Ingolstadt: Eine Frage des Überlebens
Die Schöpfungsgeschichte: Olivia Wendt, Benjamin Kneser und Michael Amelung (von links) erschaffen die Welt. - Foto: Klenk
Ingolstadt

Alle, die längst wissen, dass der Klimawandel mit all seinen Folgen - Hitzewellen, versinkenden Küstenstädten, Dürren, Hungerkatastrophen - auch durch den Menschen verursacht wird. Auch wenn das in Deutschland vielleicht noch nicht "so richtig unheimlich und lebensbedrohend" aussehen mag.

Trotzdem: Es ist Zeit, etwas zu tun, hat das Junge Theater Ingolstadt beschlossen und Mia Constantine beauftragt, ein Stück über Klimawandel, Verantwortung und Nachhaltigkeit für die Zielgruppe zu entwickeln, die die Folgen unseres Handelns oder unserer Gleichgültigkeit direkt zu spüren bekommen: Kinder. "Rette Welt, wer kann!" hat sie ihr Stück genannt, das am Samstag in der Werkstatt uraufgeführt wurde. Und am Ende viel Applaus einheimste.

Mia Constantine hat sich Hilfe geholt - bei Amelia, Lina und Joshua. Gemeinsam mit ihrem Ensemble und den drei Jugendlichen hat sie sich auf Recherchereise begeben, Texte gelesen, Filme geschaut, mit Menschen gesprochen, die etwas von der komplizierten Materie verstehen. Und hat dann ein Stück geschrieben, das weniger eine Geschichte erzählt, sondern einzelne Aspekte dieses Themas beleuchtet. Etwa die Schöpfungsgeschichte: Selten ist die Genesis so witzig visualisiert worden wie hier - mit Regenschirmchen, Wasserschüssel und Plastikball ("Gott rief dem Licht: Tag! Und der Finsternis rief er: Nacht! Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.").

Im Schnelldurchlauf geht es durch die Jahrhunderte: Wie wurde Energie erzeugt? Und wofür? Wie lebten die Menschen? Wie war der Weg von der Erfindung der Dampfmaschine bis zu blinkenden Turnschuhen und Smartphones? Und welche Auswirkungen hat unser Verhalten auf den Planeten? Das alles wird unterfüttert mit Zahlenmaterial zu CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Energie, Klima.

Die Schauspieler referieren, informieren, improvisieren, treten an zum Kampf der Giganten: die Erde gegen die "Planetarischen Grenzen" (u. a., Ozonschicht, chemische Verschmutzung, Klimawandel). Vor allem suchen sie den Dialog. Später werden die Kinder antworten - in einem Brief: "Für uns Kinder ist es eine Frage des Überlebens. Wir kämpfen mit aller Energie für unsere Zukunft. Jede Entscheidung, die ihr trefft, trefft ihr für oder gegen unsere Zukunft."

Das ist gut gedacht und (in Teilen) gut gemacht: Schöpfungsgeschichte und Sintflut, Videoclips (Michael Lindner) über die Vermüllung des Planeten und Doku-Schnipsel über Selbstversuche (ein Tag ohne Strom, ein Tag ohne Plastik). Man merkt: Hier sind alle mit Herzblut dabei. Und sie haben eine wichtige Botschaft. Allein: Das Künstlerische bleibt dabei ein bisschen auf der Strecke. Wie kühn und innovativ so ein kompliziertes Thema aufbereitet werden könnte, hatte Leandro Kees mit seiner Performing Group und "TRASHedy" in Ingolstadt schon vorgemacht.

Trotzdem - das Junge Theater eröffnet die Spielzeit mit einem klaren Statement: Es geht um das große Ganze und jeder ist Teil davon. Die Botschaft: Mischt euch ein. Macht mit. Macht es besser. Klimaschutz fängt im Kleinen an.

Neben zahlreichen Schülervorstellungen gibt es eine weitere Vorstellung am 11. November um 18 Uhr. Kartentelefon (08 41) 30 54 72 00.