Außerdem sieht die Behörde allein wegen der Medienberichterstattung über den Vorfall aktuell keinen Anlass, ein Verfahren von Amts wegen einzuleiten. Auf Bildern und Videoaufnahmen sei ersichtlich, dass die Gaffer „in der sehr langsam fahrenden Fahrzeugkolonne mit dem Schlauch mit geringem Spritzdruck besprüht worden“ seien, hieß es. Das Wasser habe vor allem die geschlossenen Fenster der Beifahrerseite getroffen. Einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr könne die Behörde nicht erkennen.

Nach einem schweren Unfall mit drei Toten bei Weibersbrunn (Landkreis Aschaffenburg) am vergangenen Donnerstag hatte der Feuerwehrmann Lastwagen mit Wasser bespritzt, deren Fahrer Fotos und Videos von der Unfallstelle machen wollten. Die Polizei hatte die jeweiligen Fahrer angehalten, Personalien festgestellt und Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Die spontane Aktion des Feuerwehrmanns kritisierte die Polizei. „Für die Ahndung und Unterbindung von Ordnungswidrigkeiten an der Einsatzstelle ist die Polizei zuständig“, teilte das Polizeipräsidium Unterfranken mit. In den sozialen Medien wird der Vorfall kontrovers diskutiert. Bei Facebook teilten einige Nutzer die Haltung der Polizei.

Vielfach gab es aber auch Sympathiebekundungen für den Feuerwehrmann. „Ich find den Einsatz gegen Gaffer von der Feuerwehr super und auch wirkungsvoll. Sollte Standard werden, statt bemängelt“, schrieb eine Nutzerin. „Ich find es super!! Wenn die Polizei nichts gegen diese perversen Menschen macht, dann eben so!!!“, meinte eine andere. Der Deutsche Feuerwehrverband sieht die Angelegenheit differenziert: Einerseits sei es nicht die Aufgabe der Feuerwehr, Gaffer zu ahnden, sagte Sprecherin Silvia Darmstädter. „Menschlich kann ich es aber verstehen.“ Über mehrere Stunden hätten die Einsatzkräfte Tote aus dem Wrack auf der A3 geschnitten. „Und dann gaffen und filmen da welche. Menschlich ist das völlig unverständlich.“ Für die Einsatzkräfte sei es schwierig, Gaffen zu verhindern. „Es gibt zwar Sichtschutzwände, aber die sind oft zu niedrig, oder die Autofahrer fahren noch langsamer, um durch die Ritzen zu gucken“, sagte Darmstädter. Andere Kollegen hätten Unfallopfer mit Decken von neugierigen Blicken abgeschirmt und seien dann angepöbelt worden - von Passanten und auch von Journalisten. Helfen könne allein ein Umdenken in der Gesellschaft. „Man muss sich nur vorstellen, es wären die eigenen Kinder, die eigene Familie“, sagte Darmstädter.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Stimmen Sie hier ab!

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...