Schrobenhausen: Kalte Füße beim konservativen Flügel
Keine Angst vor zapfig kaltem Wasser: Georg Baierl (v.l.), Beppo Plöckl, Hartmut Siegl, Andy Vogl, Uli Hartmann und Markus Kauderer vom Schrobenhausener Stadtrat stellten sich der Herausforderung Kaltwassergrillen. - Foto: Thomas Zaum
Schrobenhausen

Zusammen mit fünf seiner Kollegen aus dem Schrobenhausener Stadtrat hat er sich der Herausforderung gestellt.

Vor allem seine CSU-Kollegen, insbesondere Beppo Plöckl, Markus Kauderer, Hartmut Siegl sowie Uli Hartmann und dann noch Georg Baierl von der Sandizeller Bürgervereinigung konnte Andy Vogl mit ins Boot - oder besser: mit ins kühle Nass im Stadtwall gegenüber des Busbahnhofs - holen, um gemeinsam jene Challenge zu absolvieren, die seit geraumer Zeit durch die sozialen Netzwerke spukt.

Vereine oder Teams schmeißen dabei Grill wie Kamera an, stellen sich in eiskalte Fluten und spenden einen bestimmten Betrag an eine gemeinnützige Organisation ihrer Wahl. Danach gilt es nur noch, drei weitere Vereine zu nominieren; kommen diese ihrer Herausforderung nicht nach, sind sie dazu verdonnert, eine Brotzeit springen zu lassen.

Aber 6 von 24 Schrobenhausener Stadträten - wo waren denn all die anderen Herrschaften? Bürgermeister Karlheinz Stephan hatte ja bereits im Vorfeld abgewiegelt. "Einige von den Freien Wählern hätten gern mitgemacht", erzählt Andy Vogl. Gleich mehrere Termine habe er dazu vorgeschlagen, darunter auch Wochenendtermine. Bei den einen habe es einfach nicht geklappt - und andere hatten wohl schlicht und ergreifend keine Lust. So sei es am Ende vor allem der "konservative Flügel" des Stadtrats gewesen, der sich der Challenge stellte, meint Vogl schmunzelnd. Der allerdings hatte dann durchaus seine Gaudi. "Es war super", erinnert sich Andy Vogl, der ja anfangs selbst zu den Skeptikern dieser ganzen Chose gezählt hatte.

Doch wen nominiert nun eigentlich wiederum der Stadtrat? "Niemanden", sagt Vogl. Stattdessen habe man sich für eine ganz andere Variante entschieden: "Wir rufen alle Schrobenhausener Vereine und Verbände auf, Spenden zu sammeln und an eine gemeinnützige Organisation zu spenden", sagt Vogl. "Diejenigen, die bis 31. März am meisten Gelder sammeln, bekommen von uns die 100 Liter Freibier und ein Spanferkel." Niemand müsse als noch ein Video drehen, grillen oder ins eisige Wasser steigen. Dazu hat Vogl sogar eine eigene E-Mail eingerichtet. Ein paar Zeilen an kaltwasser@andy-vogl.de mit einem Nachweis über den gespendeten Betrag genügen - und schon sind die Vereine und Verbände mit im Rennen um Freibier samt Spanferkel.

"Wem spendet der Stadtrat fairerweise", versucht Vogl zu erklären, warum er und seine Kollegen sich für diese abgeänderte Version entschieden und der Grill bei ihrer Challenge kalt blieb. Schließlich gebe es in und um Schrobenhausen so viele Organisationen, die Unterstützung verdienten. Indem man nun auf diese Weise Geld sammle, hätten wesentlich mehr etwas davon, sind Vogl und seine Mitstreiter überzeugt.

Genau das war dann auch der Grund, weshalb sich Markus Kauderer letztendlich doch für die zapfige Wintergaudi erwärmen konnte. Denn grundsätzlich sei er ja kein großer Fan all jener Challenges, die im Lauf der vergangenen Jahre vor allem in sozialen Netzwerken die Runde machten, gesteht Kauderer. An dieser aber habe ihm die Idee gefallen, wie Andy Vogl das Ganze letztendlich eingefädelt hat; der soziale Aspekt eben.

Ein paar Kollegen mehr, die sich am Kaltwassergrillen beteiligen, hätten es nach Kauderers Geschmack schon sein dürfen. Schließlich stieß das Ganze ja auch durchaus auf öffentliches Interesse: So seien ein paar Autofahrer auffallend langsam vorbeigefahren, als sie die Szenerie im Stadtwall erblickten, erinnert sich Kauderer schmunzelnd.

Eingebrockt hatten dem Schrobenhausener Stadtrat das Ganze übrigens die Einigkeit-Schützen Steingriff sowie die Stoagriffer Originale, die damit zumindest billigend in Kauf nahmen, dass die Lokalpolitiker kalte Füße kriegen.