Reichertshausen: Erst geträllert, dann interpretiert
"Oh Happy Day": Das bekannteste Stück aus "Sister Act € läutete bei der Musical-Gala in der Reichertshausener Ilmtalhalle die große Wende ein: Adam Strong als Frontmann machte richtig Stimmung - und danach wurde der Abend zu einem echten Höhepunkt. - Foto: Steininger
Reichertshausen

Immerhin 465 Zuhörer fanden sich am Sonntag in der Ilmtalhalle ein, um in die Welt der Musicals einzutauchen. Darunter sicher welche, die die Pfaffenhofener Aufführung der Musical-Konkurrenz noch in bester Erinnerung hatten. Deshalb war die Erwartungshaltung groß, erneut musikalische Höhepunkte mit einer laut Prospekt "internationalen Starbesetzung" zu erleben. Leider aber konnte das Ensemble dieser anfangs nicht ganz gerecht werden: Fast im gesamten Repertoire vor der Pause war die Choreografie besser als die Musik. Die Tanzszenen zogen sich als positiver roter Faden durch den ganzen Abend - hier gab es keinerlei Anlass zur Kritik. Gesanglich wie stimmlich aber zeigten manche Sängerinnen und Sänger anfangs deutliche Schwächen, was durch die Auswahl mancher Titel noch verstärkt wurde.

Ein achtköpfiges Ensemble muss aus Abba-Ohrwürmern einfach mehr machen, das hat man vor kurzem mit kleinerer Besetzung weit besser gehört. Das betraf auch die Songs von Udo Lindenberg und Udo Jürgens, die - weitgehend emotionsfrei - mehr geträllert als interpretiert wurden. Etwas daneben waren auch die beiden Titel aus dem Musical "Wicked", deren Musik eher quer ins Ohr geht, was bei den für geschulte Ohren unüberhörbaren Intonationsproblemen der Protagonisten noch mehr ins Gewicht fiel. Mit "Oh Happy Day" aus "Sister Act" aber schwang sich das Ensemble vor der Pause zu einem Höhenflug auf, der hoffnungsvoll stimmte.

Irgendwie erinnerte die Gala an Fußball, denn nach der Pause erschien das Ensemble musikalisch wie ausgewechselt. Jetzt kam richtiges Broadway-Feeling auf, von Videoprojektionen unterstützt, mit Lichteffekten untermalt - und mit Tanzszenen, die einfach mitreißend waren. Wie auch die Gesangsdarbietungen, die temperamentvoll, emotional oder anrührend waren, rockig oder als gefühlvolle Ballade wie "Memory" aus dem Musical "Cats". Jetzt stimmte alles, jetzt machten die Höhepunkte der Musical-Szene aus "We Will Rock You" oder dem "Phantom der Oper" richtig Spaß, boten ungetrübten Hörgenuss. Ein musikalischer, gesanglicher Höhepunkt ohne Zweifel die "Bohemian Rhapsody", ein nicht leicht zu interpretierender Titel, den das gesamte Ensemble glänzend meisterte. Auf dem gleichen Level "Time Warp" aus der "Rocky Horror Show", das durch die Visualisierung von Uhren im Hintergrund passend illustriert wurde. Abwechslung boten auch die unterschiedlichen Besetzungen wie das Damenquartett bei "Ich gehöre nur mir" aus Elisabeth" oder das Männertrio mit dramatischen Titeln aus "Les Miserables", bei denen im Hintergrund symbolträchtig die Trikolore flatterte.

Viel geboten für Augen und Ohren also - und so verlangte das Publikum Zugaben: "The Time Of My Life" aus "Dirty Dancing" versetzte zurück in die Zeit von wippenden Pferdeschwänzen, Petticoats und Ballerinas - und Titel der Blues Brothers wie "Everybody Needs Somebody" bildeten den rockigen Abschluss eines Abends, der Licht und Schatten bot. Eben so wie im Musical "Jekyll & Hide", das mit "This is the Moment" vertreten war.