Das Büffeln von Theorie gehört eben so zum Volkshochschulkurs über Pilze wie ein praktischer Teil..
Das Büffeln von Theorie gehört eben so zum Volkshochschulkurs über Pilze wie ein praktischer Teil.
Anna Fischhaber
Schrobenhausen

Dieter Honstraß, sozusagen der Meister der Pilze, lehrt rund 20 Kursteilnehmern eine Woche lang das richtige Bestimmen von Schwammerln. Der Pilzexperte gibt schon seit 20 Jahren bundesweit sein geballtes Wissen über Pilze weiter. Wie jedes Jahr reisten viele Kursteilnehmer von Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen an, auch Honstraß selbst kommt aus Niedersachsen. Im Gegenzug dazu kommt nur knapp die Hälfte aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Viele Schrobenhausener wüssten wahrscheinlich gar nicht, welch tolle Kurse hier angeboten werden, meint eine Kursteilnehmerin. Einige unter den Lehrgangsteilnehmern haben sogar Bildungsurlaub von ihren Firmen bekommen, um beispielsweise zu erfahren, dass es in Mitteleuropa 6000 verschiedene Pilzarten gibt, allein in Bayern bis zu 3500 - weshalb es laut Honstraß auch so oft zu Verwechslungen komme. Das wiederum könne zu Vergiftungen führen. "Immer öfter tauchen Magenprobleme erst nach Tagen oder Wochen auf, die dann immer noch auf die Pilze zurückzuführen sind", erzählt der Spezialist in Sachen Pilzen.

Ihm sei es besonders wichtig, dass seine Intensivkursteilnehmer lernen, mit einem Buch die Schwammerl richtig zu bestimmen, denn so können Verwechslungen und damit auch Magenbeschwerden vorgebeugt werden. Das funktioniere folgendermaßen: Im Bestimmungsbuch wird zum Beispiel eine Frage zum Stil gestellt, die durch zwei Möglichkeiten beantwortet werden kann. Nach dem Beantworten mehrerer Fragen komme man zum Schluss auf den richtigen Namen des Pilzes und könne dann herausfinden, ob der Pilz genießbar sei oder nicht, erklärt Honstraß das fachliche Handwerk. Auf gar keinen Fall darf ein Pilz anhand von Bildern bestimmt werden. Laut Honstraß vertun sich dabei viele Sammler, denn ein Pilz wird nach seinem Stil, Hut und den Sporenstaubfarben ausgewertet, aber auch das Auge und die Nase spielen eine wichtige Rolle. Nachdem die Teilnehmer des Kurses ihre gesammelten Pilze bestimmt haben, lautet der nächste Arbeitsauftrag: Pilze mit dunkler Sporenstaubfarbe im Wald sammeln. In drei Gruppen geht es mit Körben in verschiedene Waldstücke rund um Schrobenhausen hinaus.

"Als Pilzsammler sollte man auf jeden Fall wissen, dass ein Laub- oder ein Nadelwald verschiedene Pilzarten verbirgt und auch die nordwestliche oder südöstliche Hanglage im Wald eine wichtige Rolle spielt", ist eine Kursteilnehmerin überzeugt.

Dieter Honstraß erwähnt noch, dass es Pilze am liebsten feucht und warm haben; dort, wo viel Wind durchwehe, werde man weniger bis gar keine Schwammerl finden. Durch den vielen Regen heuer im Juni und Juli kamen schon viele Schwammerl im August zum Vorschein, obwohl die Hauptsaison sonst im September/Oktober beginne. Da ein Pilz zu drei Vierteln aus Wasser besteht, begann die Hauptsaison schon etwas früher als üblich. "Einige Pilze machen den Forstwirten immer wieder Ärger. Der bekannteste ist der Hallimasch, der ganze Bäume zerstören kann, deshalb findet man ihn oft rings um die abgestorbenen Bäume", berichtet der Pilzexperte weiter.

Auch nächstes Jahr wird Dieter Honstraß mit seiner mobilen Pilzschule wieder im Herbst an der Volkshochschule in Schrobenhausen einen Intensivkurs anbieten, zuvor ist er im Frühling noch in Neuburg unterwegs.