Schrobenhausen: Rotkäppchen in neuem Gewand
Der Hamburger Schauspieler und Ringelnatz-Preisträger Achim Amme gastierte in Schrobenhausen - Foto: sbz
Schrobenhausen

Amme hatte zahlreiche Märchen im Gepäck – ausgesuchte Stücke, unbekanntere, kleine Texte der Gebrüder Grimm, aber auch Werke von anderen Autoren, wie Janosch oder Ringelnatz und – nicht zuletzt – Achim Amme selbst. Es waren sehr unterschiedliche Märchen, Parabeln, Fabeln, die der ausgebildete Schauspieler vortrug. Lustig, zauberhaft oder auch einfach nur zum Gruseln wie das kurze Märchen vom Kind, das stets unartig war und deswegen krank wurde, bis es starb und selbst dann noch immer keine Ruhe geben wollte. Amme präsentiert diese Geschichten mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Seine Mimik, seine Gestik ist abwechslungsreich und stets höchst unterhaltsam. Da linst der Schauspieler und Autor spitzbübisch über seine Brille, die abenteuerlich auf der äußersten Spitze seiner Nase balanciert. Grinst hämisch. Kichert oder wankt scheinbar sturzbetrunken umher, um schon im nächsten Moment bürokratisch korrekt seine Unterlagen an der Tischkante auszurichten und im perfekten Amtsdeutsch eine Rotkäppchen-Version von Thaddäus Troll zu lesen, in der die „hierorts wohnhafte, noch unbeschulte Minderjährige, welche durch ihre unübliche Kopfbekleidung gewohnheitsmäßig Rotkäppchen genannt zu werden pflegt“ eine tragende Rolle spielt.

Doch zu sagen, Amme lese diese Märchen vor, wird dessen Darbietung nicht gerecht. Er liest die Texte nicht, er spielt sie. Haucht den Figuren Leben ein, wenn er mit zarter Fistelstimme jämmerlich herumwinselt oder mit schnoddrig-lässigem Ton von der „Henna gefärbten Tussi redet, die dem coolen Wolfgang im Wald begegnet ist“. Wenn er scheinbar betrunken mit schwerer Zunge lallt oder mit listigem Blinzeln Intrigen spinnt.

Diese zahlreichen Varianten des Märchen-Klassikers „Rotkäppchen“ sind es, die das Publikum immer wieder lauthals lachen lässt. Ob die kurze Version eines dreijährigen Kindergartenkindes, die Amtsdeutsch-Parodie von Thaddäus Troll oder die Fassung von Ringelnatz – stets erscheint das Rotkäppchen in neuem Gewand und hat so manche Überraschung in seinem Körbchen. Mal sind es mehrere Flaschen Schnaps, mal Öko-Wein und Müsli oder auch ein Revolver, mit dem das Mädchen den Wolf in der Version von James Thurber erschießt, denn „auch mit Nachthaube sieht ein Wolf der Großmutter nicht ähnlicher als der Metro-Goldwyn-Löwe dem Präsidenten der Vereinigten Staaten“.

Im Anschluss an seine Darbietung, bei der sich der Schauspieler sichtlich wohl fühlte, mochte sich kaum einer sofort aufraffen, um nach Hause zu gehen. Schnell wurden die Tische zusammengeschoben und Amme setzte sich zu seinem Publikum, um den Abend gemütlich plaudernd ausklingen zu lassen. Und wenn sie nicht irgendwann alle heimgegangen sind, dann sitzen sie. . . . Genau.