Brunnen: Mit Leib und Seele dabei
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Brunnen

Will man in Brunnen in die Kirche, muss man zunächst ein bisschen suchen. "Unsere Kirche ist nicht wie bei den meisten Dörfern direkt an der Hauptstraße", erzählt Andreas Hörner, der Kirchenpfleger der Kirche St. Michael in Brunnen. "Aber das ändert sich jetzt, wenn der Stadl davor abgerissen ist. Dann hat man wieder einen guten Blick auf die Kirche."

Und diese Kirche schaut sich der seit 2013 gewählte Kirchenpfleger sehr gerne an. Obwohl er erst seit 2008 in Brunnen lebt, hat er sich von vornherein in der Pfarrei engagiert. Er organisiert beispielsweise den Kinderkreuzweg und -rosenkranz. Schon bald wurde auch der vorherige Kirchenpfleger auf ihn aufmerksam. "Ich bin 2010 in den Pfarrgemeinderat gekommen. Unser alter Kirchenpfleger hat sein Amt 34 Jahre gemacht und wollte es rechtzeitig übergeben", erzählt Andreas Hörner. "Er hat mich als möglichen Nachfolger ausersehen. Dann bin ich gewählt worden und seitdem bin ich Kirchenpfleger."

Und von da an führte er das Amt mit Leib und Seele aus. "Es macht wahnsinnig viel Spaß - es gibt natürlich Pflichten, die lästig sind, aber die man halt dann erledigen muss. Aber mich hat es von vornherein interessiert. Die Skepsis war eher, ob ich das schaffe neben Familie und Arbeit. Nach einigen Überlegungen habe ich gesagt, ich probiere es."

Eigentlich ist der 41-Jährige nämlich Physiker an der Universität Augsburg und in Forschung und Lehre tätig. Dadurch hat er oft eine relativ freie Zeiteinteilung und kann unter Umständen auch eine Stunde früher gehen oder später kommen. Das sei ein großer Vorteil, da er als Kirchenpfleger doch sehr viele Aufgaben zu bewältigen hat. "Auf der einen Seite bin ich als Kirchenpfleger in der Kirchenverwaltung tätig. Es geht darum, die Pfarrei finanziell zu verwalten, dafür zu sorgen, dass genug Geld da ist und nachzurechnen, ob es reicht. Da wir eine kleine Pfarrei sind, muss ich viele Sachen organisieren. Ich übernehme auch Aufgaben, die die Liturgie oder den Gottesdienst betreffen - die haben eigentlich ja nichts mit dem Kirchenpfleger zu tun."

Dabei haben sich seine Erwartungen an das Amt weitestgehend erfüllt. "Es sind Aufgaben dabei, die so sind, wie ich es mir vorgestellt habe." Und dann seien da aber auch viele Verwaltungssachen, mit denen Hörner zu tun habe. "Kirchenpfleger heißt nicht nur Kirchenpfleger. Man ist auch manchmal eine Art Hausmeister, wenn kleinere Arbeiten, die schnell gemacht werden müssen, anfallen, erledige ich die auch noch nebenher", sagt er.

So kann Andreas Hörner als Kirchenpfleger auch sein Hobby ausleben: sich handwerklich betätigen. "Eine besondere Beziehung habe ich zum Volksaltar. Den habe ich selbst gemacht, der stammt von mir", berichtet er stolz. Im Pfarrgemeinderat war lange die Rede von einem neuen Volksaltar, da der alte nur aus einem wackeligen Holzgestell bestand. "Einen Volksaltar darf man natürlich nicht selbst bauen, ein Volksaltar muss immer aus Stein sein", erklärt er. "Wenn man einen neuen Volksaltar errichtet, ist das relativ aufwendig mit Denkmalpflege, mit Liturgiekommissar und vielem mehr. Das heißt, der Altar, den ich jetzt gemacht habe, ist kein offizieller Volksaltar, sondern ein Provisorium. Aber ein Volksaltar ist sehr teuer und für eine kleine Kirche nicht einfach bezahlbar", weiß Hörner. Und nachdem er die Idee zum Altar schon länger im Kopf gehabt habe, "habe ich es einfach mal gemacht", sagt er lachend - und hat der Kirche damit viel Geld gespart.

