Leichtigkeit des Spiels: Kontrabassist Petru Iuga.
Leichtigkeit des Spiels: Kontrabassist Petru Iuga.
Foto: Schaffer
Ingolstadt
Auf seiner sonoren Tiefe bauen die schönsten melodischen Passagen auf, auf seinem düsteren Gegrummel die schaurigsten Momente der Orchestermusik - und trotzdem bleibt er oft als behäbig geltend im Hintergrund. Ins Rampenlicht eines Solokonzertes haben den Kontrabass nur wenige Komponisten gestellt. Dass ihm diese Ehre zu Unrecht nur selten zuteilwird, stellte Solist Petru Iuga am Donnerstag zusammen mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt unter Beweis. Im Festsaal des Stadttheaters Ingolstadt löste sein Spiel Begeisterungsstürme aus.

Der dunkelbraune Kontrabass von Petru Iuga thronte glänzend im Scheinwerferlicht in der Mitte der Bühne. Das Publikum war gespannt, was es von diesem seltenen Soloinstrument zu erwarten hatte. Das Vorurteil der Behäbigkeit des riesigen Instrumentes - sollte es der ein oder andere Zuhörer im Hinterkopf gehabt haben - fegte der Solist des Abends bereits mit den ersten Tönen des "Konzertes D-Dur für Kontrabass und Orchester" von Johann Baptist Vanhal beiseite: Die Finger des Rumänen flogen regelrecht über die dicken Saiten seines Kontrabasses. Vom Wirbelkasten bis zum Ende des Griffbrettes arbeitete sich Iuga mit Läufen in rasender Geschwindigkeit voran. Weit nach vorne über das Instrument gebeugt, entlockte er seinem mächtigen Instrument auch in Giovanni Bottesinis "Konzert für Kontrabass und Orchester h-Moll" Figuren in höchsten Höhen. Fast spielerisch hüpften seine Finger bei den raschen Sätzen der Konzerte über Saiten und trafen doch jeden Ton auf den Punkt. Diese Leichtigkeit verlor er auch nicht bei den gesanglichen Teilen, denen er mit viel Vibrato auf den dicken Kontrabasssaiten Ausdruck verlieh.

Das Georgische Kammerorchester begleitete Petru Iuga zurückhaltend gekonnt: Die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Sebastian Tewinkel fügten sich nahtlos in das Spiel des Solisten ein, ließen ihm genügend Raum, sich zu entfalten, und übernahmen dessen Leichtigkeit in den Tutti-Passagen der Konzerte.

In seinen Kadenzen der verschiedenen Sätze ersetzte Petru Iuga mit seinem Kontrabass ein kleines Orchester: Mit Doppelgriffen über längere rasante Passagen erzeugte er eine Mehrstimmigkeit, die das Publikum staunen ließ. Trotz der Rasanz und der Schwierigkeit der Konzerte zog der Rumäne die Zuhörer mit seiner enormen Spielfreude in den Bann. Stets mit einem neckischen Lächeln auf den Lippen ging Iuga selbst die halsbrecherischsten Passagen an und meisterte sie tadellos. Für diese Vorstellung mit technischer Perfektion und künstlerischer Leichtigkeit bedankte sich das Publikum mit einem ausgiebigen Applaus und erklatschte sich eine Zugabe der besonderen Art: Iuga improvisierte über ein rumänisches Volkslied, dem er gleichzeitig seine Stimme verlieh - eine beeindruckend persönliche Zugabe.

Neben diesen absoluten Höhepunkten des Abends wirkten die einleitenden und abschließenden Haydn-Sinfonien, die das GKO präsentierte, fast wie Beiwerk. Bei Haydns "Sinfonie Nr. 26 d-Moll Lamentatione" ließ die Oboe mit langem Atem, die Klage im Beinamen der Sinfonie durch ihre choralartige Melodie im zweiten Satz über dem Bett der Streicher fast greifbar werden, während die Hörner in der "Sinfonie Nr. 44 e-Moll" höchste Höhen erklommen und die rasanten Streicherfiguren gekonnt begleiteten. Insgesamt zeigte das Georgische Kammerorchester dabei auch seine musikalische Finesse auf hohem Niveau, die jedoch an diesem Abend von seiner Leistung und der des Solisten Petru Iuga in den Kontrabass-Konzerten überstrahlt wurde.
.