Berlin: Tod eines Lehrers
Ermitteln im Berliner "Tatort": Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). "Amour fou" spielt mit unseren Vorurteilen und ist spannend bis zum überraschenden Schluss. - Foto: Thomaß/rbb
Berlin

Ihr fünfter Fall führt Meret Becker und Mark Waschke als Nina Rubin und Robert Karow in ein Dickicht aus Gerüchten und Vorurteilen. Im "Tatort: Amour fou" geht es um die Liebe zwischen zwei Männern, die Beziehung der beiden zu einem Jugendlichen, um Abhängigkeiten, Sehnsüchte und Enttäuschungen.

Als Nina Rubin und Robert Karow Ennos Mann Armin die traurige Nachricht überbringen, erzählt der ihnen, dass Enno seine Schwulenehe demonstrativ offen gelebt hat. An der Gesamtschule im Neukölln erfahren sie dann, dass der Lehrer gerade beurlaubt wurde, weil er sich dem Schüler in einer Umkleidekabine sexuell genähert haben soll. Das behauptet ein Zeuge. Seit Jahren kümmert sich Enno um den Jungen aus schwierigen Verhältnissen. Er und Armin haben ihm ein Zuhause gegeben und ihn gefördert. Als die Kommissare den jungen Duran befragen wollen, ist der verschwunden - angeblich nach Kroatien, mit seinem Vater. Durans Freundin ist sich sicher: "Niemals! Duran hat seinen Vater gehasst." Und er hätte Enno nie etwas angetan. Das beteuert auch Armin, dessen Art bei Karow gleichermaßen Interesse und Misstrauen weckt. Hat Armin seinen Mann getötet?

Über die ersten vier Fälle des Berliner Ermittler-Duos erstreckte sich das Rätsel um den ermordeten Partner von Kommissar Karow. Es wurde gelöst. So beginnen Nina Rubin und Robert Karow jetzt quasi wieder bei null. Nicht ganz. Denn ihre privaten Geschichten gehen auch im "Tatort: Amour fou" weiter. Sieht man Nina zu Beginn nach einer offensichtlich wilden Nacht im Morgengrauen in hochhackigen Schuhen die Straße entlang streifen, entsorgt sie kurz danach ihr Outfit zu Hause in der Mülltonne und erwartet ihren Mann, der wieder zur Familie zurückkehrt. Sie hat gute Vorsätze: Ihre nächtlichen Eskapaden will sie beenden. Kollege Karow liegt derweilen mit der Gerichtsmedizinerin im Bett, baggert später Hospitantin Anna an und landet nach Ermittlungen in einer Schwulenbar beim Hauptverdächtigen Armin in dessen Wohnung. Das gehört zu den "Tatort"-Krimis aus Berlin. Denn neben der Aufklärung eines Falls wird beinahe regelmäßig das Sexualleben der Kommissarin und die sexuelle Ausrichtung ihres Kollegen thematisiert. Die beiden sind Getriebene.

Christoph Darnstädt hat die privaten Geschichten homogen in die Story integriert. Die stürzt den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. Zur Mitte des Krimis scheint der Täter überführt zu sein, dann kommen Zweifel auf und die Geschichte nimmt eine überraschende Wende. Diese Amour fou mit tödlichem Ausgang ist sehr vielschichtig erzählt. Die Spannung ist eher schleichend. Erneut arbeiten die Kommissare eher nebeneinander her als miteinander. Nina ermittelt in einer Phase in Frankreich am Meer, musikalisch unterlegt mit dem Chanson "La Mer", das auch für Armin und den ermordeten Enno besondere Bedeutung hat(te). Jens Harzer spielt diesen Armin sehr feinfühlig und präzise.

Vanessa Jopp hat den Krimi stimmig in Szene gesetzt. Sie erzählt eher entschleunigt, nimmt sich viel Zeit für die Figuren und arbeitet mit wunderbar melancholischen Bildern an der Atlantik-Küste (Kamera: Judith Kaufmann). Dass man nach vier horizontal und komplex erzählten Folgen jetzt zum Prinzip "eigenständiger, abgeschlossener Fall" übergeht und auf "Altlasten" verzichtet, gestaltet den Berlin-"Tatort" überschaubarer, aufgeräumter und zeigt: Man kann auch klassische Mordgeschichte. Obwohl, so klassisch ist sie dann auch wieder nicht.

 

"Tatort - Amour fou" läuft am Montag in der ARD um 20.15 Uhr.