Was nicht heißt, dass im Laufe der Zeit nicht auch schon viel Geld in die Kirche investiert wurde. Der Grundstein der Kirche, wie sie heute steht, wurde 1848 gelegt. Damals hatte man beschlossen, dass die alte Kirche nicht mehr groß genug sei und erweitert werden muss. Der Turm wurde allerdings stets beibehalten und nur an die Veränderungen angepasst. "Eine Besonderheit ist die Weihe der Kirche, die war erst 1905, also deutlich später als die Grundsteinlegung", erzählt Andreas Hörner. "Warum das Loch dazwischen ist, das weiß eigentlich keiner."

Und das ist nicht das einzig Faszinierende an der Kirche: "Wir haben einen ganz besonderen Hochaltar, einen Ziborienaltar mit einem Deckel drauf", sagt der Kirchenpfleger stolz. "Das gibt es eigentlich eher in den Altären der großen Kirchen, im Dom in Regensburg oder im Petersdom. In kleinen Kirchen ist das eher eine Seltenheit."

Diesen Ziborienaltar betrachtet Andreas Hörner fast jeden Sonntag, wenn er in die Kirche geht. "Ich weiß nicht, ob das vom Kirchenpfleger erwartet wird, aber ich gehe schon jeden Sonntag in die Kirche. Es geht auch die ganze Familie mit." Das Amt des Kirchenpflegers wäre auch ohne Unterstützung seiner Frau nicht möglich: "Meine Frau ist manchmal nicht besonders begeistert, wenn ich schon wieder los muss, aber ich werde immer von ihr unterstützt. Sie macht selbst relativ viel in der Pfarrei."

Andreas Hörner wirkt sehr tief im Glauben verankert - obwohl in der Gesellschaft oft der Gedanke herrsche, dass Wissenschaft und Glaube nicht miteinander vereinbar sind. Hörner weiß das. Für den Kirchenpfleger stehen sein Glaube und seine Arbeit als Wissenschaftler allerdings nicht im Widerspruch: "Man kann natürlich die Bibel nicht von A bis Z so nehmen, wie sie dasteht. Dass es mit Adam und Eva begonnen hat, das kann ich als Wissenschaftler direkt jetzt nicht so sehen", erklärt er. Man sollte seiner Meinung nach die Bibel aber auf jeden Fall als Lebenshilfe nehmen. "Was mir ganz besonders gefällt, ist die große Gemeinschaft und Nächstenliebe. Es gibt natürlich Kritikpunkte, das, was man selbst nicht als gut empfindet. Aber es gibt in der Kirche auch viele Sachen, die es wert sind, dass man in der Kirche mitarbeitet und etwas für die Kirche tut", ist der 41-Jährige überzeugt.

Und etwas für die Kirche zu tun, seinen Beitrag zu leisten, das hat er auch noch lange vor: "Ich mache das Amt bestimmt noch weiter - beziehungsweise würde es weitermachen, ich muss ja wieder gewählt werden, wenn die Brunnener mit mir zufrieden sind."

Hörner jedenfalls ist zufrieden, sehr sogar. Wenn er einen Wunsch hätte, dann nur den, dass es in Brunnen so weitergeht, wie es momentan ist. "Uns geht es jetzt von den Gottesdiensten und von den Pfarrern her sehr gut. Wir haben auch sehr viele Kirchenbesucher. Und gerade wenn irgendwelche Feste sind, Feuerwehr, Sportverein, gehört die Kirche immer dazu", sagt er. "Es geht eigentlich immer mit einem Gottesdienst los und da sind dann auch wirklich viele Leute da. In Brunnen steht die Kirche mitten im Ort - auch wenn sie geografisch gesehen nicht direkt an der Hauptstraße steht. Es soll einfach so bleiben, wie es ist."