Schrobenhausen: Liedermacherin mit viel Gefühl
Cool, lässig und ganz authentisch: Sanne Riedellsheimer meisterte ihren ersten Soloauftritt mit Bravour. Das Publikum bekam bei ihren Einlagen viel zu lachen, aber auch zum Nachdenken. Sogar Tränen wurden vergossen. - Foto: Budke
Schrobenhausen

Von Aufregung war nicht allzu viel zu spüren - vielleicht, weil ein großer Teil des Publikums Familie, Freunde und persönliche Bekannte von Sanne war, sicher aber auch, weil sie ganz einfach echt ist und über Themen singt, die ihr selbst nah sind.

Im sonnengelben Kleid mit eigenwilligen, roten Locken und robusten Stiefeln steht Sanne auf der Bühne und lacht ihr Publikum an. Irgendwie erinnert ihr Erscheinungsbild an Irish Folk und ihr Temperament unterstreicht diesen Eindruck nur. Viel reden muss sie zwischen den einzelnen Liedern nicht. Sie begrüßt die Zuhörer nur mit einem kurzen "Schee, das ihr da seids", denn sie sagt alles, was sie bewegt, in ihren Liedern. "Singer-Songwriter" heißt das Neudeutsch - auf Susanne Riedelsheimer passt am besten der Begriff "Liedermacherin": Seit zwei oder drei Jahren, so genau kann sie nicht sagen, wann sie angefangen hat, schreibt sie Texte und Musik. Nachdem sie einige Songs fertig hatte, spielte sie diese Vivek (aka Jürgen Eibl aka Chris Columbus) vor. Sein Kommentar "Das kannst du schon so spielen", war Ansporn für sie, weiterzumachen,

Die Inhalte ihrer Texte befassen sich mit persönlichen Erfahrungen oder sie schreibt Lieder für Freunde und Familienangehörige. Am Samstag überraschte sie ihre 11 und 14 Jahre alten Töchter mit je einem speziell für sie geschriebenen Song. Auch für die Mama, die kürzlich 50 geworden ist, gab es ein Lied im Programm. Alles präsentiert sie mit viel Gefühl und reichlich positiver Ausstrahlung. Den einen oder anderen rühren die Texte zu Tränen. Genauso, wie immer wieder herzlich gelacht wird im Publikum. Ein Wort, das momentan modern ist und viel zu oft unberechtigt benutzt wird - auf Sanne passt es: Sie ist authentisch.

"Das ist nicht nur Blabla", sagt sie, "ich möchte Impulse setzen!" Dazu hat sie bewusst das alte Kino als Kulisse ausgesucht, denn ihre Gäste sollen "sich zurücklehnen können und einfach zuhören oder auch mitklatschen, mitgehen. Das ist hier beides möglich". Und so singt sie über Beziehungen: "Ich halt dich fest, wann immer du mich brauchst; ich lass dich los, wenn immer du das magst" und betont in ihren Songs, dass jeder sein Leben selbst in die Hand nehmen muss: "Ich steh vor der Wahl, was ich draus mach', liegt ganz bei mir" oder "Wir könnten die Welt so viel besser ham, es liegt nur an uns - die Liebe zeigt uns den Weg dahin". Mit insgesamt 22 Liedern war ihr Programm sehr ehrgeizig, nach der Pause fehlte ihrer an sich kraftvollen, warmen Stimme ein wenig die Kondition, und die Unterstützung durch die Percussionistin Christine Schilling und Geiger Herbert Petz tat ihr gut. Petz erzählte: "Meine Lieblingsband ist Led Zeppelin - falls hier überhaupt jemand etwas mit dem Namen anfangen kann. Jetzt hab ich mich mal auf die Welt der Gefühle eingelassen." Und das machte er gut, seine Geige harmonierte mit den emotionalen Songs.

Das stärkste Lied - nicht zuletzt, weil der Text am besten Sannes Einstellung zum Leben zeigt - war der Titelsong des Abends "Oafach Mensch sei". Dort heißt es: "Oafach Mensch sei - hey, das ist doch schee. Mit allen Sinnen da sei, genau im Hier und Jetzt." Was Susanne Riedelsheimer nicht daran hindert, Zukunftspläne zu schmieden: Sie möchte ins Studio gehen und natürlich noch mehr Lieder schreiben. Das Schrobenhausener Land darf gespannt sein, denn in den nächsten Jahren wird sicher immer wieder von Sanne zu hören sein.