Neuburg: Bach mit Beat
Wilde Hilde: Die Jazzpianistin Hildegard Pohl trat mit Yogo Pausch und Norbert Meyer-Venus bei den Barockkonzerten auf. - Foto: Löser
Neuburg

Die Zutaten des Jubiläumsdinners anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Barockkonzerte im gut besuchten Neuburger Jazzclub Birdland waren weltbekannte Klassiker: Bachs Air, seine Badinerie, das Italienische Konzert, die Toccata und Fuge in d-Moll oder seine Cello Suite in G-Dur hatte das Hildegard-Pohl-Trio sich aus den Werken des Barockkomponisten ausgeliehen. Und auch im Jazz hatten sich die Künstler mit "Lullaby of Birdland", "Blue Rondo à la Turk" oder "The Preacher" an Standards bedient, die Weltruhm erlangt haben.

Aber nicht allein die erlesenen Zutaten machten das Musikmenü zu einem feinen Genuss. Erst die gemeinsame Verarbeitung durch die drei Profimusiker und ihre eigenen Improvisationen und Ideen ließen die Welt des Bach'schen Barocks mit der des Jazz in besonderer Weise verschmelzen. Norbert Meyer-Venus' Walking Bass gab den Bachwerken einen knackigen Groove, aber auch als Solist beeindruckte der Musiker mit seiner Fingerfertigkeit. Mit Leichtigkeit und Charme präsentierte er das Thema der Cello Suite in G-Dur auf dem E-Bass begleitet von seinen beiden Kollegen. Yogo Pausch wählte dabei immer einen passenden Rhythmus am Schlagzeug - mal dezent glitzernd auf Becken, mal durchschlagend auf den Drums. So jazzten sich die beiden mit Hildegard Pohl am Flügel durch das musikalische Menü: Ihre Zutaten-Klassiker blieben stets hörbar, jedoch gewürzt mit eigenen Interpretationen der Motive und mit voller Leidenschaft. So entstanden kantige Dave-Brubeck-Momente beim "Blue Rondo Alla Bach", berührende Richard-Clayderman-Sounds beim "Adagio di Trio" und lustige Einlagen à la Bodo Wartke beim "Lullaby of Bachland", wenn Hildegard Pohl Details aus Bachs Privatleben ausplauderte und Yogo Pausch das Kinderzimmer im Hause Bach mit Quietscheenten, Fahrradklingen und Tröten lebendig werden ließ. Dass die Musiker ihr Menü mit einem Augenzwinkern präsentierten, schmälerte ihre Professionalität und ihr Gespür für das gemeinsame Musizieren in keinster Weise, sondern machte ihr Programm nur unglaublich liebenswert.

Als Dessert hatte sich das Trio etwas Besonderes ausgedacht: Die Musiker erfüllten Publikumswünsche. Die zufällig gezogenen Zutaten aus den Vorschlägen der Zuhörer verarbeiteten die Künstler zu einem Nachtisch-Medley. Dabei bewiesen die drei ihr unglaubliches Improvisationstalent und zeigten erneut, wie gut sie aufeinander eingespielt waren - denn aus "Nothing Else Matters" von Metallica, Mozarts Klarinettenkonzert, "Atemlos" von Helene Fischer, Beethovens "Freude schöner Götterfunken" und Otis Reddings "(Sittin' On) The Dock of the Bay" ein schmackhaftes Musikschmankerl zu kreieren, scheint nicht ganz einfach. Doch die drei zauberten fast mühelos eine Improvisation aus einer Melange dieser grundverschiedenen Titel auf die Bühne, die dem Publikum jubelnden Applaus nach einem hochkarätigen, interessanten und launigen Abend entlockte.