Steinerskirchen: Mit Humor und Bedacht
Abt Hermann Josef Kugler holte die gut 1000 Gläubigen vom ersten Moment an ab. - Foto: Miriam Straßer
Steinerskirchen

Gut eine Stunde vor dem Beginn suchen noch einige Böen den Steinerskirchner Berg auf, schütteln die Bäume kräftig durch - und haben dann doch genug Anstand, um von dem kleinen Wallfahrtsort Abstand zu nehmen. So scheint auf die gut 1000 Wallfahrer, die zum Großen Frauentag, wie Maria Himmelfahrt auch genannt wird, nach Steinerskirchen geströmt sind, angenehm warmes Sonnenlicht. Das trägt natürlich auch zur guten Stimmung bei, wie die vielen Bekannten, die man hier trifft. Die Autokennzeichen verraten allerdings, dass auch Menschen von weiter her der Gottesmutter, die auch das Patrozinium der Wallfahrtskirche innehat, die Ehre geben wollen.

Jedes Jahr wird für ein besonderes Projekt gesammelt. Heuer ist das "Miriams Hoffnung". Dabei geht es um eine heimtückische Krankheit, die kleine Mädchen befällt. Die betroffenen Familien kämpfen ohne staatliche Unterstützung gegen das sogenannte Rett-Syndrom an und sind auf Hilfen dringend angewiesen. Die Eltern eines erkrankten Kindes stellen ihre Situation in ergreifenden Worten dar. "Miriam ist ja der hebräische Ursprung von Maria. Da passt es an diesem Tag sehr, dass man uns die Möglichkeit gibt, von der Krankheit unserer Tochter zu sprechen", sagt der Vater. Die Gläubigen zeigen durch ihre großzügigen Gaben Solidarität mit einer kleinen Miriam.

Als eine Feier des Lebens deutet auch Abt Hermann Josef diesen Feiertag. Der beliebte und durchaus beleibte Geistliche zitiert gleich mal einen ihm bekannten Tubisten, der ihn angeblich wesentlich an Leibesfülle übertrifft, mit den Worten: "Von einem schönen Menschen kann es nicht genug geben", und das in seinem schwäbischen Herkunftsdialekt - so etwas bricht das Eis. Die wahre Schönheit, stellt er rasch klar, sei die Innere. Jeder und jede sei vor Gott schön. Um das zu erkennen, bedürfe es eher der inneren Einkehr als einem übertriebenen Fitnessprogramm. So stellte er das Ja zum Leben in den Mittelpunkt seiner Predigt und schloss mit den Worten der heiligen Theresa von Avila "Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Freude hat, darin zu wohnen."

Dann machen sich die Tausend auf und setzen die Aufforderung in die Tat um. Mit bunten Kerzen in den Händen ziehen sie betend um den Berg. Die lange und leuchtende Prozession tut Leib und Seele sichtlich gut.

Auch die Musik hat ihren Anteil daran. Zum einen spielen die Hohenrieder Musibuam unter der Leitung von Gerhard Schweiger bekannte, tragende Melodien. Zum anderen bringen Pater Norbert Becker, Kerstin Kass und Christoph Lambertz mit neuen geistlichen Liedern aktuelle Akzente ein.