Beim Musizieren wirken der Mensch als Organismus und die "Maschine" (also in diesem Fall das Instrument bzw. die Stimme) optimal zusammen, verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit, wie Moderatorin Susanne Müller charmant ausführte. Schon zur Begrüßung bezog Dirigent Thomas Ludescher deshalb neben der rein akustischen ebenso die räumliche Komponente in die musikalische Dramaturgie ein. Für seine Eigenkomposition "Embracing Sounds" ließ er die Musiker nicht nur auf der Bühne spielen, sondern postierte sie auch rings um das Auditorium und auf den Emporen. So umfingen die teils monumentalen, teils geheimnisvollen Melodien, die sie sich gegenseitig zuspielten, das Publikum klanglich von allen Seiten.

Den neuen Slogan der landesweit besten Brassband, "Brass beyond borders", repräsentierte besonders die Ouvertüre zur "Zauberflöte", arrangiert von Phillip Littlemore, in der das Ensemble eindrucksvoll bewies, dass Mozart selbst ohne Streicherapparat fantastisch klingen kann. Den weihevollen Eröffnungsakkorden kam diese ungewohnte Atmosphäre sogar zugute, und die schwungvolle Staccato-Fuge stand dem interpretatorisch in nichts nach. Auch aus Mozarts berühmtem Klarinettenkonzert kristallisierten sich in einer Bearbeitung von Bandmitglied Robert Sibich, dezent von Blechblas-Instrumenten und Glockenspiel begleitet, bisher ganz unbekannte Schattierungen heraus. Unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen konnte sich die israelische Klarinettistin Shirley Brill frei an ihrem Instrument entfalten, genüsslich in den melancholischen Passagen des träumerischen Adagio schwelgen, die überschäumend perlenden Läufe des tänzerisch-virtuosen Rondo mit rhythmisch ausladenden Bewegungen wunderbar zur Geltung bringen.

Ihren großen Gastauftritt hatten mit Auszügen aus Orffs opulenten "Carmina Burana" die Chöre des Reuchlin-Gymnasiums wie auch der Jugendkammerchor Ingolstadt (Einstudierung: Eva-Maria Atzerodt), die im schmissigen "Were Diu Werlt Alle Min", im jubelnden "Tempus Est Jocundum" oder im klanggewaltigen "O Fortuna" brillierten. Davon zeigte sich sogar Sängerin Isabell Münsch begeistert, indem sie ihren Bühnenkindern spontan zuraunte: "Ihr wart super!"

Dieses Kompliment gilt gleichermaßen für die lyrische Ausnahmesopranistin. Mit leuchtend heller Stimme verkörperte sie etwa beim wiegenden "Stetit puella" Unschuld und Raffinesse zugleich, schwang sich bei "Dulcissime" mit samtweichem, elfenhaft zartem Schmelz in ungeahnte Höhen auf. Maßgeblich geprägt wurden solche Stimmungswechsel durch die leidenschaftliche Darbietung der 3 BA-Band, die im erneuten Arrangement von Robert Sibich nichts von der rhythmischen Wucht, der melodiösen Originalität der Sätze einbüßte.

Verschiedenste Möglichkeiten an musikalischen Stilrichtungen schöpfte die Concert Band überragend in Alan Catheralls Bläserfassung des legendären Queen-Hits "Bohemian Rhapsody" aus. Dafür bot die orchestrale Umsetzung des gigantischen, vielschichtigen Rocksongs wirklich einiges: Ballade, Opern-Parodie und Hardrock, durchzogen von einfühlsamen Instrumentalsoli.

"Kino für die Ohren" gab es mit dem von Bandleader Thomas Ludescher adaptierten Filmmedley "Movie in Balance". Prägnante Westernmelodien steigerten sich zu Ennio Morricones "Spiel mir das Lied vom Tod" mit machtvollen Chor- und elegischen Sopran-Vokalisen, von Isabell Münsch mit ergreifendem Pathos gesungen, ehe unter lärmendem Geschrei der Kinderchor die Bühne stürmte, um mit ihr als bezaubernde Mary Poppins zum sprachwitzigen "Supercalifragilisticexpialigetisch" anzuheben. Höhepunkt des filmmusikalischen Streifzugs war das bewegende, vom Chor exzellent mitgetragene Lied "Gabriellas Song" aus dem Musikdrama "Wie im Himmel", worin sich die Genre übergreifenden Ausdrucksfacetten der Sopranistin mit einem betörend vollen, voluminösen Timbre auch in den mittleren Lagen zeigten.

Alle Register zog die Brassformation beim höchst anspruchsvollen "Extreme Make-Over" des Niederländers Johan de Meij - vier ausgeklügelte Metamorphosen über ein Thema aus Tschaikowskys erstem Streichquartett. Atemberaubend, wie das anfängliche Solistenquartett in gehaltene Töne und Glockenklänge mündete, als würden sich kosmische Sphären öffnen; wie ein markantes Paukensolo einen vorwärtsdrängenden, rhythmisch akzentuierten Marsch einleitete; wie ein Kanon, durch alle Stimmen geführt, eine schier ohrenbetäubende Klangexplosion entzündete. Damit setzte die 3BA Concert Band, seit zehn Jahren Deutscher Brassband-Meister, neue Maßstäbe.