Ingolstadt: Hip-Hop auf Bairisch
Hip-Hop als Lebensgefühl: Die Mundwerk-Crew bringt das Publikum in der Fronte 79 zum Mitwippen und Mittanzen. - Foto: Wirtz
Ingolstadt

Momentan sind die Chiemgauer mit ihrem dritten Studioalbum "Komplementär" auf Tour und füllen Konzerthallen in Hamburg oder Wien. Sonst spielen sie als Vorband für die Kultgruppe LaBrassBanda, stellen neue Werke in der Münchner Allianz-Arena vor oder überzeugen in den Sommermonaten die Partymeute auf Festivals. In der Fronte 79 in Ingolstadt hingegen konnte man am Freitag ein ganz intimes, persönliches Konzert erleben.

Da werden kurzerhand alle vorhandenen Sofas und Sessel des Jugendkulturzentrums vor die Bühne geschoben und es sich bequem gemacht. Welches Genre die nächsten eineinhalb Stunden bedient werden sollte, stellen die Jungs mit ihrem ersten Lied klar: "Das ist Hip-Hop" - ihre Einstellung fürs Leben und ihre Religion, wie sie es in dem mit Oldschool-Elementen bestückten Song beteuern. Das Publikum wird mitgerissen. Schnell wird klar: Der Abend mit der Mundwerk-Crew ist alles andere als ein gemütlicher Liederabend - die peppigen, energiegeladenen Songs sind einfach zu rhythmisch. Kein Bein wird an diesem Abend stillhalten. Als sich endlich alle von den Sofas erhoben haben, wurde das auch mit Rapp-Passagen über Ingolstadt von Sebastian Riepp belohnt.

Der Hit "Weiss-Blauer", der 2014 zusammen mit LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl erschienen ist, darf natürlich nicht fehlen. Mit dieser funkig-jazzigen Mundart-Hymne beweisen Tobias Klauser und Sebastian Riepp, dass sie auch auf Bairisch die originell ausgedachten und technisch anspruchsvollen Phrasen gekonnt herunterrappen können. Und die Frontmänner ergänzen sich hervorragend: Während Riepp für die langatmigen, wirklich schnellen Passagen verantwortlich ist, bringt Klauser - der die ganze Zeit barfuß auf der Bühne steht - mit seinen Soul-Einlagen weitere Impressionen in die Hip-Hop-Songs mit hinein. Erstaunlicherweise blieb im Veranstaltungsraum Platz für eine persönlichere Ansprache und echte Kommunikation mit dem Publikum. Für die Sänger war das eine willkommene Abwechslung: "Ich liebe es, wenn ich den Leuten direkt in die Augen sehen kann", schwärmt Tobias Klauser.

Der heimliche Star des Abends ist - unabhängig von der Leistung der anderen Musiker - Thomas Straub an der Trompete. Seine Einsätze bringen in die mit viel Text aufgeladenen Nummern Rhythmus und Einheitlichkeit hinein. Und alles, was Straub spielt, wird von Max Sauer am DJ-Pult eingefangen und dann dupliziert oder verändert: ein ganz besonderes Hip-Hop-Erlebnis.

Und auch das Ende der Zugabe ist laut. Bei dem brassbandartigen Rhythmus schöpft die Band nochmals aus dem Vollen. Wer an dem kalten Dezembertag den Weg in die Fronte 79 gefunden hat, der wurde erhitzt vom Mittanzen, Mitwippen und Mitsingen und hat einen beschwingten Abend erlebt. Kein Platz für schlechte Laune und kalte Zehen.