Pfaffenhofen: Kehrtwende bei den Tierschützern
Das Vorstandsteam um Vorsitzende Manuela Braunmüller (Mitte) führt den Tierschutzverein: Beisitzerinnen sind Christine Preyß-Jäggle (nicht auf dem Bild) und Kerstin Renner (von links), Kassier Beate Weichenrieder, zweite Stellvertreterin Barbara Sputh und Schriftführer Daniel Mandlik.
Pfaffenhofen
Ein neuer Vorstand um Manuela Braunmüller soll’s beim Tierschutzverein richten. Erste Amtshandlung: die ehemalige Heimleiterin Sandra Lob, deren Kündigung durch den alten Vorstand den Verein in zwei Lager gespalten hat, zurückholen. „Wir haben beschlossen, dass Sandra Lob wieder die Tierheimleitung übernimmt“, verkünden Braunmüller und Stellvertreterin Barbara Sputh unisono. Applaus. „Es freut mich narrisch“, antwortet Lob bei ihrer einzigen Wortmeldung des Abends. Sie stehe zur Verfügung. Und da ab sofort der neue Vorstand den Tierschutzverein bei einem laufenden Arbeitsgerichtsprozess vertreten wird, dürfte die gütliche Einigung beider Seiten wohl eher eine Formalie sein.

Bei der Versammlung ist es von Anfang an gesteckt voll. Die Schlange bei der Ausgabe der Wahlzettel reicht durch das Treppenhaus bis ins Erdgeschoss der Tierherberge. „So voll war es noch nie“, raunt ein Gründungsmitglied. 94 Stimmberechtigte und viele Gäste sind gekommen. Sitzplätze sind Mangelware.

Nach langem Hickhack um die Entlastung des Vorstands für die vergangenen vier Wochen seit der vorherigen Versammlung – die Mitglieder wollen sich rechtliche Schritte in Sachen der Kündigung vorbehalten – tritt die alte fünfköpfige Führungsmannschaft um Andrea Fuchs aus freien Stücken zurück. Ohne Drama, ohne Pathos – und ohne Worte: Der städtische Tierschutzreferent Roland Dörfler (Grüne) verliest stellvertretend als Versammlungsleiter eine kurze schriftliche Erklärung.

„Die Trennung (von Lob) war zwingend erforderlich“, heißt es darin unter anderem. Die emotional geführte Debatte habe man nicht beabsichtigt. Vorsitzende Fuchs blickt auf den Tisch vor sich, ihr Stellvertreter Rainer Daschner mustert die Menge. Stoisch und kommentarlos lassen sie verbale Attacken, Zwischenrufe, teils auch Hohn über sich ergehen. Ohne Gegenwehr.

Die übernimmt ein Außenstehender: Hinten im Raum steht mit verschränkten Armen Gerd Schmidt. Er ist Kenner vieler Tierschutzvereine und somit vieler Krisen. Als Vorsitzender und Heimleiter mit straffem Führungsstil steht er im Ruf, den Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen ohne Wenn und Aber im Griff zu haben. Und als wohl noch neutralste Instanz der Versammlung haut er kräftig auf den Putz: „So ein Kasperltheater wie hier habe ich noch nie gesehen“, moniert er. Entscheidungen von Vorsitzenden müssten akzeptiert werden, damit Vereinsarbeit funktionieren könne.

Schmidt kritisiert die Art und Weise, wie die Mitglieder mit dem zurückgetretenen Vorstand umgehen: „So viele persönliche Angriffe – das entsetzt mich.“ Die Tierschutzvereine dürften sich da über ihren Ruf nicht wundern. „Die Schuld daran tragen aber nicht die Vorstände, sondern die Mitglieder“, poltert der Tierschutz-Chef aus dem Nachbarlandkreis. Für dieses Machtwort wird er später von den Gegnern des alten Vorstands kritisiert. Aber davon bekommt er nichts mehr mit. Er hat das „Kasperltheater“ dann schon aus Protest verlassen.

Auch zwei Mitglieder des bisherigen Vorstands verlassen die Versammlung vorzeitig: Die zurückgetretene Vorsitzende Fuchs und ihre zweite Stellvertreterin Renate Schichtl gehen, sobald die neue Erste Vorsitzende gewählt ist – und ernten dafür verächtliche Kommentare. Der Streit innerhalb des Vereins kann von Außenstehenden nicht mehr durchschaut werden. Da geht es nicht nur um Tierliebe, sondern auch um berufliche Existenzen, um Interessen von Kommunen und nicht zuletzt auch um gekränkte Eitelkeiten. Als Moderator hat Stadtrat Dörfler, unterstützt vom Stadtjuristen Florian Erdle, der rechtliche Schützenhilfe leistet, seine liebe Mühe, die Versammlung über die Bühne zu bringen. Immer wieder droht sie in Grundsatzfragen und Nachtarocken abzugleiten.

Nach gut drei Stunden steht dann endlich der neue Vorstand (siehe Kasten). Nur um den Vorsitz gab es mit Franz Clement aus Reichertshofen einen Gegenkandidaten, der aber mit zwölf zu 63 Stimmen scheiterte.

Und wie wollen die Neuen nun mit ihren Vorgängern umgehen? „Unsere Türen stehen allen offen, die ernsthaft am Tierschutz interessiert sind; bei uns gibt es keine Hausverbote“, sagt Vorsitzende Braunmüller nach ihrer Wahl dazu. „Aber zum Stänkern brauchen wir keinen“, schiebt Stellvertreterin Sputh nach.

Jetzt muss die Zeit zeigen, ob der neue Vorstand der Lob-Befürworter nicht nur die wirtschaftlichen und vertraglichen Verpflichtungen erfüllen, sondern den Verein auch wieder in ruhiges Fahrwasser bringen kann – zum viel zitierten „Wohl der Tiere“, das bei den Querelen der vergangenen Wochen natürlich beide Seiten für sich beansprucht haben.

Die frühere Vorsitzende Sonja Kostinek jedenfalls gab dem neuen Team einen Rat mit, den sie 1996 nach der bisher größten Vereinskrise der Tierschützer vom damaligen Notvorsitzenden Franz Kaindl bekommen habe: „Tierschutz ist eine wichtige Aufgabe; nehmen Sie diese ernst; verzehren Sie sich darin, dann haben sie keine Zeit für Streitigkeiten.“