Und so finden sich immer wieder Arbeitsaufträge, Bibelstellen nachzulesen und zu vergleichen. Bauer weist gezielt auf Widersprüche etwa bei den Evangelisten hin, erläutert, wie sie zustande gekommen sein könnten und ermuntert die Leser, sich Gedanken über den einen oder anderen Sachverhalt zu machen.

Wie ist das Weihnachtsfest entstanden? Was hat es mit dem Datum auf sich? Warum schreiben die Evangelisten unterschiedlich? Wie geht es nach der Geburt Jesu mit den Hauptakteuren weiter? Bauer geht diesen Fragen und noch vielen mehr nach, bettet sie in den historischen Kontext ein, berücksichtigt die Symbolik von Wörtern und Zahlen und zieht seine Schlüsse.

Bauer scheut dabei keine Konfliktfelder. Er vergleicht beispielsweise auch, wie die Geburt Jesu im Koran beschrieben wird. Und ganz am Ende verweist Bauer gar auf Hinweise, dass das Lukasevangelium von einer Frau geschrieben worden sein könnte. Das mag dem ein oder anderen nicht gefallen (Bauer: "Ich erwarte Brandbriefe."). Aber der Vohburger gehört nicht zu den Menschen, die mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten, nur weil sie nicht opportun ist.

Bauer hat sicher kein einfaches Buch geschrieben. Aber wer sich für Weihnachten interessiert und bereit ist, etwas Mühe zu investieren, der wird mit vielen interessanten - und eben auch kontroversen - Einblicken belohnt.

Johann Bauer: Als Weihnachten entstand, 198 Seiten, Westext-Verlag, 14,90 Euro.