Schrobenhausen: "Ein Stern am Himmel der Kultur dieser Stadt"
Jakob David Rattinger (Mitte) bedankte sich unter den Augen von Bürgermeister Karlheinz Stephan bei seiner Frau, Christiane Rattinger-Kuhlmann: "Wenn man neue Dinge am Instrument entwickelt, gibt es auch mal Phasen, die etwas schwieriger sind. Da hat mich meine Frau immer unterstützt." - Foto: De Pascale
Schrobenhausen

Eine Kammermusikgruppe (Einstudierung Mina Voet) stimmt mit Werken von Henry Purcell und Giuseppe Sammartini auf den Preisträger des Abends ein. Mit der "Salzburger Sinfonie F-Dur, 2. Satz Andante" des in Salzburg geborenen und in Wien gestorbenen Wolfgang Amadeus Mozart legt ein Streichquartett des Gymnasiums (Einstudierung Rita Brunner) später dann noch einen kleinen Schwenk zur österreichisch-deutschen Vita des gebürtigen Grazers Rattinger hin.

Die siebte Auflage der "Tage der Barockmusik" zeige, "dass es auch in einer kleinen Stadt kulturelle Höhepunkte von internationalem Niveau geben kann", sagt Bürgermeister Karlheinz Stephan. Bereits im Oktober 2014 habe der Stadtrat einstimmig beschlossen, "in Anerkennung und Würdigung der künstlerischen Leistung Jakob David Rattinger mit dem Kunstpreis zu ehren". Dass es erst jetzt zum Verleihungsakt komme, sei der Tatsache geschuldet, "dass ein Künstler auf diesem Niveau international unterwegs und in der Regel lange im Voraus gebucht ist". Umso mehr freue es ihn, "dass nun heute endlich alles geklappt hat und wir den Künstler und Intendanten Jakob David Rattinger unter uns wissen".

Sollte es an diesem Abend jemanden im Publikum geben, der Rattinger noch nie live erlebt hat - die Ausschnitte aus der DVD, die bei den Aufführungen im vergangenen Jahr entstanden, dürften auch den Letzten überzeugen, welch ausgesprochen glückliches Händchen der Schrobenhausener Stadtrat mit der Wahl Rattingers zum neuen Kunstpreisträger bewiesen hat. Denn hier ist der Ausnahmemusiker an seiner Gambe zu erleben, "live und in action" sozusagen. Virtuos, genial, oder wie es Karlheinz Stephan bezeichnet: "atemberaubend". Ein Künstler mit Weltruhm verdiene eine besondere Laudatio, findet Stephan. Den Job übernimmt dann kein Geringerer als der ehemalige bayerische Kultusminister und heutige Vorsitzende des Bayerischen Musikrates, Landtagsabgeordneter Thomas Goppel. Ähnlich wie Rattinger sei auch er terminlich schwer belegt, erklärt Stephan. Goppels Laudatio gibt es deshalb als Videoaufzeichnung.

"Als Präsident des Bayerischen Musikrates bin ich heute gerne bei Ihnen, um für Sie einen zu belobigen, der eine große und ständig neue Leistung in der Musik auf der Viola da Gamba erbringt und damit den Namen Schrobenhausens in die Welt trägt", sagt Thomas Goppel. Rattinger sei daher "ein Stern am Himmel der Kultur dieser Stadt". Und weiter: "Herzlichen Glückwunsch, alles Gute und viel, viel Gelegenheit, uns zu zeigen, wie meisterlich die Viola da Gamba geschlagen, gezupft, gespielt werden kann." Barockmusik brauche immer auch ein Stück Liebe und Leidenschaft, ist Thomas Goppel überzeugt. "Wenn sie jemand so lebt wie Sie, dann ist das ein Ansatz dafür, dass die Freunde und die Begeisterten mehr werden." Und: "Wir in der Musik sind dankbar, dass wir mit Jakob David Rattinger wieder einen mehr präsentieren können, der für die Summe der Einmaligkeit des Freistaats Bayern steht."

Nachdem er die Urkunde aus den Händen des Bürgermeisters entgegengenommen hat, wendet sich der Meister der Alten Musik selbst an sein Publikum: "Ich möchte meine Anerkennung zurückgeben - an die vielen Freunde der Barockmusik", sagt Rattinger. Und er begründet das: "Ich kann nur etwas tun, das auf fruchtbaren Boden fällt. Ich freue mich sehr, dass ich hier diesen fruchtbaren Boden gefunden habe." Jedes Jahr sei er wieder überrascht, "wie viel Resonanz wir im Publikum haben und wie sich das Jahr für Jahr weiter aufbaut", so Rattinger. Umso erfreulicher sei es, "dass wir es geschafft haben, dass selbst Herr Seehofer auf das Projekt aufmerksam geworden ist und das mittlerweile mitverfolgt." Karlheinz Stephan blickt dann bereits auf neue Projekte mit dem frischgebackenen Kunstpreisträger der Stadt: "Wir freuen uns insbesondere auch auf die achte Auflage der Tage der Barockmusik."