Ort des Geschehens: Am Paarer Weiher nahe Kühbach im Landkreis Aichach-Friedberg wurde laut Josef Helfer (kleines Foto) Jagd auf ausgesetzte und fast zahme Enten gemacht. Er kritisiert diese Methode. Zudem liege das Gewässer innerhalb der Ortsgrenzen.
Marcus Buck
Das sei eine gängige Praxis und jagdrechtlich einwandfrei. Die geschossenen Enten landen im Verkauf oder werden selbst von den Jägern verspeist.

 

Es war ein Donnerstag, Mitte September, wie Josef Helfer erzählt. Rund zehn Jäger bezogen am Paarer Weiher Stellung, ein Motorboot wurde zu Wasser gelassen. Hunde und Treiber machten sich auf den Weg, die knapp 100 schwimmenden Enten zum Fliegen zu bewegen. Zuvor sei ein Großteil von ihnen eingesetzt worden. Helfer ging selbst 47 Jahre zur Jagd. "Aber was dort stattfindet, ist eine Sauerei", schimpft er.

Im Regen stapft Helfer am Ufer entlang. Die verbliebenen Enten sind unruhig, schwimmen immer dorthin, wo der 66-Jährige nicht ist. "Die waren schon zutraulicher", erinnert er sich. Am Südufer des Weihers liegt ein Bauernhof, von dem aus ein älterer Mann auf den Weiher blickt. "Mit dem Motorboot sind sie immer wieder durch die Entenschaar durch", schildert er. Die Tiere seien dann kurz aufgeflogen und wieder auf dem Wasser gelandet.

"Nicht nur ich sage das", so Helfer. Zahlreiche Anwohner hätten sich bei ihm über die Entenjagd am Weiher beschwert. Kürzlich trat Helfer an unsere Zeitung heran, um seine Beschwerde öffentlich zu machen. Schon öfter habe er bemerkt, dass auf die zuvor ausgesetzten Enten Jagd gemacht wird. An dem Tag im September machte er sich auf den Weg zum Weiher und beobachtete das Schauspiel. Ins Detail gehen möchte er nicht, welche Mittel eingesetzt wurden, um "diese nicht sehr flugwilligen Kreaturen" zum Abflug zu bewegen. Das "himmelschreiende Unrecht", wie er die Entenjagd nennt, könne er notfalls aber mit einem Video beweisen.

Der ehemalige Jäger ist überzeugt: "Die Tiere wussten, was mit ihnen geschieht." Als die Jäger um Maximilian Graf von Maldeghem Helfers Anwesenheit bemerkten, hätten sie die Jagd eingestellt. Diese Form der Jagd müsse der Vergangenheit angehören, macht Helfer deutlich. Er selbst habe die Jagd an den Nagel gehängt. "Die heutige Form des Jagens wollte ich nicht mehr mitanschauen." In einem Brief bat er den Jagdpächter und Hegeringleiter der Hegegemeinschaft Kühbach, Graf von Maldeghem, die Jagd auf ausgesetzte, beinahe zahme Tiere einzustellen. Der Paarer Weiher befinde sich außerdem innerhalb der Ortschaft, was eine Jagd an sich erschwere.

Maximilian von Maldeghem wies die Vorwürfe im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Als Hegeringleiter sei es seine Aufgabe, nachhaltig für die Bestandsregulierung der Wildarten zu sorgen. Warum hierfür zunächst Enten ausgesetzt werden, um später zur Strecke gebracht zu werden, begründet er wie folgt: "Was wir am Paarer Weiher machen, ist eine seit Jahrhunderten übliche Praxis." Wildarten auszusetzen sei im Sinne des Bundesjagdgesetzes nicht verboten, sondern trage zur Aufrechterhaltung der Wildbestände bei. Das betrifft auch Niederwild wie die Stockente. "Im Mai werden einige junge Enten ausgewildert und im September und Oktober zweimal bejagt", erklärt von Maldeghem. Wie viele Enten im Zuge dessen genau ausgesetzt wurden, gibt er trotz mehrfacher Nachfrage nicht bekannt.

Ihm sei aber bewusst, dass sich Josef Helfer bereits an anderer Stelle beschwert hätte: nämlich bei der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes. Gruppenleiter Johann Greppmeier bestätigte das auf Nachfrage, ebenso wie Helfer selbst. "Der Paarer Weiher ist bejagbar", betont Greppmeier. "Etwas anders" sehe das der Beschwerdeführer. Die Ortsschilder nimmt Helfer zum Anlass, die Jagd am Weiher grundsätzlich zu hinterfragen. Diese stehen nämlich mehrere Meter vom Weiher entfernt: Damit liege er innerhalb des Ortes. Das Bauamt werde sich der Angelegenheit annehmen, das habe Greppmeier zugesagt.

Dass Schrot auf Autos und an Fensterscheiben landet, wie Helfer und zahlreiche Anwohner monieren, sei normal, wie von Maldeghem meint. "Davon geht keine Gefahr aus." Aus "Spaß am Töten" schieße er freilich nicht. Die Tiere landen im Verkauf oder werden von den Jägern selbst gegessen. Dennoch werde man nicht Jäger, wenn einem die Jagd keinen Spaß macht. "Unüblich" nennt Paul Berchtenbreiter, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Aichach, das Aussetzen der Enten. Ihm sind derartige Praktiken in Paar zwar nicht bekannt, gerade bei Enten sei eine künstliche Ansiedelung aber auch nicht notwendig.