Schrobenhausen: Beeindruckende Intensität
Max Hanft an der Orgel und Siegfried Hirtreiter (r.) an der Trompete garantierten einen musikalisch hochklassigen Jahresausklang - Foto: Erdle
Schrobenhausen

Jakob ins beste Licht.

Stadtpfarrer Josef Beyrer konnte den zahlreichen Konzertbesuchern versichern, unter den vielen verschiedenen Möglichkeiten, den Silvesterabend 2015 zu verbringen, eine der festlichsten gewählt zu haben. Die durch den „Verein zur Förderung der Kirchenmusik“ ermöglichte Veranstaltung bot zwei Künstler auf, die separat bereits in den Vorjahren erfolgreich Schrobenhausener Silvesterkonzerte gestaltet hatten; was lag also näher, als den Pfaffenhofener Max Hanft – bei seinem bislang vierten Gastspiel an den 30 Orgelregistern – und den Straubinger Trompeter Siegfried Hirtreiter gemeinsam zu verpflichten.

Von Beginn an war erkennbar, wie gut die beiden im Zusammenspiel harmonierten, wie sehr sie auf rhythmische Exaktheit Wert legten und was für ein klar-durchdringender Trompetenton, je nach Bedarf warm oder silberglänzend, samt allen Schleifern und Verzierungen Hirtreiter zur Verfügung steht.

Hervorgehoben sei auch die durchdachte Programmgestaltung, die eine gelungene Balance zwischen Weihnachtsandacht und Jahresschlussfreude hielt.

Variationen über „Vom Himmel hoch“ in Pachelbels Orgelfassung (nach Luther) oder in einer leicht angejazzt harmonisierten Version (nach Spee) aus der Weihnachtskantate des Zeitgenossen Hans Uwe Hielscher rahmten insofern die ins Zentrum gerückte Feuerwerksmusik-Suite von Georg Friedrich Händel, wo die Orgel nicht allein begleitende Wirkung, sondern als „Orchester“-Ersatz von der gemessen punktierten Ouvertüre an gleichberechtigte, wenn nicht führende Stellung übernahm.

Hirtreiters bläserische Qualitäten kamen auch in der „Intrada“ des Norwegers Arne Dagsvik mit ihren fanfarenartigen Klängen besonders zur Geltung: eine wahre „Festmusik“, wirksam, wuchtig, majestätisch. Das ausgedehnte spätbarocke Largo des Padre Martini mit seinen sich hochziehenden 16tel-Girlanden bot dem Trompeter Gelegenheit, seine Legatokultur über alle Lagen vorzuführen.

Max Hanft ist nicht nur ein großartiger Begleiter an allen Tasteninstrumenten; einen Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit bildet die Orgelmusik, bevorzugt die Literatur bis Bach. Entsprechend wusste Hanft seine Klasse als Solist eindrucksvoll mit zwei Großwerken der Orgelliteratur unter Beweis zu stellen, denen – neben ihrer dreiteiligen Anlage – große Klangfülle wie starke Intensität (und überragende Aufführung) gemeinsam waren. Felix Mendelssohn Bartholdy, der sich seit Bachs Tod als erster Komponist wieder ernsthaft mit der Orgel beschäftigte, hat mit dem knapp 200taktigen Allegro, Choral und Fuge MWV W 33 wohl sein längstes Orgelwerk geschaffen. Hanft blieb dem ungestümen, wild improvisatorischen Beginn einer moll-Toccata nichts schuldig, von der sich der Choral in strahlendem D-Dur umso machtvoller abhob, um unmittelbar in eine mit dem richtigen Maß gesteigerte Fuge überzugehen. Der Komponist dieses eindrucksvollen, doch unbekannten Werks für Orgel heißt Mendelssohn – ein Name, den man sich wird merken müssen.

Bachs so frühe wie noch heute kühne G-Dur-Fantasie BWV 572, mit ihrer nach flirrendem Beginn in fünfstimmigem Kontrapunkt unbeirrbar fortschreitend sich aufbauenden Spannung, bedürfte an sich eigener ausführlicher Würdigung. Nur mit Mühe schien der große Kirchenraum der schneidenden Intensität und Klangmacht noch gewachsen. Für solche Musik muss die Orgel erfunden worden sein – kompositorisch und interpretatorisch der Höhepunkt des Abends.

Das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe, die bereits erwähnte Intrade. Musikalisch so gelungen mit Friede (la paix) und Freude (la réjoussaince) aus der Feuerwerksmusik in die Neujahrsnacht zu starten – beileibe kein schlechter Wunsch für 2016!