Geburtshilfe
Ein Kreißsaal im Schrobenhausener Kreiskrankenhaus.
kx
Schrobenhausen

"Für einen vorübergehenden Zeitraum von zwei Monaten können nicht alle Dienste mit Hebammen im Kreißsaal besetzt werden", teilte der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, Dietmar Eine, gestern mit. Engpässe gab es auch in der Vergangenheit immer wieder mal; die Zuspitzung, die nun eintrat, kam wohl dennoch überraschend. "Wir wussten bis gestern nicht, wie es weitergeht", sagt Hebamme Johanna Lämmle.

Im Kreiskrankenhaus finde gerade eine Umstellung im Bereich der Hebammen, die bisher überwiegend freiberuflich tätig waren, statt, bestätigt Dietmar Eine. Einige Verträge sollen wohl in Angestelltenverhältnisse umgestellt werden, auch wegen der Problematik der Haftpflichtversicherung. In diesem Umfeld gab es drei Kündigungen - und kurzfristig obendrein zwei Krankheitsfälle, darunter der Ausfall einer fest eingeplanten Ersatzkraft. Das war wohl nicht aufzufangen, weil die Hebammensituation insgesamt schwierig ist, wie sowohl Eine als auch Hebammen selbst bestätigen.

Rund 7200 Euro kostet die Haftpflicht inzwischen pro Jahr für die Freiberuflerinnen. "Wenn es viele Geburten gibt und eine Hebamme in Vollzeit arbeitet, geht das schon", sagt Johanna Lämmle, die gestern ihren letzten Tag im Hebammen-Team hatte, sie bekommt selbst ein Kind. Wer in Teilzeit arbeiten wolle, für den sei die Haftpflicht kaum zu stemmen. "Zurzeit bekommt eine Hebamme für eine Geburt 271,94 Euro", sagt ihre Kollegin Susanne Silc, die gestern im Kreißsaal Dienst hatte, "da kann man sich ausrechnen, was das bedeutet."

Das ist aber nur ein Teil des Problems: "Es gibt wenig Nachwuchs, obwohl unser Beruf sehr schön ist", berichtet Susanne Silc. Sie ist seit 24 Jahren Hebamme, sie kennt die Situation. "Etliche der wenigen Nachwuchskräfte, die auslernen, steigen erst gar nicht in die Geburtshilfe ein, sondern beschränken sich auf Vor- und Nachsorge." Denn in der Geburtshilfe gebe es nun mal keine geregelten Arbeitszeiten.

Auch die Vergütungen der freiberuflichen Hebammen, sowie die Dienstbelastung verschärfen die Situation zusätzlich, teilt das Kreiskrankenhaus mit.

War die Situation vorher absehbar? "Nicht in dieser Form", sagt Dietmar Eine. "Wir sind seit einem Dreivierteljahr mit den Hebammen im Gespräch, um Wege zu finden, das bestehende System fortzusetzen. Das ist gescheitert." Seit Weihnachten die Kündigungen im Raum standen, seien Bemühungen gelaufen, eine Lösung zu finden. "Wir haben auch andere Kliniken um Hilfe gebeten, sie haben im Endeffekt das gleiche Problem", sagt Eine. "Wir hätten es irgendwie geschafft, wenn jetzt nicht diese Krankheitsfälle dazu gekommen wären." Er ist aber sicher, dass die Geburtshilfe in Schrobenhausen ab dem 1. Juni wieder rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Susanne Silc vom Hebammenteam sieht es auch so: "Das war ganz einfach Pech, eine unglückliche Verkettung von Umständen." Sie ist eine derer, die auf alle Fälle weitermachen, und sie ist auch guter Dinge, dass die Situation in Schrobenhausen bis Juni wieder geregelt ist.

Für die Hebammen ist zurzeit vor allem dies wichtig: dass in den nächsten Wochen nicht unerwartet werdende Mütter vor der Tür stehen. "Natürlich sind Ärzte da, die eine Notversorgung übernehmen können, aber zur Geburt müssten die Mütter an Nachbarkrankenhäuser überführt werden", sagt Susanne Silc. Auch in der Zeit der Schließung sollen übrigens die Kreißsaalführungen jeden ersten Dienstag im Monat wie gewohnt stattfinden.

"Geplante Kaiserschnitte werden auch weiterhin nach telefonischer Absprache unter Hebammenbegleitung durchgeführt", sagt Eine. Die geburtshilfliche Abteilung ist tagsüber unter der Telefonnummer (08252) 94-2 17 erreichbar.