Bald Vergangenheit: Erika Hemmer in ihrem Ladengeschäft in der Ingolstädter Straße.
Bald Vergangenheit: Erika Hemmer in ihrem Ladengeschäft in der Ingolstädter Straße. Sie hätte gerne bis zur Rente dort gearbeitet, doch am Ende fehlte es an Kundschaft.
Vogl
Pörnbach

Bereits seit 1832 gibt es die Bäckerei Hemmer an der Ingolstädter Straße, in der seit 1957 auch ein Lebensmittelgeschäft untergebracht ist. 1991 haben Erika und Herbert Hemmer das Ladengeschäft von Herberts Eltern Anton und Berta Hemmer übernommen. Zum 23. Dezember wird die Ladentüre nun für immer geschlossen - aus wirtschaftlichen Gründen.

Mal eben schnell Waschmittel, eine Frauenzeitschrift, frische Semmeln und etwas Milch kaufen, das war bisher an der Ingolstädter Straße in Pörnbach möglich. Noch fast wichtiger: der Plausch an der Ladentheke. Immer wieder geht am Freitag die Ladentüre auf, vor allem ältere Leute kaufen ein. Erika Hemmer hat stets ein freundliches Wort und einen Scherz auf den Lippen, während sie Waschmittel, Dosensuppe und Brot eintütet. "Das Gaudi-Machen mit den Kunden wird mir fehlen", sagt sie.

Ende Dezember wird der kleine Laden schließen. Seit 1832 wurde das Geschäft durchgehend von den Vorfahren von Herbert Hemmer geführt. Scheftaler, Rössler und eben Hemmer hat das Geschäft schon geheißen. "Ich hätte es gerne bis zur Rente gemacht", sagt Erika Hemmer. "Aber es sind letztendlich zu wenige Kunden gekommen."

Die Baustelle mit der Vollsperre heuer hat ihr zudem einen starken Umsatzeinbruch beschert. "Aber wir hätten die nächsten Jahre auch ohne die Baustelle aufhören müssen." Leider stirbt die vorwiegend ältere Stammkundschaft nach und nach weg. Gerade ältere Leute, die nicht mehr gut zu Fuß sind oder kein eigenes Auto haben, seien gern in den Laden gekommen. "Die Jungen fahren eher auswärts zum Einkaufen", bedauert Hemmer.

Die Regale sind noch gut gefüllt, einige Sachen sind aber bereits wegen dem nahenden Ausverkauf reduziert. Das Sortiment ist ausgewogen und meist mit einem Markenprodukt und einem günstigeren No-Name-Pendant bestückt. Viele Pörnbacher kaufen hier Sachen nach, die überraschend zu Hause fehlen oder beim Großeinkauf vergessen wurden. Oft hört man in Pörnbach, wie praktisch es sei, noch schnell beim Hemmer nachkaufen zu können, was vergessen wurde. Aber: "Das sind Kleinbeträge, davon können wir nicht leben", sagt Hemmer.

Bereits 2011 hat das Ehepaar die Bäckerei aufgeben müssen, weil Ehemann Herbert schwer krank ist. Seitdem werden die Backwaren von der Bäckerei Bergmeister geliefert, die schnell und unkompliziert eingesprungen ist, wie Hemmer berichtet. Unterstützt wurde sie im Laden von zwei 450-Euro-Kräften, die noch bis Dezember da bleiben sollen. Nach der Schließung des Ladens will Hemmer weiter in der Lebensmittelbranche arbeiten.

Weiterverpachtet soll das Geschäft an der Ingolstädter Straße nicht werden. "Das ist schwierig wegen der Anordnung der Räumlichkeiten", sagt Erika Hemmer. Die Hemmers haben im Erdgeschoss ihre Küche, zu der sie nur durch den Laden gelangen. Ihre beiden Kinder haben auch etwas anderes gelernt: "Sichere Berufe, in denen sie auch bleiben sollen." Mit der Bäckerei und dem Lebensmittelgeschäft Hemmer wird im Dezember der letzte Lebensmittelladen in Pörnbach schließen. Dankbar ist Hemmer trotzdem: "Für die vielen treuen Stammkundschaften und für die netten Gespräche."