. Das müssen die Leute leider aushalten. Da kenn ich keine Gnade.

 

Worum geht es in "Meine heilige Familie"? Und worum in "Hell"?

Altinger: Im Weihnachtsprogramm geht's um die ewige Sehnsucht nach Harmonie, auf der Basis eines fragilen Gebildes namens "Familie". Und beim aktuellen Bühnenprogramm geht's um die Entsolidarisierung einer individualisierten Gesellschaft. Beide Programme beschäftigen sich quasi mit dem "Miteinander", früher und heute.

 

Sind Sie ein Weihnachtsfan oder ein -muffel? Und was macht für Sie Weihnachten aus?

Altinger: Ich bin tatsächlich ein Weihnachtsfan. Das ist meine Jahresziellinie, auf die ich gierig zusteuere. Für mich ist Weihnachten ein Durchschnaufen, ein Runterbremsen und eine gemütliche Couch.

 

Was war Ihre bisher schönste Weihnachtserinnerung?

Altinger: Als einer meiner Söhne - mit etwa drei Jahren - ins Wohnzimmer rannte, den hell erleuchteten Baum sah, stehen blieb, die Augen weit aufgerissen und begeistert aufgeschrien hat, mit einem einfachen: "Na!" - also "Nein".

 

Sie sind zweifacher Vater. Was soll man den Kindern sagen: Dass die Geschenke das Christkind bringt oder Amazon?

Altinger: Meine Buben sind schon etwas zu groß für Kinder-Weihnachtsgeschichten. Aber sie weigern sich trotzdem vehement, daran zu glauben, die Geschenke kämen von Amazon.

 

All Ihre Geschichten auf der Bühne spielen in Strunzenöd. Was ist das für ein Ort?

Altinger: Strunzenöd könnte überall in Bayern sein. Ich würde mal sagen: ca. 3000 Einwohner, es gibt eine Grundschule, einen Fußballplatz, Kirche, Wirt, BayWa. Und Bürgermeister ist der einzige SPDler im Ort. Der Ort ist geprägt von einer großen Liebe zur "guten alten Zeit", wobei aber niemand sagen könnte, wann die genau gewesen sein soll.

 

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Arbeitstag aus?

Altinger: Den gibt's nicht. Das ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil man nie in einen richtigen Rhythmus kommt. Segen, weil es nie eintönig wird.

 

Worüber können Sie sich richtig ärgern?

Altinger: Über Leute, die eine eindeutige Meinung haben zu Dingen, von denen sie nichts wissen.

 

Was bringt Sie zum Lachen?

Altinger: Wenn diese Leute auf jemanden stoßen, der ihnen den Spiegel vors Gesicht hält.

 

Warum sind Kabarettisten die besseren Welterklärer als, sagen wir mal, Politiker oder Philosophen?

Altinger: Wir sind sicher nicht die besseren Welterklärer. Vielleicht sind wir einfach Welterklärer, denen man lieber zuhört, weil's hoffentlich was zu lachen gibt. Ich merke allerdings, dass Kabarettisten für die Meinungsbildung der Leute immer wichtiger werden. Bei der Informationsflut, die uns täglich überrollt, ist der ein oder andere anscheinend dankbar, wenn man den Wahnsinn humoristisch sortiert bekommt.

 

Die Fragen stellte Anja Witzke.

 

14. Dezember, Rennbahn, Neuburg, 20 Uhr; 17. Februar, Eventhalle, Ingolstadt, 20 Uhr.