Ingolstadt: Gedanken über das Leben
FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß sprach in Ingolstadt. - Foto: Richter
Ingolstadt

Der Präsident des FC Bayern München kannte keine Berührungsängste und hatte mehr als einmal die Lacher auf seiner Seite. Wobei er auch Nachdenkliches in die Runde warf.

Jupp Heynckes! Der "neue" alte Trainer bei den Bayern darf bei einer solchen Gelegenheit natürlich nicht fehlen. Die Vereinsspitze habe lang überlegt, "ob wir ihm das noch mal antun können", plaudert Uli Hoeneß aus dem Nähkästchen. Man kann. "Jetzt herrscht wieder Disziplin", sagt er und lächelt. "Jupp Heynckes soll diesen Verein befrieden." Der Gedanke, dass "die Alten den Jungen den Weg in die Zukunft zeigen", gefällt ihm. Ein Jüngerer sei schließlich nicht automatisch besser, nur weil er jung ist, egal auf welcher Ebene. Hoeneß spricht von einer Phase des Übergangs bei den Bayern. "Der Jupp" müsse nun die Altstars wie Arjen Robben und Franck Ribéry wieder in Höchstform bringen und zugleich die "jungen Wilden" einbinden. Ein schwieriges Feld.

Der Talkgast spricht von seinen eigenen Erlebnissen als Fußballer, von verpassten Toren und seinem schönsten Treffer. Und wie er den Müller-Gerd bedienen musste, um ihn bei Laune zu halten. "Den haben wir zum Toreschießen gebraucht." Und wie er, Hoeneß, einmal einen ganz wichtigen Elfer verschoss. Das nagt am Selbstwertgefühl. Dem Thomas Müller sei es im Mai 2016 gegen Atletico Madrid genauso gegangen. "Da hat es einen Knackpunkt in seiner Vita gegeben, seither klappt es nicht mehr so." Bei Wiener Schnitzel und Bratkartoffel habe er ihn neulich gefragt, warum er sich nun vor Strafstößen drücke. "Du musst wieder schießen, hab' ich ihm gesagt." Basta. Denn "der Thomas ist von den Bayern nicht wegzudenken, er ist ein Teil unseres Mia-san-mia-Gefühls. Du brauchst einen wie ihn".

Was ein Uli Hoeneß nicht braucht, sind die Entwicklungen im internationalen Fußball mit Investoren, die mit Geld und horrenden Summen um sich werfen. Da würden Spieler schon dafür eine Million bekommen, damit sie anderen das Elferschießen überlassen. Also für Nichtstun. Die Verbände müssten dafür sorgen, dass ein Gleichgewicht herrsche, sagt der 65-Jährige. Aber er bleibt zuversichtlich, dass sich solche Dinge wieder geben.

Uli Hoeneß spart die schwarze Flecken in seinem Leben nicht aus. "Ich habe einen Fehler gemacht", spricht er ungefragt seine Steueraffäre an - aber darum geht es an diesem Abend nicht, auch wenn er zwischendurch mit einem Hinweis aufs Finanzamt ein wenig damit kokettiert. Das Thema ist durch.

Die Politik macht ihm dagegen Sorgen. "Die AfD muss wieder "unter fünf Prozent kommen", man dürfe sie nicht allzu lange "ohne Konzept rumeiern lassen", findet er. Berlin habe aber auch viel zu spät auf das Flüchtlingsproblem reagiert. Politiker lebten unter Käseglocken, umgeben von Leuten, die ihnen schöntun. "Vom richtigen Leben kriegen sie oft gar nichts mit." Was den Bayern-Präsidenten zudem stört, ist die Unzufriedenheit im Land. Viele wüssten gar nicht zu schätzen, "dass sie am Tegernsee oder in München wohnen, und nicht in Aleppo".